Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Der nächste Brief mit Minsker Zensurstempel wurde ebenfalls in Gomel zur Post gegeben (30.1.1916). Alexander Epstein meint, nach seiner Liste arbeitete der Prüfer A.A. Radus-Zenkovich in MInsk. Da Prüfer aber manchmal von einer Zensurstelle zu einer anderen beordert wurden, kann in diesem Fall die Prüfung auch in Gomel stattgefunden haben.



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  • Die Zensurstelle der Gouvernementshauptstadt Minsk war, wie Speeckaert schreibet, sicherlich von großer Bedeutung, was auch die Anzahl der Zensurstempel beweist. Alleine von Stempeln mit Namen der Prüfer hat Speeckaert etwa fünfzig Stück notiert. Und dabei ist zu beachten, das hier nicht alle aufgeführt sind. Worüber Speeckaert allerdings nicht schrieb ist, das im Stempel meistens 'Minsker Militärbezirk' steht. Dieses gilt ebenfalls für die Stempel ab etwas 1916 mit Zensornummern. Dieser Militärbezirk umfasste aber eine ganze Menge an Orten und nicht nur die Stadt Minsk selber. Nun gab es natürlich nicht in jedem kleinen Ort auch eine Zensurstelle. Nun gilt es jedoch, heraus zu finden, welcher Prüfer wo gearbeitet hat. Dieses zu ermitteln ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Aber vielleicht helfen da auch die zweiten Stempel 'ВСКРЫТО ВОЕННОЙ ЦЕНЗУРОЙ' und 'ПРОСМОТРѢНО ВОЕННОЙ ЦЕНЗУРОЙ'.

    Zum heute gezeigten Brief: Er wurde am 11.2.1916 in Glusk aufgegeben. Nach A. Epstein wurde der Brief dort auch geprüft, und zwar von M.A. Suschewitsch. Speeckaert hat den Vornamen mit P.A. angegeben, was sicherlich falsch ist.



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  • Liebe Sammlerfreunde,


    wie ich verfolgen konnte, wird hier mit sehr hohem Fachwissen das Thema der russischen Zensurstempel behandelt. Leider, bei aller Wertschätzung von meiner Seite, ist das ein Sammelgebiet, von dem ich als Heimatsammler völlig ahnungslos bin.

    So habe ich aber für meine Heimatsammlung(en) doch einige Belege von Kriegsgefangenen in russischer Kriegsgefangenschaft mit der Zeit erworben - stehe aber einer genaueren Beschreibung völlig ahnungslos gegenüber.

    Ich zeige nun hier eine Auswahl von drei Belegen und hoffe keine Fehlbitte getan zu haben, dass mir jemand von den hier aktiven Spezialisten mit einer genaueren Beschreibung unter die Arme greift.



    Kriegsgefangenenkarte von August Wolf vom 10.12.1916 aus

    Samarkand, Turkestan



    Kriegsgefangenenkarte von August Wolf vom 8.6.1917 aus

    Nikolsk-Ussurijsk (heute Ussurijsk) in der Nähe der russisch-chinesischen Grenze, Primorskaja Oblast.



    Kriegsgefangenenkarte von August Wolf vom 8.5.1917 aus

    Razdolnoje bei Wladiwostok, Ostsibirien


    Herzliche Sammlergrüße

    Gerhard (Wachauer)

  • Selbstverständlich wird dir hier geholfen.

    Die erste Karte hat den Speeckaert Typ 5, welcher häufig vorkommt. Wortlaut: Turkestan Orts - Militärzensur - Kommission.

    Die Karte aus Nikolsk-Ussurijsk hat einen Zensurstempel, den ich auch schon einmal gezeigt habe. Es ist der Typ 13 für Bewachungseinheiten des Gefangenenlagers Nikolosk - Ussurijsk. Wortlaut: Milit.Zensor Abt.(eilung) K.(riegs)/ge(fangener) - Nikolsk-Ussur.(ijsk) Garnison [Военн. цензоръ отр. в./пл. - Николскъ-Уссур. гарнизона]. Ich schätze den Stempel als weniger häufig ein.

    Die dritte Karte trägt einen Zensurstempel aus Petrograd von der 1. Postexpedition (Typ 24). Er ist dem des Militärbezirks Petrograd (Typ 1) gleich. Die Zensornummern bis 1721 waren für die 1. Expedition, danach für die des Militärbezirks. Hier ist der Wortlaut: Geöffnet M.(ilitär)zens.(or) Nr. 721. - P.(etrograder) M.(ilitär) B.(ezirk) [Военный Округъ]. Dieser Stempel ist einer der zwei häufigsten Zensurstempel Russlands.

