Posthistorie

  • Hallo Kramix !


    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst heute auf Deinen überaus interessanten Thread gestossen bin - dank Bernd HL - welcher gerade zur Berlin - Messe angereist ist.


    Nach vielem Briefmarkenschnuppern haben wir auch noch über "dit und dat" im Forum geredet und ich war bestürzt, das ich


    a ) Deinen wunderbaren Thread noch nicht gelesen hatte


    b ) nichts davon wusste, dass Du per PN aus dem Forum heraus angegriffen wurdest


    Ich denke, ab heute darf ich nicht mehr selektiv in den Forumsbeiträgen lesen, sondern muss wirklich alles genau verfolgen, denn bösartige Attacken mag ich nicht und schon gerichtet an Forumsmitglieder, welche sich grosse Mühe machen, anderen Sammlern historische Daten in gut aufbereiteter Form zu vermitteln.


    Über das Postwesen im Inkareich hatte ich bereits Kenntnisse, dies aber eigentlich nur nebenbei, da ich mich mit dieser Kultur insgesamt beschäftigt hatte.


    Mein " Erlerntes " deckt hier sich durchaus mit den Recherchen von Kramis.


    Seine weiteren Beiträge zum Postwesen anderer Kulturen waren ebenso spannend wie informativ und ich möchte diesen Thread nicht missen !!!!


    Das ist doch wirklich Postgeschichte !


    Kramix - also lass Dich nicht unterkriegen - und so wie ich auch die Vorredner verstanden habe, hast Du sehr viele interessierte Leser !



    :goodjob: :goodjob: :goodjob:


    Gruss Shqip :rolleyes:

  • Nächste Folge in der Reihe Posthistorie:


    Post bzw. Beförderung in Griechenland


    Bevor ich etwas über die griechische Post bzw. die Botenbeförderung erzähle, ganz kurz noch ein Achtzeiler ( ist nicht von Heinz Erhardt, sondern © Kramix )


    Ein Grieche ging am Strande,
    und fand im feinen Sande,
    4 Hieroglyphen,
    und liess sie prüfen
    die Hieroglyphen waren falsch,
    er konnt sie nicht verwerten
    2000 Jahre später “ war“ n sie richtig
    ja, ja, der BPP ist schon sehr wichtig.


    Ein bisschen Spott und Ironie seien mir gestattet. Jetzt aber zum Thema:


    Warum unter allen Kulturen der Antike und der frühen Zeit nach Christi Geburt gab es in allen bekannten Kulturen so etwas wie eine geordnete Brief- bzw. Postbeförderung, aber nicht in Griechenland? Ein Land, dass über Jahrhunderte in allen kulturellen Bereichen absolut führend war und Massstäbe gesetzt hat, die zum Teil noch in der heutigen Zeit als revolutionär bezeichnet werden. Philosophie, Literatur, Technik, Zeitgeist, alles zeichnete die griechische Kultur aus, sogar im römischen Imperium, das sich weit über alle anderen Völker als Erhaben bezeichnete, galt es als Privileg, griechische Lehrer und Ausbilder an ihren scholae oder in privaten Haushalten als Lehrer zu beschäftigen.
    Was war der wirkliche Grund für diese Fehlentwicklung ???
    Nun, die politische Abfolge in diesem relativ kleinen Land führte dazu, dass sich in der Zeit v. Chr. Hunderte von Stadtstaaten, sog. Poleis bildeten ( die bekanntesten sind sicher Athen, Sparta, Theben, und Korinth ). Alle diese Stadtstaaten waren eifersüchtig darauf bedacht, Ihre Unabhängigkeit und Autonomie zu bewahren und schotteten sich daher gegen alle Einflüsse von aussen ab. Nur in Kriegszeiten bzw. bei Angriffen von externen Mächten wurde notgedrungen ein Bündnis abgeschlossen ( z. Bsp. in den Perserkriegen ), aber diese Bündnisse waren genauso unsicher wie heute eine Anlage in Papieren von Lehmann Brothers oder Morgan Stanley. Das heisst, sie bestanden nur auf dem Papier, waren nichts wert und dienten nur zur Stabilisierung der eigenen Macht ( oder Ohnmacht ).
    Also bestand auch keine wesentliche Notwendigkeit für Post- oder Botenbeförderung, man wollte einfach autark sein.
    Ausserdem war es wegen der geringen räumlichen Ausdehnung, der angesprochenen Zersplitterung in kleine Stadtstaaten, der schlechten Strassen und der gewaltigen Bodenschwierigkeiten fast unmöglich, den Aufbau einer einheitlichen und für alle gültigen Botenanstalt durchzuführen. Vor allem war es schlicht nicht nötig und vor allem nicht von den einzelnen autarken Städten gewünscht. Nachrichten wurden in der Regel auf dem Seeweg ausgetauscht, da die Griechen auf Grund ihrer geographischen Lage einen regen Schifffahrtsverkehr betrieben.
    Dennoch brachten es einige Boten, die bestimmte wichtige politische oder wirtschaftliche Nachrichten von einer Stadt zur anderen überbringen mussten, zu grosser Berühmtheit in Griechenland, was durch den Erhalt entsprechender Dokumente eindeutig bewiesen ist. Die sog. Tagläufer – auch als Hemerodromen bekannt – kamen bei den schlechten Wegeverhältnissen besser voran als Berittene. Der bekannteste und geschichtlich erwähnte Botenläufer Phidippides legte zum Beispiel den Weg von Athen nach Sparta – immerhin 230 km – in zwei Tagen zurück. ( damals gabs noch kein EPO und keine Blutauffrischung ).
    Für wichtige und geheime Mitteillungen an die Feldherren und Heeresführer benutzten die jeweiligen Regierungen meist Stabbriefe: Das war ein schmaler Streifen- im allgemeinen ein langes Papyrusblatt in Form eines Riemens – das um einen Stab bestimmter Dicke in Spiralen aufgewickelt und beschrieben wurde. Danach wickelte man ihn ab und übergab ihm dem Läufer zur Beförderung. Der Empfänger wickelte den Streifen dann auf einen Stab von gleicher Länge und Dicke ( die beiden Einheiten waren von diesen beiden Partnern vorher abgesprochen ) und konnte so die Mitteilung lesen.
    Etwas zur Bezahlung: Diese Hemerodromen erhielten für ihre anstrengende Tätigkeit einen relativ bescheidenen Lohn: Für ein Jahr Tätigkeit – wenn es denn keine negative Beurteilungen gab – erhielten sie das Anrecht und die Ausstattung, 50 Olivenbäume auf einem Ihnen angewiesenen Grundstück anpflanzen zu dürfen. Ausserdem wurden ihnen 3 Schafe und 3 Ziegen zugeteilt, allerdings mit der Massgabe, aus diesen Devotionalien die Verpflegung im Rahmen ihrer Tätigkeit für das nächste Jahr ihrer Botentätigkeit selbst zu bestreiten. ( kleine Anmerkung sei mir gestattet: ab heute muss Fredi seine eigenen Schafe züchten, denn die Schweizer Post will dieses Modell im Rahmen der weltweiten Bankenkrise wieder einführen).
    Fazit: Griechenland, ein absolut führendes Land in der kulturellen Entwicklung der Menschheit, Vorbild und Vorreiter im Bereich Literatur ( Homer, Aischylos etc. ) Trendgeber in Sachen Physik ( Pythagoras, Thales ), Feldherren, die die Geschichte der Welt massgebend beeinflusst haben ( Alexander d. Gr., Philipp, ) und ein unerschöpflicher Fundus für Mythologie ( Odysseus, Agamemnon, Herakles, um nur einige zu nennen ) war im Bereich der Posthistorie des Altertums absolut ein Entwicklungsland und daher zu vergessen. Keine Impulse, keine Entwicklungen, Rückschritt statt Fortschritt, im Prinzip das Paradebeispiel für den Zerfall der hellenistischen Kultur.


    So, das wars für heute: In der nächsten Abhandlung: Post in Ägypten


    Schönen Abend und viele Grüsse an alle !!!


    Kramix

  • Hallo Kramix,


    klasse Beitrag - wie immer von dir!


    Freue mich schon auf den nächsten ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • nach Krankenhausaufenthalt wieder " back too the roots "


    Hier also die nächste Folge: Ägypten


    Ägypten,- im Altertum auch als “ Kemet “- das schwarze Lland bezeichnet, ist noch heute ein faszinierendes Land durch seine Kulturschätze und seine geschichtliche Entwicklung und war in den Jahren vor Christus mit Sicherheit das Land, welches den bedeutendsten Einfluss im Bereich Architektur, Mathematik, Medizin und Astrologie auf alle folgenden Generationen ausübte.
    Allerdings muss man ganz klar unterscheiden zwischen dem “ alten Ägypten “ – endend mit der Eroberung durch Rom, und dem “ neuen Ägypten “, dass sich quasi ab dem 1. Jhdt. nach Christus herauskristallisierte.
    Im Bereich des Postwesens – obwohl man diesen Begriff gar nicht nehmen darf, sagen wir lieber Beförderung, hatten die Ägypter schon sehr früh erkannt, dass für ihre Bedürfnisse und Anforderungen der Nil die absolut beste Hauptverkehrsader war, daher wurden fast alle Botschaften und Nachrichten auf dem Wasserweg befördert. Da an diesem lebenswichtigen Fluss alle wichtigen Städte und Ortschaften lagen, war in der Regel eine Beförderung mit den damals schon schnellen Schiffen – den D`haus - relativ schnell und sicher. Allerdings konnte es vorkommen, dass Nachrichten in entferntere Orte übermittelt werden mussten, die auf dem Wasserweg nicht zu erreichen waren. In diesem Fall wurden die königlichen Schreiber damit beauftragt, diese Dokumente zu überbringen, was allerdings nicht im Sinn dieser in der Regel wohlbeleibten und meist übergewichtigen Hofangestellten lag. Also wurden kurzerhand sog. Tagelöhner unter einem beliebigen Vorwand in Haft genommen und unter Androhung von schwersten Strafen stellten die Schreiber ihnen dann quasi frei, sich von ihrer Schuld freizukaufen, falls sie die Beförderung der Dokumente übernehmen würden. Also kein Lohn, sondern lediglich Freispruch von einer imaginären Schuld. Da diese Tagelöhner auch nicht gerade auf den Kopf gefallen waren, stimmten sie in der Regel zu, nahmen die entsprechenden Papiere – meist Papyrus – an sich, bedankten sich für den Großmut der Schreiber und verschwanden über Nacht und Nebel mitsamt ihrer Familie, den Unterlagen und waren fortan nicht mehr gesehen..
    Erst ab ca. 2300 v. Chr. wurde dann langsam aber sicher ein etwas geordneteres Postwesen eingeführt, da durch den ausgedehnten Handelsverkehr und die Bedürfnisse der Herrscher – der Pharaonen – auch eine Verbindung zu den entlegenen Provinzen bestehen musste. Also wurden in grosser Zahl Fussboten eingesetzt, die in der Lage waren, durch ständigen Wechsel der Personen längere Strecken zurück zu legen. Vorschrift für alle Boten war, vor Antritt ihrer Reise ein Testament zu machen, da etwa die Hälfte aller Boten unterwegs umkamen, sei es durch Verbrechen, durch Unfälle, durch Erschöpfung oder ganz einfach durch Flucht. Kamen diese Sendboten allerdings durch glückliche Umstände ans Ziel, war ihnen eine reiche Belohnung durch den Pharao sicher.
    Das bisher älteste gefundene Postdokument stammt übrigens aus dem Jahr 255 v. Chr., ein Papyrus, der in Hibeh gefunden wurde und Aufschluss über das ägyptische Postwesen gibt: Bei dieser Poststation waren damals 5 Beamte beschäftigt, die alle mit Namen bekannt sind. In einem Papyrus, das als Tagebich geführt wird, vermerkte ein Mitarbeiter dieser Poststation alle Einzelheiten über die Briefbeförderung des eingesetzten Boten, die zurückgelegten Beförderungswege, die Art der Sendung ( Einschreiben war damals allerdings noch nicht bekannt ) sowie die Namen der Empfänger. Da als Empfänger allerdings meist der Pharao bzw. sein damaliger Finanzminister Apollonios genannt sind, kann man davon ausgehen, dass diese Boteneinrichtungen von Privatpersonen nicht oder nur in Ausnahmefällen mit Genehmigung des Pharao in Anspruch genommen werden konnten.
    Als ausgereift konnte man dieses ganze System also nicht betrachten und nach der Einflussnahme durch das römische Reich brach die gesamte Postbeförderung zusammen, da die Römer mit aller Macht versuchten, ihr eigenes Postsystem auf Ägypten zu übertragen. Diese Massnahme war allerdings durch die räumliche Ausdehnung des Landes und durch die Missachtung der Postbeförderung per Schiff auf dem Nil von vorne herein zum Scheitern verurteilt:
    Fazit: In vielen Bereichen waren die Ägypter Vorreiter für kulturelle und wissenschaftliche Belange, bei der simplen “ Postbeförderung “ waren sie den Kulturen der Inkas, Perser, Griechen und auch anderer hoffnungslos unterlegen.


