Mühlradstempel-Besonderheiten

  • Hallo,


    möchte hier mal einen thread eröffnen (wenn's den nicht schon gibt), der sich mit "besonderen" Mühlradstempeln befasst. Also farbigen, ungewöhnlich angebrachten, sehr seltenen etc.
    Zeige hier einen Ausschnitt eines Dienstbriefes von Tölz nach München vom 15. Mai 1859, der den Tölzer gMR 525 auf dem rückseitig aufgebrachten Verschluss trägt.
    Sollte wohl die Authentizität und Originalität dieses aufgeklebten Verschlusses dokumentieren.
    Wer weitere interessante MRstempel zeigen kann - just go ahead!

  • Hallo mikrokern,


    könntest du mal den Brief von vorn und hinten ganz zeigen?


    Sieht ja spannend aus!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bayern klassisch,


    tja, genau da liegt leider der Hase im Pfeffer (oder der Hund begraben?)...
    Es handelt sich eben nur um einen Ausschnitt eines Briefes. Der profunde Philatelist, der das so ausgeschnitten hat, wie ich es in seiner Gänze gezeigt habe, hat uns damit nicht wirklich einen Dienst erwiesen.
    Mehr is leider nicht :(

  • Hallo mikrokern,


    das hatte ich fast befürchtet. Der Absender war wohl der Poststallhalter von Tölz. Der Brief könnte als Dienstbrief an die Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten in München gerichtet gewesen sein.


    Üblicherweise hat man mit Siegeloblaten (privat beschafft) seine Dienstbriefe verschlossen. Auch Dienstsiegel kamen vor, waren aber umständlich in der Handhabung.


    Hier hat er den Mühlradstempel draufgesetzt, weil er wohl kein Dienstsiegel zur Hand hatte, und über die Nummernliste wusste jeder bayer. Postbeamte, dass 525 zu Tölz gehörte.


    Trotz des wenig geschichtsbewußten Ausschneidens ein interessantes Stück.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo mikrokern,


    in Scheinfeld lebte und arbeitete ein ganz Schlauer. Nicht nur, dass er praktisch alle seine 3 Kr. Marken vorausentwertete, sondern auch die Tatsache, dass er seine Fahrpostscheine mit seinem Mühlradstempel versah, verleiht ihm etwas besonderes.


    Von diesen Scheinen habe ich schon das ein oder andere Dutzend gesehen - so selten sind sie also nicht, aber mitnehmen kann man solch eine Besonderheit immer (ich hatte auch mal einen Schein mit 617, diesen aber mit allen meinen Fahrpostbelegen vor vielen Jahren abgegeben ...).


    In der linken oberen Ecke hätte übrigens überhaupt kein Stempel abgeschlagen werden sollen.


    Kleine Besonderheit: Es gibt auch Postscheine von Scheinfeld, die den Mühlradstempel tragen und später als der 9. März 1869 datiert sind.
    Dann schreiben unsere Spitzenauktionskatalogbeschreiber von einer seltenen Nachverwendung des Mühlradstempels. So schreibt man natürlich nur, wenn man vom Prinzip her nichts verstanden hat.


    Der gute Scheinfelder stempelte ja seinen Hunderterblock nicht mit dem Mühlrad, wenn ein Kunde ein Fahrpoststück anschleppte, sondern er tat dies lange zuvor. Erst bei Bedarf hat er seinen Halbkreiser aufgesetzt und den Schein ausgefüllt.


    Wenn er also am 1.3.1869 den letzten Hunderterblock komplett abgestempelt hat, und am 24.3.1869 der letzte Schein ausgegeben wurde, dann hat das Stempeldatum des Scheins nichts mit dem Verwendungsdatum des Mühlrades zu tun.


    Dann könnte man aber auch einen solchen Schein nicht für 200 oder mehr Euro als seltene Mühlradstempelspätverwendung ausgeben ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
    Hätte wohl selber auch einen > 9.3.69 Scheinfelder als seltene Nachverwendung angesehen. Danke für die Erklärung.
    Hast Du nicht mal was von einem Brief mit blauen MR geschrieben, der in Deinem Besitz sei?
    Bitte zeigen!! :P

  • Hallo mikrokern,


    ich habe nur ein kleines Briefstück mit einer Nr. 11 und blauem oM 148 von Ganghofen, also nicht der Rede wert.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Zitat

    Original von bayern klassisch
    Hallo mikrokern,


    ich habe nur ein kleines Briefstück mit einer Nr. 11 und blauem oM 148 von Ganghofen, also nicht der Rede wert.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch


    ...- nicht nur drüber reden, zeigen!!!

