Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Es wird so langsam schwer, zu behalten. was schon gezeigt wurde und was nicht. Inzwischen ist der Thread auch über 30 Seiten lang, so das ein Durchsuchen recht zeitaufwändig wäre.

    Zwei Zensurstempel des Militärbezirks Dwinsk waren jedenfalls dabei. Ob auch folgender? Er ähnelt dem Typ 5, hat jedoch zusätzlich Gänsefüßchen. Zudem ist bei Speeckaert nur die Zensornummer 322 angegeben. Die Karte ging im Januar 1917 nach Pskow. Sie trägt zusätzlich einen Armeestempel. Dessen Wortlaut kann nothstar bestimmt am besten übersetzen.



  • Hier zeige ich eine weitere Karte aus Reval von 1917. Rechts neben dem Zensurstempel Typ 11 ist auch ein б in gleicher Farbe zu sehen. Wofür das steht, kann ich aber nicht sagen. Rückseitig wurde ein Teil des deutschen Textes mit schwarzer Farbe überstrichen.



  • Hallo 241264hsv-fan,


    Der der blaue Rundstempel (sog. синяк) auf der Karte nach Pskow trägt den Text „Из действующей армии“ – „Aus der kämpfenden Armee“. Sendungen mit derartigen Stempeln wurden portofrei befördert.

  • Hallo northstar,

    besten Dank für die Aufklärung.


    Im Januar 1917 wurde diese Karte nach Brünn gesendet. Die von einem Kriegsgefangenen in Sysran geschriebene Karte wurde hier zunächst geprüft und mit den Stempeln Typ 5 und 9 (Initialen B. I. Shch.) versehen. Die österreichische Zensur prüfte die Karte ein weiteres Mal.
    Speeckaert gibt den Typ 5 mit der Seltenheit 3 = weniger allgemein und Verwendung August bis Dezember 1916 an. Hier kann man schon deutliche Verformungen des Rahmens erkennen. Er scheint in dem halben Jahr doch recht häufig in Gebrauch gewesen zu sein.



  • Hallo zusammen,


    wer diesem inzwischen 31 Seiten umfassenden thread zur russischen Zensurpost des 1. Weltkriegs gefolgt ist weiss, dass ich bei meiner Sammlung das Hauptaugenmerk auf die verschiedenen Postrouten aus, nach und durch Russland richte.


    Eine Postroute der ich schon lange nachspüre, die ich bislang aber noch nicht nachweisen konnte ist die Route über den Balkan nach Süden bis zum Kriegseintritt Bulgariens auf Seite der Mittelmächte am 14.10.1915.


    Jetzt konnte ich einen eingeschriebenen Brief aus Tiflis nach Kairo in Ägypten erwerben der über Athen gelaufen ist. Dieser Brief des Journal "Mschak" aus Tiflis wurde am 2.2.1915 in Tiflis abgestempelt (jul. Kalender = 15.2.1915 greg. Kalender) und blieb offenbar ohne russische Zensur.


    Der Brief wurde rückseitig mit 35 kop. frankiert und trägt zudem den Durchgangstempel von Athen vom 23. 2.15. Griechenland nutzte bis 1924 ebenfalls noch den julianischen Kalender (23.2.15 j.K. = 8.3.15 greg. K.)


    Vorderseitig sehen wir einen offenbar britischen Ra3-Zensurstempel "Passed / Censor / A" der vermutlich in Ägypten genutzt wurde. Leider ist kein Ankunftstempel abgeschlagen.


    in 21 Tagen wäre in Friedenzeiten ein Brief wohl problemlos von Tiflis nach St. Petersburg und dann über Skandinavien und Großbritannien nach Athen und weiter nach Ägypten gelaufen. Wenn ich mir aber ansehe, wie die Laufzeiten im jahr 1915 aus Russland nach Westeuropa aussahen, dann bezweifele ich doch, dass dieser Brief über Petrograd, Torneo, Bergen, Großbritannien etc. gelaufen ist.


    Beweisen kann ich es natürlich nicht aber ich denke, dass dieser Brief über die Balkanroute (Russland, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland) lief.


    Viele Grüße

    DKKW

  • Es ist mir gelungen, mal wieder einen kleinen Posten Karten mit Zensurstempeln zu erstehen.

    Diese Karte vom Dezember 1914 nach Heidelberg durchlief zunächst die Kontrolle in Petrograd. Diese Form von Zensurstempeln ist relativ häufig zu finden. Jedoch gibt es eine Menge an unterschiedlichen Initialen. Vielleicht auch deshalb stuft Speeckaert diese alle mit 4 = selten ein. Dieser Stempel ist der Typ 87.

    In Deutschland wurde eine weitere Kontrolle durchgeführt.



  • Die nächste Karte wurde in Wjatka geschrieben und ist vom Januar 1917. Von dieser Zensurstelle konnte ich schon einige, auch im Speeckaert nicht bekannte Stempel zeigen.

    Unter Typ 14 sind verschiedene Initialen verzeichnet. O.K.P. ist nicht dabei. Bei der Type 11 ist die Nummer 32 ebenfalls nicht bekannt.


     

  • Nein, ich kann es auch nicht. Das hat mich aber auch nicht geschreckt. Das kyrillische Alphabet habe ich mir selber beigebracht. Daher klappt es mit den Druckbuchstaben auch so einigermaßen. Bei Schreibschreibschrift habe ich schon mehr Schwierigkeiten. Und bei Handschriftlichem stosse ich dann fast an meine Grenze. Einiges hat sich heute gegenüber früher auch geändert, was zusätzlich Probleme bereitet. Daher bin ich northstar dankbar, das er dann ab und zu aushilft.

  • Diese Karte wurde in Wladiwostok aufgegeben, wo auch die Prüfung durchgeführt wurde. Der Zensurstempel ist der seltene Typ 2, welcher von August 1914 bis Mai 1916 in Gebrauch war.

    Die Marke ist entwertet mit dem Bahnpoststempel Wladiwostok - Harbin. Zudem ist der Stempel Nikolosk - Ussurijsk (ca. 100 Km nördlich von Wladiwostok) abgeschlagen.

    Bildseitig ist die Station Handaohedzi und die nahe Zhelezno-Strecken-Kirche zu sehen. Eine qualitativ schlechte Karte der Eisenbahnstrecke Richtung Harbin zeigt den Standort der Station.

    Wohin die Karte lief, kann ich leider nicht sagen.



  • Zensurbelege aus Dünaburg (Dwinsk) konnte ich hier schon zeigen, Diese waren jedoch alle vom Militärbezirk. Heute kommt nun einer mit Zensurstempel vom Postamt.

    Einzeilige Zensurstempel ВСКРЫТО ВОЕННОЙ ЦЕНЗУРОЙ (GEÖFFNET MILITÄRZENSUR) gibt es so einige. Diese unterscheiden sich durch die Länge und Schriftart von einander. Eine Zuordnung zur Zensurstelle nur durch diesen Stempel ist daher schwer. Bei dieser Karte kommt erschwerend hinzu, das der Wertstempel mit einem stummen Stempel entwertet wurde. Für die Einordnung benötigt man dann schon ein spezielles Hndbuch, über das ich nicht verfüge. Auch im rückseitigen Text gibt es keine Ortsangabe. Speeckaert hat diesen Zensurstempel Dünaburg zugeordnet.

    Er ist 62,5 mm lang und kommt laut ihm nur in blau vor. Verwendung fand der Stempel von September bis November 1914. Er wird im Handbuch als sehr selten eingestuft.

  • Nach vielen Karten kann ich mal wieder einen Brief zeigen. Aufgegeben wurde er in Tuckum und lief nach Riga, wo er am 21.8.1914 ankam.

    Interessant zunächst einmal ist die Entwertung der Marken durch einen stummen Rahmenstempel, was durch den R-Zettel jedoch hinfällig war.

    Des weiteren ist natürlich der Zensurstempel interessant. So richtig passt er zu keinem der bei Speeckaert abgebildeten. Am ehesten passt der Typ 2. Allerdings steht im Handbuch als zweites Wort ВОЕНОЮ statt ВОЕНОЙ. Ein Fehler? Zudem ist die Stempelfarbe schwarz im Buch unbekannt. Einen Verwendungszeitraum konnte Speeckaert nicht angeben. Alle Zensurstempel von Tuckum werden als sehr selten bewertet.



  • Nach dem Brief gestern zeige ich heute wieder eine Karte vom Juni 1917. Sie trägt den Zensurstempel für Bewachungseinheiten des Gefangenenlagers Nikolosk - Ussurijsk (Typ 13). Zudem ist der Typ 6 von Wladiwostok abgeschlagen. Die hier hellblaue Farbe scheint ausgewaschen.



  • Den heutigen Stempel habe ich mal wieder nicht im Speeckaert gefunden. Die Karte vom 17.11.1916 wurde in Woronzowo Nikolaewskoe Stawropol guberniya entwertet (wo auch immer das genau liegen mag, google gab da keine Information).

    Der Zensurstempel Geöffnet Militärzensur. - Kauk. Militärzensor Nr. 182 weist keine genaue Ortsangabe auf. Über die Schwierigkeiten der Zuordnung wurde hier auch schon geschrieben. Auf Grund des zweiten Tagesstempels von Jekaterinodar vom Folgetag bin ich mir aber relativ sicher, das die Prüfung hier auch durchgeführt wurde.



  • Diesen Stempel konnte ich trotz zweimaliger Durchsicht bei Speeckaert nicht finden. Hoffentlich hatte ich meine Brille richtig herum auf?! ^^

    D.Z.-Stempel gibt es massig. In 3-D-Darstellung habe ich aber keinen weiteren gefunden noch anderswo bisher gesehen.

    Die Karte wurde am 8.4.1915 in GRUZINO (Nowgorod) entwertet. Wo dann auf russischer Seite die Prüfung stattfand, kann ich nicht sagen. Sie lief dann nach Salzwedel in ein Gefangenenlager. Aus Deutschland kamen dann drei Zensurstempel hinzu. Ein roter, unleserlicher, 'Geprüft in P.' (?) sowie rückseitig der der 'Prüfungsstelle des Garnisonskommandos Salzwedel'.