Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Wie zu erwarten waren die Preise auf der Messe teils sehr hoch. Meine Suche habe ich auf mehrere Länder ausgeweitet und konnte dann zu einigermaßen erträglichen Preisen einige wenige Stücke bekommen.

    Als erstes ist es eine österreichische 5-Heller-Karte im Mai 1915 in tschechisch geschrieben. Die Karte lief über Petrograd, wo sie geprüft wurde, wohl an einen Kriegsgefangenen. Zensustempel ist der Typ 105. Nach fünfeinhalb Wochen kam die Karte dann in Bijsk an.


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  • Von der zuvor gezeigten österreichischen Karte habe ich ein weiteres Stück. Die Karte ist an den gleichen Gefangenen wie zuvor in slowakisch (nicht tschechisch) gerichtet. Diese Karte ist vom April 1915. Offensichtlich hat sie viel länger benötigt, um den Empfänger zu erreichen, wie der Tagesstempel von Bijsk zeigt.

    Auch diese Karte durchlief zunächst die österreichische Zensurstelle und dann die in Petrograd. Hier wurden in rot zwei Zensurstempel verwendet, der ovale Typ 70 sowie der Typ 7. Speeckaert hat die Zensornummer 33 - PO nicht gelistet. Diese Nummer habe ich bisher auch nur in rot gesehen.

    Danach lief die Karte nach Zarizyn, wo ein weiteres Mal geprüft wurde. Hier wurde der Stempel Typ 5 verwendet. Die Zensornummer '71' ist bei Speeckaert nicht notiert. Zu dem hat der Stempel den Setzfehler 'и' anstatt 'а' als zweiten Buchstaben. Handelt es sich hier um eine Fehlleitung oder wurde der Gefangene zwischenzeitlich verlegt?


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  • Schöne Ganzsache - der Typ 7 Petrograd ist im Nachtag 4 von Speeckaert aufgeführt (übrigens auch in meinem Aufsatz in der DZRP 88). Die Nummer stimmt, jedoch ist das Namenskürzel bei Speeckaert falsch abgebildet.

    Der Typ 5 mit der Nr. 71 aus Zarizyn ist die bisher einzige Nummer mit Schreibfehler. Die anderen haben das "a" siehe auch unten die Nr.70.

    Es handelt sich hier um einen Irrläufer wegen fälschlicher Empfängerangabe - gelesen "Tsincko" soll heißen "Bijsk" siehe erste Karte (Empfängerangabe russisch) und Fragezeichen des Zensors.


    Um den Schreibfehler in deinem Stempelabdruck zu verdeutlichen - hier die Nr.70 des Typs 5 aus Zarizyn. Auch sonst ist da was los - russ. Bildpostkarte eines Kriegsgefangenen aus Balyklejskaja/Zarizyn/Saratow nach Böhmen. Vier Zensurstempel aus Zarizyn - Typ 5, L unbekannt / Typ 6 / Typ unbekannt Initial D.W.G. / Typ unbekannt (Rahmenstempel). Alle aus 10.1915 bisher aus Dezember 1915 bekannt.


  • Den Nachtrag 4 kenne ich wohl gar nicht. Außer dem zum Standardwerk 2. Auflage habe ich den von 1997 sowie die in der Zeitschrift für Klassische Rußland-Philatelie und den im Anschluß deines Artikels in Heft 88. Dieser ist schon über zehn Jahre her und ich hatte ihn gar nicht mehr auf den Schirm. Wo gibt es denn noch einen?

    Indes zeige ich einen Brief (mal keine Kriegsgefangenenpost) vom Oktober 1915 aus Tomsk. Prüfer war A.I. Miljutin. Er verwendete hier den Stempel Typ 4 (bei Speeckaert nur in rot ab November bekannt) und verschloß anschließend den Brief mit seinem Siegel Typ 26. Dieses Siegel, das bei Speeckaert nur im Juni 1915 registriert ist, konnte ich bereits einmal auf Brief vom Februar 1915 zeigen. Hiermit ist der Verwendungszeitraum noch einmal ausgedehnt. Unter dem Stempel dürfte seine Untrschrift sein., kann ich aber nicht entziffern.