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  • Chełm, wo dieser Brief aufgegeben wurde, liegt in der Woiwodschaft Lublin. Lublin widerum liegt im Militärbezirk Minsk. Dieser Brief dürfte in Lublin geprüft worden sein, falls nicht Cholm selber ebenfalls ein Zensurstelle besaß. Da ich noch am Anfang stehe, herauszufinden, wo es überall Zensurstellen im Militärbezirk Minsk gab, muss ich das erst einmal so stehen lassen. Prüfer war bei diesem Brief W.A. RACHMANOW.



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  • Es ist mir mal wieder gelungen, einen nicht registrierten Stempel an Land zu ziehen. Dieser befindet sich auf einer Karte aus Saratow. Der Prüfer dort war N.P. Chaljawin. Der Zeitpunkt lässt sich hier nicht feststellen, da die Stempel auf der nach Wien gelaufenen Karte größtenteils nicht lesbar sind.



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  • Zitat

    northstar gefällt das.

    Mir hat der Stempel besonders wegen des Namens gefallen. Die Erhaltung der Karte war zweitrangig. Vielleicht besteht irgend wann einmal die Möglichkeit zum Austausch.


    Von Schedau hat Speeckaert nur einen einzigen Stempel notiert - und diesen auch nur mit der Zensornummer '23' (April 1915 in rot). Diesen Stempel in lila kann ich heute auf einer Karte vom März 1915 nach Bauske zeigen.



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  • DKKW konnte hier einmal einen Brief nach Indien zeigen. Auch mir ist es nun gelungen, eine Karte nach Indien zu bekommen. Zudem habe befindet sich ein sehr seltener Zensurstempel aus Grosnyi, nämlich der Typ 2, auf der Karte. Auch am Leitweg dürfte DKKW seine helle Freude haben. Ganz erklärbar ist er für mich jedoch nicht. Vielleicht kann da jemand mehr zu sagen.

    Aufgegeben wurde die Karte am 6. Juni 1915 in Grosnyi. Nach erfolgter Prüfung lief sie dann weiter über Odessa (10.6.) und Shanghai (19.7.) nach Quetta (12.8.). Von dort wurde die Karte umgeleitet nach Ziarat, wo sie am 14.8.1915 eintraf.



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  • Und wieder in Omsk geprüfte Karten. Diese ist vom 1.11.1914 aus Bijsk und lief nach Olmütz. Der hier sehr früh verwendete Zensurstempel ist der Typ 7. Speeckaert gibt die Verwendung ab Dezember bis 1.15 an.



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  • Kriegsgefangenenkarte vom Januar 1915 aus Omsk. Prüfer Braunfeldt verwendete die Typen 9 und 9C. Der Typ 9 weist im Speeckaert aber nicht den Balken hinter D.Z. auf. Dieser gehört meiner Meinung nach aber zum Stempel, da ich auf einer weiteren Karte diesen Balken ebenfalls gesehen habe. Dieser Typ ist aus dem nach Speeckaert ersten Verwendungsmonat, den Typ 9C hat er sogar erst ab Februar aufgeführt.



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  • Heute zeige ich eine Karte aus Pavlograd (Februar 1915), die leider sehr schlecht erhalten ist. Der Zensurstempel sieht dem aus Moskau ähnlich, ist aber etwas breiter. Vermutlich wurde in Pavlograd selber geprüft. Speeckaert hat jedoch nur einen Zensurstempel notiert.



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  • Ab 1917 stand in den Stempeln und auf den Verschlußstreifen zusätzlich die Abkürzung P.B.O. für übersetzt Petrograder Militärbezirk. Dieser Militärbezirk war ähnlich wie der von Minsk recht groß. Er reichte anfangs sogar bis Finnland.

    Die Stempel mit hohen Nummern waren für mobile Einheiten. Speeckaert zeigt einige Stempel. Diese sind teils zwei-, teils dreizeilig und unterscheiden sich unter anderem auch in der Schriftart.

    Einen solchen Stempel zeige ich heute auf einer Karte von Rujen nach Aloja (Mai 1917). Beides liegt im Norden des heutigen Lettland nur gut 50 km auseinander.

    In Rujen gab es eine Zensurstelle. Daher wird die Karte auch dort geprüft worden sein.


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  • Vor längerer Zeit konnte ich mal einen Zensurstempel aus Tuckum zeigen. Die vier bei Speeckaert notierten Stempel wertet er alls mit 5 = sehr selten. Heute kann ich den Typ 4 auf einer Karte vom Mai 1915 nach Tuckum zeigen. Der Stempel des Aufgabeortes ist recht schwach, weshalb ich ihn (noch) nicht identifizieren konnte.


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  • Die nächste Karte, die ich zeige, wurde in Tscheljabinsk geprüft. Der Zensurstempel ist zwar etwas schwach, so aber nicht bei Speeckaert gelistet. Er ist ähnlich dem Typ 2, hat aber in der dritten Zeile die Schriftart von Typ 6 sowie an Stelle des Zensornamens No 166 stehen.


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