    Nächste Folge: Postbeförderung im Mittelalter durch Klöster und kirchliche Einrichtungen


    Ein schönen Abend wünscht


    Kramix

  • Hallo Kramix,
    der wohlbeleibte und übergewichtige Abarten-Hannes (insoweit identisch mit den seinerzeitigen ägyptischen Hofschreibern) bedankt sich für Deinen weiteren sehr anschaulichen Postgeschichte-Beitrag und wünscht Dir vor allem eine gute Rekonvaleszenz!

  • Hallo Kramix,


    ich schließe mich nahtlos (wie immer) Hannes an und freue mich schon auf deinen nächsten Bericht über das "dunkle" Zeitalter (das gar nicht so dunkel war).


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Dazu passt doch ein Brief aus meinem Sammelgebiet..


    Ein seltener Brief aus dem Jahr 1924 von Heliopolis/Kairo nach Baghdad, transportiert mit der Overland Mail Bagdad – Haifa welche von den Nairn Brüdern betrieben wurde. Der Brief wurde am 22. Oktober 1924 in Heliopolis, einem Vorort von Kairo aufgeben und kam am 1. November 1924 in Baghdad an (Ankunftsstempel rückseitig). Die Frankatur von 30 Milliemes bestehend aus 2 Stück 15 Milliemes Marken setzt sich zusammen aus 15 Milliemes Porto für den Standardbrief von Ägypten nach Baghdad sowie 15 Milliemes Zuschlag für die Overland / Motor Mail. Zusätzlich trägt der Brief die rote, handschriftliche Leitweganweisung sowie dem roten Motor Mail Aufkleber. Die roten Motor Mail Aufkleber wurden am 27. März 1924 von der Ägyptischern Post eingeführt und nur eine Handvoll Briefe mit diesem Aufkleber sind bekannt. Jegliche Briefe in den Irak, transportiert mit der Overland Mail, sind sehr selten.

    Bilder

    Tibet, Nepal-Klassische Ausgaben, Irak-Eisenbahnmarken 1928-1942, Irak-Zwangszuschlagsmarken Hochwasser 1967, Overland Mail Baghdad-Haifa, SCADTA-Provisorische Einschreibmarken der Ausgabe 1921 & 1923, Kolumbien- Halbamtliche Ausgaben

  • Wie angekündigt möchte ich den Feiertag nützen, um ein weiteres Kapitelchen der Serie " Posthistorie " aufzublättern.


