Russische Phantasien oder - Was der Michel nicht erzählt...    |
Lacplesis
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| Russische Phantasien oder - Was der Michel nicht erzählt... |
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In loser Reihenfolge werde ich in diesem Thema die Phantasieausgaben (Cinderellas), die hauptsächlich im Zusammenhang mit dem russichen Bürgerkrieg, in den 20er Jahren entstanden sind, vorstellen.
Diese Marken tauchen ab und zu in Lots und Sammlungen auf und führen regelmäßig zu Nachfragen. Einzelne sind im Michel abgebildet mit dem Hinweis, dass es sich um "private Machwerke" handelt.
Aber das Spektrum dieser Ausgaben reicht von: "Zu unrecht vom Michel als Mache defamiert" bis: "Kreativer Briefmarkenhändler will Sammler neppen".
Wenn es nicht unbedingt not tut, haltet bitte eure Antworten im Rahmen, damit das Thema nicht so unübersichtlich wird. Auf mögliche Fragen gehe ich natürlich gerne ein.
Meine Sammlung dieser Ausgaben ist bei weitem nicht vollständig, so dass ich von manchen Ausgaben z.Z. nur Beispiele zeigen kann. Ich werde die Bilder nach und nach durch vollständigere Abbildungen ersetzen.
Zur Warnung: Von vielen Aufdruck-Phantasien (besonders von teuren) gibt es Fälschungen! Da es so gut wie keine Literatur zum Thema gibt ist die Fälschungsbekämpfung schwierig.
Die von mir gemachten Wertangaben werden nicht lange Bestand haben bei der anhaltenden Preissteigerung bei Russland Material aller Art (also auch bei Phanatasie Ausgaben!). Bei qualitativ hochwertigem Material steigen die Preise z.Z. bis zu 25% pro Jahr. Es steht sogar zu befürchten das dieser Trend sich noch verstärken wird.
Eine der wichtigsten Quellen für diese Aufstellung ist die Artikelreihe von Ustinovskiy, die zwischen 1990 und 1993 in der russischen Zeitschrift "Pfilatelie UdSSR" erschienen ist. Leider jedoch ohne die Hintergrundgeschichten der Ausgaben.
Die Beiträge werden entsprechend meiner Erkenntnisse überarbeitet und mit weiteren Bildern versehen. Deshalb lohnt es sich, auch die älteren Beiträge hin und wieder durchzusehen.
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Dieser Beitrag wurde 7 mal editiert, zum letzten Mal von Lacplesis: 03.10.2007 09:56.
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11.05.2007 00:00 |
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shqip

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| RE: Russische Phantasien oder - Was der Michel nicht erzählt... |
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@lacplesis
Ja bitte, das interessiert mich sehr und ich würde mich freuen, möglicherweise einige sog." Mache" Ausgaben identifizieren bzw. mehr darüber erfahren zu können.
Für mich bist Du der Russland - Experte.....
Gruss Shqip
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11.05.2007 00:11 |
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RE: Weißrussland Phantasie |
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danke für diese interessanten beiträge ....
so macht "investigative" Philatelie Spass
mit respektvollen Grüssen aus wien
mannaro
__________________ .... SLOWAKEI (Ankauf von Sammlungen & Briefmarken (1939 - 1945 & ab 1993 bis heute) & AK`s & Ganzsachen & Briefe & Belege ....
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11.05.2007 14:17 |
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Lacplesis
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| Ukraine Kurier-Feldpost Ausgabe |
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Anzahl der Werte: 16 (?)
Hintergrund: Nachdem die ukrainische Regierung im Sommer 1920 aus ihrer letzten Hauptstadt Stanislawiw vertrieben wurde, blieb nur noch das ausweichen nach Tarnow in Polen.
Die Regierung im Exil litt natürlich unter ständiger Geldnot, verständlich also, das auch hier wieder die Philatelisten geschröpft werden sollten. Mit nach Tarnow hatte man 27 Kisten mit Marken der Schahiw-Ausgabe (MiNr. 1-5) und verschiedenen Dreizackaufdrucken gerettet.
Der Absatz der Schahiw-Ausgabe gestaltete sich ausgesprochen schwierig. Kein Wunder angesichts der Tatsache, das diese Ausgabe bis heute keinen vernünftigen Wert entwickelt hat.
Die Dreizackausgaben wurden dem Händler Hermann Fischer, Wien VI, Loqualplatz angeboten. Nachdem dieser nicht auf das Angebot reagierte wuden die Marken etwa eine Woche später an den Händler Windholz aus Czeska Teschina verkauft. Kaum waren die Dreizacke weg, erschien Herr Dr. Rotstein, als Vertreter von Fischer und begann sich umgehend darüber zu beschweren, das er umsonst von Wien angereist sei. Um nicht das Gesicht zu verlieren, ließ sich das Postministerium der ukrainischen Exilregierung dazu überreden einen Kurierpost-Aufdruck "Kuriersko poliowa Poszta" in zwei verschiedenen Typen auf den Schahiw-Ausgaben anzubringen.