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  • Unter dem Stempel dürfte seine Untrschrift sein., kann ich aber nicht entziffern.

    Das dürfte wohl die Unterschrift sein. Wie das manchmal mit Unterschriften so ist - wenn man den Namen in Klarschrift kennt, kann man ihn auch aus der Unterschrift herauslesen.

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Du hast die Nachträge die auch ich habe.

    Ausgehend von Speeckaert 2. Auflage 1990

    - 1. Nachtrag 1997 (lilafarbenes Heftchen)

    - 2. Nachtrag Zeitschrift für Klassische Rußland Philatelie Heft 5, 2000, Teil 1

    - 2. Nachtrag " " " Heft 6, 2000, Teil 2

    - 3. Nachtrag " " " Heft 7, 2001

    - 4. Nachtrag DZRP, Heft 88, 2008


    Ich habe für mich die Teile 1 und 2 aus Heft 5 und 6 je als Nachtrag gelistet, jedoch ist dass Geschmacksache. So weit ich dass erkenne, hast du den gleichen Stand!

    Schau doch mal auf Seite 51, Heft 7, dort findest du den Petrograder Stempel Nr.33.

  • Ich möchte einen Umschlag aus Tomsk an den "Deutschen Hülfsverein Stockholm" zeigen, der über zwei Zensuren und ein Zensursiegel verfügt. Der "Hülfsverein" war ein Mittler für Kriegsgefangene im Bezug auf Korrespondenz, Geldtransfer und Telegramme.


    Der Umschlag weist die Zensuren Typ 10 und Typ 21 sowie das Lacksiegel Typ 27 auf. Der Zensor hatte durchgehend die Nr.18. Weiterhin war der Umschlag rekommandiert obwohl es sich um KGF-Post handelte und dies nicht zulässig war. Er hätte dann frankiert werden müssen und keinen Hinweisstempel zur Kriegsgefangenenpost "Correspondance..." tragen dürfen.



  • Die nächste Karte ist aus Sissgal in Lifland. Sie lief im November 1916 in gut 30 Kilometer nordöstlich entfernte Salenieku? Den Zensurstempel hat Speeckaert im Nachtrag unter unnummerierten Feldpostämtern - hier der 12. Armee - gelistet.


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  • Nach längerer Zeit zeige ich mal wirder einen Beleg mit Zensurstempeln aus dem Militärbezirk Minsk. Die Karte vom April 1916 wurde in Kalinkowitschi aufgegeben. Die Prüfung durch den Zensor Е.С. Курзасовъ (E.S. Kurssasow) wurde auch in dieser Stadt durchgeführt.


    Der Zweizeiler ist der Typ 3, der Kreisstempel ist bei Speeckaert dagegen unbekannt.


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  • Überraschend schnell erhielt ich bereits gestern den von meinem Online-Freund in Moskau versandten Brief. Neben fünf Belegen hat er mir auch den Band 19 von "почтовые цельные вещи и почтовая история" besorgt. Dieser enthält einen Artikel von Alexander Epstein über die Militärzensur in der heutigen Ukraine, der Krim und Moldawien.

    Nun werde ich mühevoll den über 20 Seiten langen Artikel übersetzen. Zum Glück besteht ein großer Teil aus Tabellen und Belegen. Wenn ich damit fertig bin, kann ich noch einige schöne Belege mit Zensuren aus Odessa und Kiew zeigen.

    Fortfahren möchte ich heute mit einem Brief aus Samara. Er lief im Juli 1915 nach Böhmen. Geprüft hat hier Ju.B. Pietrowski (Kollegialrat? oder wie auch immer man seinen Titel genau übersetzt). Speeckaert erwähnt diesen Zensor zwar, konnte aber keinen Stempel vorweisen.


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