  • oh, Du kleiner Sammler... ;)
    - Na klar macht das Spass, so'n deutlicher blauer MR-Stempel aus Gangkofen auf MiNr 11! :P
    Kann da leider nicht wirklich mithalten, meinen blaugrünen auf der MiNr 15 hat Frau Brettl bei der Prüfung kommentiert mit "blaugrün sind bisher nur bekannt 263 und 267".
    Und einen gMR auf einem Aufgabeschein für eine Postanweisung hab ich auch nocht nicht gesehen.

  • Hallo mikrokern,


    frage vom kleinen Sammler:


    Welche Nummer soll das denn sein? Lese ich da 45?, oder liege ich falsch?


    Viele gM auf solchen Scheinen wirst du nicht finden - als diese Vordrucke herauskamen, waren die gM schon fast Historie ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch


  • tja, wenn man das wüsste...
    Frau Brettl konnte es ja auch nicht genau sagen.
    Hab keine Ahnung, ist wirklich völlig unleserlich.

  • Hallo,


    damit dieser thread nicht einschläft, hier mal 2 Spät- (oder "Zu spät"-)Verwendungen des MRstempels nach dem 9.3.1869.
    Den ersten Brief aus Aitrang nach Dietmannsried vom 13.3.69 hatte ich schon mal woanders (glaube im MiNr 15-thread) gezeigt, den 2. aus Nittenau nach Roding vom 16.3.69 konnte ich unlängst erwerben.
    Interessant, dass beide einen - bei Sem - bislang unbekannten geschlossenen MRstempel aufweisen. Auch interessant, dass ich beide Briefe relativ mühelos und kostengünstig innerhalb der letzten paar Monate erwerben konnte. Vielleicht sind die gar nicht so selten... :rolleyes:
    Mich würden andere derartige Spät/Nachverwendungen von MRstempeln nach dem 9.3.69 interessieren. Wer hat noch was?

  • Hallo,


    hier nochmal etwas zum nachlegen in diesem der Vergessenheit anheim zu fallen drohendem thread, da mir die Mühlradstempel-Besonderheiten irgendwie am Herzen zu liegen scheinen...
    Der oMR dürfte auf dem Ganzsachenumschlag U1, der ja erst am 1.2.1869 verausgabte wurde, in Anbetracht der Tatsache, dass die MRstempel am (bzw. ab) 9.3.69 eingezogen wurden, nicht so häufig anzutreffen sein.
    Dass der Stempel auf dem gezeigten Kuvert von München nach Villingen das Datum ebendieses Mühlrad-Letzttages (9.3.69) zeigt, stellt für mich das Tüpfelchen auf dem i dar...

  • Hallo,


    nachdem sich offensichtlich niemand wirklich für die 3 Kr.-Ganzsache mit Mühlrad-Letzttag aus München begeistern konnte X(
    - hier ein Charge-Brief aus Landshut mit zweifach abgeschlagenem gMR 175.
    Warum ein zweiter MR den Brief ziert, wobei der erste die Marke schon klar und deutlich entwertet hatte, bleibt rätselhaft. Vermutlich hat der Postbedienstete einen Stapel von Briefen stempeln wollen und diesen Brief einfach nicht schnell genug zur Seite gelegt, sodass er einen 2. Abschlag erhielt. Spekulation...

  • Hallo mikrokern


    Ich bin kein Mühlrad Fan aber der letzte Brief hätte ich auch gern gehabt. Ich dachte dass ich ein Gebot abgegeben hatte, aber so war nicht der Fall :(


    So Glückwünsche zum schönen Brief :) :)


    Diese Kleinigkeiten hat man ja gern in seiner Sammlung. Denke auch dass es ein Stapelstempel ist.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo mikrokern!


    Schöner Brief, war ich auch dran. Spricht vieles für "Stapelstempel", zumal am rechten Markenrad noch Schaufeln eines weiteren Mühlrades zu sehen sind.


    Viele Grüße


    kreuzer


  • Hallo kreuzer,


    bei genauer Betrachtung erscheinen die schwarzen Flecken eher als Tintenspritzer (s. auch mittig in "175"), nicht als Fragmente eines weiteren MRstempels.
    Hatte das gute Stück zunächst schon im Verdacht, eine ominöse Landshut-VE zu sein (eben wegen der schwarzen schaufelähnlichen Flecken rechts), aber die MR-Übergänge links sprechen klar dagegen...

  • Hallo mikrokern,


    ein schöner Brief. :)


    Meiner Meinung nach ist die Literatur revisionsbedürftig, wonach Landshut vorausentwertet hat. Es gibt nur einen Brief, und das Zustandekommen der von außen auf die Marke übergehenden Schaufel dürfte auf die gleiche Weise entstanden sein, wie bei dir der 1. Abschlag.


    Darüber hinaus saßen in Landshut Beamte und eben keine Expeditoren, was einen großen Unterschied ausmacht.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch