Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Hallo zusammen,


    ich zeige heute einen mit 20 Kopeken frankierten eingeschriebenen Geschäftsbrief aus Petrograd nach Zürich.
    Der Brief trägt sowohl vorder- als auch rückseitig einen Ra2-Stempel der Petrograder Postzensur (Speeckaert nr. 55) sowie rückseitig den Ra3-Stempel (Speeckaert Nr. 27). Beide Stempeltypen sind häufig zu finden. Der Brief wurde mit einer Zensurbanderole der Petrograder Militärpostzensur verschlossen
    Der Brief wurde am 9.2.16 (jul. Kalender) in Petrograd abgeschickt und kam am 24.3.16 in Zürich an.
    Die Postroute lief über Tornea-Happaranda nach Schweden und von dort vermutlich über Norwegen - Großbritannien - Frankreich in die Schweiz.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Heute zeige ich Brief von Wilna (?) nach Stockholm. Der Aufgabestempel ist etwas schwach abgeschlagen. Abgang wohl am 15.4.1915. Ankunft in Stockholm am 6.5.15.
    Frankiert ist der Brief mit 2x 10 Kopeken sowie zwei Vignetten des Roten Kreuzes.
    Da ich kein russich kann, sind hier mal wieder die Spezies sowohl zu den Vignetten als auch zum Zensurstempel gefragt.



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  • Hallo 241264hsv-fan,


    mit Hilfe von Michalove/Skipton "Postal Censorship in Imperial Russia" lese ich den Zensurstempel folgendermassen:


    "Geprüft / Geöffnet Zensiert/ Masalitinov (Name des Zensors)/Militärzensor"


    Es handelt sich hierbei um den Zensurstempel Type 5 der Postzensur Wjatka (nicht Wilna) nach Speeckaert, der den Stempel mit 4 (Zelden) einstuft.


    Bei den Rotkreuzvignetten kann ich Dir leider nicht weiterhelfen.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo zusammen,


    bei den Vignetten handelt es sich um Ausgaben zu Gunsten des Sanitätszuges des Gouvernements Wjatka.


    Der Text lautet:
    den Verwundeten zur Hilfe / Sanitätszug / Vjatskaja Gub
    bzw.
    den verwundeten Helden / Sanitätszug Vjatskoj Gub

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Hier hab ich noch einen weiteren: Einschreibebrief aus Kwirily im Gebiet Kutais (Georgien) vom 29.11.1914 über Tiflis nach Frankreich, wo der Brief umgeleitet wurde, da der Empfänger unter der angegebenen Adresse nicht anzutreffen weil verzogen war. Freigemacht ist der Brief mit 20 Kopeken, wovon die Hälfte als Einschreibegebühr anfiel.
    Den Zensurtempel kann ich auch diesmal nicht eindeutig entziffern.



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  • Hallo 241264hsv-fan,


    es handelt sich um die Type 1 (nach Speeckaert) der Postzensurstelle Tiflis.
    Offenbar eine Art Duplex-Stempel.
    Laut Michalove/Skipton dürfte der trotz Vergrößerung nur schwer lesbare 3-Zeiler: "Geöffnet/Militär/Zensur" heißen (im engl. Original: Opened/Military/Censorship) Speeckaert stuft den Stempel in die Kategorie 5 = Zeer zelden!!!!
    Dazu dann noch die Irrfahrt in Frankreich, Glückwunsch zu dem Fund.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Frisch reingekommen zeige ich hier etwas besonderes. Ein Brief Kischinau 29.9.1915 an das Rote Kreuz in Kopenhagen. Der Brief erhielt den Zensurstempel von Kischinew und wurde vom Zensor mit zwei kleinen Siegeln wieder verschlossen.Auf den ersten Blick nichts aussergewöhnliches. In den beiden Siegel aber hinterließ der Zensor sein Monogramm. Dieses jedoch in Schreibschrift, was mir stets Schwierigkeiten bereitet.
    Da kann doch bestimmt jemand helfen!?



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  • Hallo 241264hsv-fan,


    der Zensurstempel ist noch das einfachste: Speeckaert Nr. 1, Verwendung laut Nachtrag zum Hauptwerk: 5.15 und 10.15 bis 12.15. Speeckaert kategorisiert den Stempel mit 3 = minder algemeen.


    Das Wachssiegel mit dem Monogramm (evtl. kyrillisch Schreibschrift: G L) ist weder bei Speeckaert noch bei Michalove / Skipton erwähnt.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo 241264hsv-fan, hallo DKKW,


    die Initialen G L hat DKKW richtig gedeutet.


    Warum aber wurde ein gewöhnlicher Brief vom Zensor versiegelt?
    Mögliche Erklärungen wären:
    - weil kein Papierverschlussstreifen zur Hand war?
    - weil der Brief eine Art Wertpapier enthielt?


    Bleibt aber auch die Frage, was bedeutet G L ?
    Es wird eher der Eindurck eines privaten Petschafts erweckt, der hier benutzt wurde.
    Wenn ja, warum?

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Hier ein weiterer Brief an das Rote Kreuz in Kopenhagen: Einschreibebrief von MICHAILOWSKOE mit Stempel "Geöffnet vom militärischen Zensor / Orenburg / Militärzensor G.P.Babitsch".
    Rückseitig hat der Brief dann einen weiteren Stempel "Petrograder Militärzensur G.S." und das entsprechende Lacksiegel ((Type 46 nach Speeckaert).
    Wurde der Brief nun zweimal geöffnet? Oder wurde er geöffnet weitergeleitet? War sowas üblich?
    Über den Ort hab ich leider nichts gefunden. Vielleicht kann da auch jemand helfen!?



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  • Hallo 241264hsv-fan,


    das ist eine ganz harte Nuss, die Du mir da zu knacken gibst. Ich habe via Google-Earth einen Ort namens Mikhaylovka im Oblast Orenburg gefunden. Um herauszufinden, ob das Dein gesuchter Ort ist, bräuchten wir ein Stempelverzeichnis des zaristischen Russland. Meines Wissens gibt es so etwas, aber leider nicht in meinem Bücherschrank.
    Der Orenburger Zensurstempel ist die Type 9 nach Speeckaert (Kategorie 3 = minder algemeen), beim Petrograder Stempel handelt es sich um die Type 19A nach Speeckaert (Kategorie 4 = zelden). Beim Siegel bin ich absolut Deiner Meinung, es handelt sich um die Type 46.


    Erneut ein sehr schöner Zensurbrief, den Du da zeigst.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Zitat

    das ist eine ganz harte Nuss, die Du mir da zu knacken gibst


    Einfach kann ja (fast) jeder. Erneut vielen Dank. Ein solches Stempelverzeichnis habe ich leider auch nicht. Im Dobin ist er jedenfalls nicht drin. Und wiie siehst es mit zweifacher Öffnung aus?

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  • Hallo 241264hsv-fan,


    sorry, den Teil der Frage habe ich ausgelassen. Bin zwar kein Hellseher, aber ich vermute folgenes : Brief in Orenburg zensiert = geöffnet und verschlossen. Eingenartigerweise in Petrograd erneut zensiert, heisst also erneut geöffnet und verschlossen. Demzufolge zweimal geöffnet und verschlossen.


    So etwas habe ich bislang nicht gesehen, alle Zensurbriefe aus "Inner-" Russland die ich kenne und die irgenwo in Russland zensiert wurden (Odessa, Moskau, Orenburg, Tomsk etc. etc.) liefen in Petrograd durch. Soweit ich weiss,war es damals durchaus üblich, Briefe die vor Ort zensiert wurden offen beim Postamt abzuliefern, kann Dir aber leider nicht mehr sagen, wo ich das gehört bzw. gelesen habe.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Nochmals danke. Eigentlich ist es ja deine Schuld - nun musst du es auch ausbaden. Nachdem du dieses Thema begonnen hast, habe ich meine Briefe durchgesehen und genau einen Beleg gefunden. Daher habe ich noch einige wissenslücken zu schliessen. Da die Briefe aber sehr schön sind und das Thema sehr interessant, habe ich mir einige Belege zumeist sehr günstig dazu gekauft. Eigentlich komme ich aus der Ecke Punkt-Nummern-Stempel, wovon ich eine recht umfangreiche Sammlung habe. Vielleicht sollte ich da mal einen neuen Thread beginnen.

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  • Brief aus Petrograd nach Tammerfors und mit dreisprachigen (russisch ( finnisch / schwedisch) Zettel verschlossen und mit Zensurstempel von Tammerfors sowie Namenszug des Zensors versehen. Gehört dieser zum Stempel oder wurde der extra darunter gesetzt? Nach handgeschrieben sieht es mir nicht aus.



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  • Mal wieder was an Zensurpost. Nichts Besonderes und ziemlich lädiert, aber schöne Romanow-Frankatur. Brief aus Warschau nach Frankreich mit 20 Kopeken freigemacht. Lacksiegel ist wohl Type 47 nach Speeckaert.



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  • Und noch ein weiterer Brief. Diesmal aus Charkow? (vorderseitig Maschinenstempel) nach Rochester / USA. Der Brief lief über Petrograd, wo der Aufkleber "Militär Zensur P. W. O." sowie den Stempel Figur 18 (Skripton & Michalove). Vorderseitig dann noch ein quadratischer Nummernstempel "19" (Figur 46). Die Amerikaner haben dann noch einmal geöffnet.



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  • Hallo zusammen,


    und noch ein Brief aus Russland, der im Jahr 1918 via England nach Dänemark lief.
    Der eingeschriebene Brief wurde am 27.2.1918 (jul. Kalender) in Petrograd von der Post abgestempelt und der russ. Postzensur übergeben. Der Brief wurde mit der Zensurbanderole R3 "Petrograd Militär Post Kontrolle" (nach Skipton, Michalove) verschlossen und trägt vorder- wie rückseitig den Postzensurstempel Speeckaert Type 29 (Zensor Nr. 1600). In Großbritannien wurde der Brief nochmals geöffnet und mit der Zensurbanderole "Opened by Censor 5160" (lt. Briefbeschreibung des Verkäufers gehört 5160 zu Liverpool).
    Der Brief trägt rückseitig den Ankunftstempel "Kjøbenhavn 1. OMB. 22.9.18"


    Da leider keinerlei Transitstempel abgeschlagen sind, wissen wir nichts über die Route, da nicht erkennbar ist, wo der Brief liegengeblieben ist. Als Hafen nach England kommen nur Murmansk und Archangelsk in Frage. Archangelsk war im Februar/März aber noch nicht eisfrei, also vermutlich Murmansk. In Murmansk waren zum Schutz der Nachschubdepots am 6. März 1918 130 Royal Marines der HMS Glory gelandet. Die englischen Truppen war mit den örtlichen Bolschewiki verbündet. Ich gehe wie bei den zuvor gezeigten Briefen von einer Route Petrograd-Murmansk-Liverpool-(Hull oder Edinburg)-Bergen-Kopenhagen aus.


    Viele Grüße
    DKKW