    heute das Thema:
    Beförderung durch Klöster und kirchliche Einrichtungen


    Wer sich etwas mit der Geschichte des Mittelalters beschäftigt hat weiss, dass die christliche Kirche in der damaligen Zeit eine bedeutende Macht war und einen weitreichenden Einfluss auf die gesamte politische Konstellation Europas hatte. Jeder Fürst, Kaiser, Landesherr – wer auch immer in einer bestimmten Machtposition war – gründete in dieser Zeit ein Kloster, welches meistens seinen Namen tragen musste – quasi als Denkmal für die nachfolgenden Generationen ( man sieht, Eitelkeit war schon früher eine deutsche (Un)Tugend ).
    Diese dadurch über das gesamte Land verstreuten Klöster bildeten lange Zeit den Mittelpunkt des geistigen Lebens – beschränkten sich aber nicht nur auf ihre eigentliche kirchliche Aufgabe, sondern versuchten mehr und mehr, Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Verkehr zu nehmen, um mitzubestimmen und Geltung zu gewinnen. Was ja auch gelungen ist, denn am Ende dieser Entwicklung steht die Gründung geistlicher Fürstentümer und Herrschaften.
    Aus Unterlagen und zeitgenössischen Berichten geht eindeutig hervor, dass es schon im 9. Jahrhundert einen regen Postverkehr zwischen verbrüderten Klöstern in Deutschland und England gab. Mönche und Laienbrüder vermittelten als sogenannte Klosterboten den Nachrichtendienst zwischen diesen befreundeten Klöstern, wurden aber auch als “ Allzweckwaffe “ für Intrigen und Spitzeleien benutzt. Neben Briefen beförderten sie auch Bücher, kirchliche Geräte und andere Gegenstände, die dann meist mit Hilfe von Eseln transportiert wurden. Angeblich soll daher der auch heute noch bekannte Begriff “ Eselslast “ stammen. Die in den deutschen Klöstern lebenden Mönche aus den Nachbarländern – Deutschland war nun mal in der damaligen Zeit neben Italien das Land, wo man einen bestimmten “ Grundwehrdienst “ ablegen musste, um in der kirchlichen Hierarchie nach oben aufsteigen zu können ( siehe heutige Eliteinstitute für Söhne und Töchter sog. besserer Familien ) – unterhielten einen regen Briefwechsel mit den anderen kirchlichen Einrichtungen in Deutschland, mit ihren Heimatländern und mit Rom, der Schaltzentrale der Macht. Während der Christianisierung der nordischen Länder war der aus Italien kommende Durchgangsverkehr besonders stark.
    Schon im Jahre 1262 erteilte Papst Urban IV. in einer Bulle seinen Segen für die Einrichtung eines Botenamtes in Stockholm. Aus dieser Bulle geht eindeutig hervor, dass die Briefboten – reisende Mönche – auf dem Weg nach Rom Postsachen auch an Empfänger unterwegs aushändigen durften. Da Schweden beispielsweise nur per Schiff verlassen werden konnte, übergaben in den Hauptsammelpunkten Stockholm und Malmö Staatsmänner, Kaufleute und Gelehrte ihre Briefsendungen diesen Klosterboten, natürlich gegen eine saftige Beförderungsgebühr. Zwar sollten die Klosterboten diese Briefe eigentlich ohne Entgelt befördern, aber für einen gewissen “ Gotteslohn “ waren die Klosterboten sehr empfänglich. War dieser Gotteslohn in den Augen der Klosterboten aber zu gering, wurde eine Beförderung mit der Begründung abgelehnt, dass der Empfänger angeblich mit dem Teufel und Hexenwerk verbunden sei.
    Na ja, Ausreden gabs schon immer, und wenn sie auch noch so paradox sind.
    Der geistliche Nachrichtenverkehr wurde besonders durch die sog. Gebetsverbrüderungen verstärkt. Es war üblich, Abmachungen zwischen einzelnen oder mehreren Klöstern durch Briefe zu bestätigen. Auch Todesfälle teilte man brieflich anderen Klöstern oder dem Bischofssitz mit verbunden mit der Bitte um Weiterverbreitung. Später benutzte man hierzu eine “ Rotula “, einen auf eine Rolle gewickelten Pergamentsstreifen. Auf diesem Pergamentstreifen wurden die Namen der verstorbenen Klosterinsassen mit der Bitte um ein Gebet vermerkt. Der Klosterbote zog dann mit seiner Rotula von Kloster zu Kloster, wurde überall freundlich aufgenommen und bewirtet und war daher trotz der Strapazen der Reisen in der Regel – sagen wir es vornehm – ein nicht gerade unterernährter Diener Gottes. Im allgemeinen verlas der Abt vor den versammelten Brüdern die Namen der Toten, für die dann Gebete verrichtet wurden. Auf der Rotula wurde der Empfang der Nachricht bestätigt, der Name des Klosters und die Abgangszeit des Boten vermerkt und schliesslich wurden die Namen der Verstorbenen des eigenen Klosters hinzugefügt. Mit solch einer Rotula war beispielsweise ein Bote aus dem Kloster St. Lamprecht in der Steiermark in den Jahren 1501/02 mehr als neun Monate in Mitteleuropa unterwegs. Nachgewiesen sind für diesen Zeitraum über 240 Empfangsbescheinigungen von namentlich aufgeführten Klöstern.
    Merke: Auch in den damaligen Zeiten konnte Privatpost mit Hilfe kirchlicher Einrichtungen befördert werden, allerdings nur, wenn “ der Rubel rollte “. Privatleute mit niedrigen oder geringem Einkommen wurde bei der Bitte um Unterstützung bzw. Beförderung von Dokumenten nur müde belächelt getreu dem Motto: “ Hilf dir selbst, dann hilft Dir Gott “