Es wurden zusätzlich zwei Messingstempel (Hauptpostamt und Feldpostamt) hergestellt und damit eine Reihe von Belegen erstellt.
Die Legende dieser Ausgabe besagt, das die Postämter in Tarnov und Rzhekhov ansässig waren.
Es wurden auch Fiskalmarken der Ukraine mit diesem Aufdruck versehen.
Der violette Aufdruck in polnischer Sprache, wie auf Bild 1 gezeigt scheint eine später entstandene Phantasie-Ausgabe zu sein.
Eine weiteres Gerücht besagt, das die Marken tatsächlich postalisch verwendet wurden, zusammen mit den 10,20 und 40 gr. Werten der Wiener-Bildausgabe.
Das abgebildete waagerechte Paar der blauen 10 Griven Marke zeigt bei der rechten Marke und die 6er-Einheit bei der Marke unten rechts einen Aufdruckfehler. Der letzte Buchstabe in der Währungsangabe (unterste Reihe) ist kursiv gedruckt.
Weiter bekannte Fehler sind kopfstehende Aufdrucke, "I" statt "1" in der 10 und "K" statt "H" in Griven.
Die Marken wurden teilweise von Fischer signiert.
Literatur: M. Sekretar: "Über die sog. Kurier-Feldpost" in Ukraine-Philatelist Nr. 3-4, März/April 1930
Rossica Journal 45 Seiten 34-45.
Wert: 3,00-5,00 Euro Stück
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Dieser Beitrag wurde 14 mal editiert, zum letzten Mal von Lacplesis: 19.11.2007 22:47.
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11.05.2007 16:05 |
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Lacplesis
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| Asobny Atrad BNR - Weissrussische Armeepost Ausgabe |
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Anzahl der Werte: 5/5
Hintergrund: Im Sommer 1919 hatte sich der belorussiche Truppenteil der Westarmee von der Armee getrennt um auf eigene Faust weiterzumachen. Der Kommandeur Oberst Bulak-Balachowitsch beförderte sich mit Billigung seiner Regierung (siehe oben...) zum Generalmajor und unterstellte seinen Verband dem estnischen Oberkommando. Die belorussische Einheit wurde bei Marienburg in Livland in der Lücke zwischen der estnischen und der lettischen Front eingesetzt.
Am 19. Januar 1920 bat die Militärdiplomatischen Mission in Lettland das lettische Finanzministerium um Unterstützung bei der Herausgabe einer Briefmarkenausgabe für die Armeepost der Belorussen.
Bereits am 15. Februar wurden die Andruckbögen der Marken an die Auftraggeber übergeben.
Feldpostämter in denen diese Marken verwendet wurden befanden sich in Marienburg und Alt-Schwanenburg. Frankaturgültigkeit (in Lettland und Estland akzeptiert) bestand für diese Ausgabe vom 16.03.20 bis zum 22.04.20.
Besonders hervor tut sich diese Ausgabe durch ihre optische Qualität. Die Entwürfe für die Marke stammen vom berühmten russisch/lettischen Briefmarkendesigner Prof. Richard Sarinsch, der auch zahlreiche Marken des Kaiserreichs Russland und der Republik Lettland gestalltet hat.
Auch diese Ausgabe diente in der Hauptsache natürlich dazu Philatelisten auszunehmen.
Dem entsprechend wurden sofort nach Ausgabe Briefmarkenhändler für den Vertrieb gesucht. In der ersten Zeit wurden die Händler Georg H. Jaeger (Libau) und A. Liwschitz (Riga) mit Material versorgt. Bereits im Mai tauchten erhebliche Mengen an Fälschungen in Riga und Berlin auf. Gleichzeitig weigerte sich Lischwitz die Marken (für die er natürlich noch nicht bezahlt hatte..) zu vertreiben.
(Ein Schelm der böses dabei denkt... Aber wie hätte Herr Lischwitz auch die Marken aus eigener Produktion vertreiben sollen, wenn er auch noch die Echten angeboten hätte.)
Gedruckt wurden offiziel ca. 5 Millionen Marken (gezähnt 11 1/2, ungezähnt und ungezähnt ohne Gummi). Davon haben glücklicherweise nur ca. 1% den Briefmarkenhandel erreicht. Wieviele Fälschungen es von dieser Ausgabe gibt ist nicht einmal zu schätzen.
Es gibt zwei Klischeetypen des Schriftzuges. Typ 1 wurde nur auf der 15 Kop. Marke verwendet. Typ 2 auf allen anderen. 15 Kop. Marken Typ 2 sind falsch.
Literatur: W. Batiewskij: Zur Entstehung der Briefmarkenausgabe "Asobny Atrad BNR" in Belarus-Report, Heft 4, 2004
Weiterführende Informationen bei Arge Belarus: www.arge-belarus.de .
Wert: ungestempelter Satz ca. 1,00 - 2,00 Euro, geschnitten oder gezähnt. Gestempelter Satz (Gefälligkeitsentwertung) mit dem abgebildeten Stempel ca. 10,00 Euro. Echt gelaufene Belege ab 60,00 Euro.
Andererseits... Am 06.10.07 wurde auf ebay der auf Bild 5 abgebildete Posten von 129 Bögen (natürlich keine echten...) für 64,00€ verkauft...
Eine Wiederaufnahme in den Michel wird von der Arge Belarus angestrebt.
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Dieser Beitrag wurde 7 mal editiert, zum letzten Mal von Lacplesis: 08.10.2007 18:16.
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11.05.2007 22:37 |
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@LAcplesis
Ich muss einfach mal Danke sagen, das ist eine Super-Serie, aus der man jede Menge Hintergrundinformationen und geschichtliches Wissen erfahren kann. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung
Grüsse
Kramix
__________________ Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )
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11.05.2007 22:52 |
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shqip

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@lacplesis
Bitte weitermachen !
Es ist ein Thema, welches mich ungemein interessiert ( hatte ich ja schon angedeutet ) und ich möchte Dir für die Mühe, die eine solche Aufbereitung eines mehr oder weniger unbekannten Terrains macht, meinen Respekt kundtun !
Ein kleiner Nebeneffekt hat sich bei mir - auch auf dem Hintergrund der Diskussion um fachliche Beiträge - eingestellt und ich überlege nun , ob ich in den nächsten Wochen das Land Albanien mit seiner bewegten Geschichte vorstelle.
Literatur und Marken habe ich, Spass an der Materie sowieso, doch erst mal werde ich 1 Woche auf Malta verbringen ( vom 20. - 26. Mai ) .
Auf Malta bin ich neugierig eben auch wegen der ungemein spannenden Geschichte des Landes ( Orden kämpft gegen osmanische Besatzung )
Nach dem Urlaub werde ich Deinen "phantastischen Russlanderzählungen" folgen, sehen, ob ich etwas beitragen kann und dann vermutlich an einem fachlichen, informativen Beitrag ( Albanien ) basteln.
Gruss Shqip
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von shqip: 11.05.2007 23:49.
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11.05.2007 23:45 |
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So - der zarenadler fliegt auch mal wieder durchs Forum ( hatte in der letzten zeit viel um die Ohren )
Also @Lacplesis, ich kann nur sagen - Respekt ! Viele der Marken sind auch in meiner Sammlung. Doch zum Teil war mir der (geschichtliche) Hintergrund nicht so bewußt, obwohl ich auch sehr viel Lieteratur aus dieser Zeit lese.
Mach weiter - ich warte gespannt auf neue Dinge. Ich wühle mal in meinen Alben, vielleicht kann ich auch etwas dazu beitragen
Hast Du schon mal drüber gedacht das als Veröffentlichung zu gestalten.
Ich würde mich direkt anmelden !
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12.05.2007 13:14 |
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Lacplesis
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| Westarmee Aufdruck Phantasien |
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Anzahl der Werte: ?
Hintergrund: Um die Vorlage meines Sammlerkollegen Zarenadler zu nutzen, machen wir mit der (vorerst) letzten Phantasieausgabe im Zusammenhang mit der Westarmee weiter.
Als diese letzte Armeepost-Ausgabe der Westarmee aus der Druckerei kam, hatte die Westarmee bereits aufgehört zu existieren. Die einzelnen Verbände hatten sich über die Reichsgrenze nach Ostpreußen zurückgezogen.
Um nicht auf allen Kosten sitzen zu bleiben verkaufte die Druckerei die gesamte Auflage an den Briefmarkenhandel. Kaum verwunderlich, das sich die Marken ungefähr so gut verkauften wie geschnittene oder gezähnte Stückchen Packpapier. Ein (leider mir bis jetzt nicht namentlich bekannter...) Briefmarkenhändler aus Deutschland kam auf die übliche Idee: Teile seines Bestandes mit Überdrucken zu veredeln. Der Aufdruck lautet "Einigkeit und Freiheit" auf russisch. Das soll wohl eine Nachwerwendung durch die Kommunisten andeuten.
Wert: Der Handelswert der Marken ist gering (>0,50 Euro), sie tauchen jedoch eigentlich nicht besonders häufig auf. Deshalb ist es mir bis jetzt auch nicht gelungen festzustellen, ob noch mehr, als die gezeigten Werte überdruckt wurden.
Sowohl Zarenadler als auch ich zeigen hier nur den Wert zu 15 Kop. der zusätzlich mit neuer Nominale 50 überdruckt wurde. Andere Werte mit überdruckter Nominale sind mir bis jetzt nicht untergekommen.
| Dateianhang: |
RuCind05.jpg (84,05 KB, 681 mal heruntergeladen)
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Dieser Beitrag wurde 4 mal editiert, zum letzten Mal von Lacplesis: 16.05.2007 01:21.
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12.05.2007 16:57 |
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Lacplesis
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