    Nächste Folge: Postbeförderung durch die Hochmeister des Deutschen Ritterordens


    schönen Tag an alle


    Kramix

    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

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  • Hallo Gert,


    Spitzenbeitrag von dir - wie gewohnt :) :).


    Freue mich schon auf den folgenden ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Freunde der mehr oder weniger " Gezackten ".


    Nachdem ich in meinen letzten Beiträgen mich etwas intensiver mit " Post-Briefbeförderung " der Antike bzw. des späten Mittelalters beschäftigt habe, möchte ich natürlich auch noch einige Beiträge aus den direkten Vorläufern der htg. Post vorstellen ( falls überhaupt Interese daran besteht ) z. Bsp. Geschichte des Hauses Thurn und Thaxis, Postbeförderung in Bayern, Württemberg, Sachsen etc.
    Heute folgt in den Abendstunden noch ein Beitrag zum Mittelalter, dann geht es etwas näher auf die " klassische Postgeschichte " zu.
    Da es aber sicher einige Mitglieder im Forum gibt, die für diese Gebiete ein Fachwissen haben, dass meinen relativ kleinen Horizont übersteigt, würde ich mich freuen, wenn diese eventuell auch Ihre Kenntnisse und Ihr Wissen einbringen würden. Nur aus Gemeinschaft kann man lernen, ich jedenfalls würde mich über alle Informationen freuen, die für dieses Gebiet interessant und relevant sind. Kenne ja nun auf Grund meiner Mitgliedschaft einige dieser Spezies, die sich mit diesen Gebieten beschäftigen, also. auf gehts.
    Grüsse an alle
    Kramix

  • So, wie bereits angedroht, heute Abend noch einmal ein Thema zur " Briefbeföderung im Mittelalter "


    Postbeförderung unter Mitwirkung des Deutschen Ordens


    Im Zusammenhang mit den Kreuzzügen der Stauferkaiser wurde im Jahr 1198 der Deutsche Orden gebildet, der im 13. Jahrhundert dann einen Ordensstaat bildete, der sich voresrst auf das Kulmer Land, später auf Ost- und Westpreussen und die angrenzenden Gebiete erstreckte. Aber auch im übrigen Westeuropa gab es vereinzelte Niederlassungen und Besitzungen des Ordens, so dass niemand den eigentlichen Wirkungsbereich dieses Ordens überblicken konnte. Wichtig für unser Thema: Wegen seiner häufigen kriegerischen Verwicklungen benötigte der Orden einen gut funktionierenden Nachrichtendienst. Anfangs bediente man sich der - wie bereits in einem vorangegangenen Artikel erwähnt - Klosterboten, man hatte aber bald kein Vertrauen mehr in diese klerikalen Postboten, weil Intrigen und Bespitzelungen an der Tagesordnung waren. Deshalb schuf man eine eigene Botenanstalt, deren Zentrale immer am Sitz des Hochmeisters angebracht war. Von hier aus bestanden stetige Verbindungen zu den " Balleien und Komtureien " - das waren die grösseren und kleineren Ordensgebiete. - sowie den zugehörigen Burgen und Städten. War der Hochmeister einmal auf Reisen, so wurden ihm durch bestimmte Boten die eingegangenen Briefe nachgesandt. Die Verwalter dieser Balleien und Komtureien - Komture genannt - regelten in ihren Bezirken die Nachrichtenübermittluing in eigener Regie. Besonders rege und umfangreich war der Nachrichtenverkehr mit Rom, da mit der Schaltzentrale des christlichen Abendlandes besondere Vereinbarungen und Absprachen bestanden. Auf der Strecke vom Hauptsitz des Ordens - der Marienburg - war stets eine beträchtliche Anzahl von Boten unterwegs, die Beförderungszeit betrug in den Sommermonaten in der Regel 2 Monate, in Winterzeiten konnte es auf Grund von klimatischen Behinderungen durchaus auch das doppelte der Zeit werden.
    Am Sitz des Hochmeisters leitete der " Oberste Pferdemarschall " die Botenanstalt. Ihm unterstand der sog. " Briefstall ". Aber auch in den Ordenshäusern im Land bestanden ähnliche Einrichtungen. Der Komtur oder sein Stellvertreter war dem Ordenshaus für das Absenden, Weiterleiten und Entgegennehmen der Sendungen verantwortlich.
    Den Botendienst nahmen in der Regel Edelknaben, auch Briefjungen genannt, wahr. Sie trugen eine eigene Uniform, waren immer beritten und brachten den Briefsack mit den Sendungen zum nächsten Ordenshaus. Von dort kehrten sie dann mit einem anderen Briefsack zu ihrem Ausgangspunkt zurück.
    Aus bestätigten Rechnungen der Komturei in Thorn geht hervor, dass zur Botenausrüstung des Ordens acht silberne Abzeichen sowie ein " Rennwagen " gehörten. Setzt man für andere Komtureien entsprechende Verhältnisse voraus, muss die Anzahl der Boten ganz enorm gewesen sein.
    Ausser diesen Briefjungen setzte der Orden für besonders eilige und wichtige Nachrichten besondere Boten ein, die aus den Reihen der " Withinge ", der freien Grundbesitzer kamen. Ausserdem standen für bestimmte Botendienste dem Orden auch Läufer, Schüler aus Königsberg, Kaufleute, Geistliche oder Städteboten zur Verfügung. Bemerkenswert, dass der Orden auch regen Briefverkehr mit der HANSE unterhielt, obwohl sich diese Vereinigung gegenüber religiösen Institutionen - auf Grund schlechter Erfahrungen - in der Regel vornehm zurück hielt.
    Der grösste Teil des Nachrichtenverkehrs diente ausschliesslich kaufmännischen Zwecken, denn der Orden hatte als Landesherr das alleinige Nutzungs- und Verkaufsrecht für die umfangreichen Bernsteinvorkommen an der Ostsee, das sog. Bernsteinregal. In den Ländereien des Ordens wurde mehr geerntet als die Ordensleute verbrauchten, in den Warenlagern speicherten sich die Erzeugnisse des Ostens, die dann durch Vermittlung der HANSE nach Westeuropa überführt wurden. Es war also für heutige Verhältnisse ein unermesslich reicher und wohlhabender Orden, hatte dadurch natürlich einen immensen Einfluss im Bereich der Politik und der Wirtschaft. Den Wirtschaftsunternehmen des Ordens, den " Schäffereien " unterstanden eigene Läuferboten, die hauptsächlich den Briefbotendienst zwischen Preussen und Flandern versahen.
    Als im Jahr 1525 der letzte Hochmeister, Markgraf Albrecht von Brandenburg, den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum umwandelte, ging die Botenanstalt des Deutschen Reiches ein und sollte erst wieder zu Zeiten von Thurn und Taxis aufleben.


    In einigen Tagen gehts weiter, wenn erwünscht.


    Kramix

  • Zitat

    Original von Kramix


    In einigen Tagen gehts weiter, wenn erwünscht.


    Nein, nicht (nur) erwünscht! Es wird meinerseits gierig danach verlangt! ;)


    Es sind immer wieder hochinteressante Beiträge, vielen Dank und auf viele neue! :jaok:

    Zackige Sammlergrüsse aus Lübeck sendet Bernd HL ;)!

    Einmal editiert, zuletzt von Bernd HL ()

  • Hallo Kramix


    Du stellst vielleicht fragen....tztztztz.....natürlich musst Du weitermachen !!!! Deine Beiträge lese ich immer mit Heisshunger....schliesslich kann man da immer wieder neues dazu lernen. Bitte mach weiter !!!


    Gruss
    Afredolino

    Beginn den Tag mit einem lächeln und du hast ihn schon gewonnen