Punkt-Nummernstempel Kaiserreich Russland

  • Wie in einem anderen Thread schon einmal angedeutet, eröffne ich hiermit einen neuen. Anregungen und Beteiligungen sind sehr erwünscht. Ich werde in der nächsten Zeit mal einiges zeigen - bei großem Interesse auch gerne mehr.


    Ich beginne somit auch am Anfang. Im Februar 1858 wurden die Punkt-Nummernstempel eingedührt. Zunächst probeweise in St. Petersburg (Typ I). Dieser Typ war aber nur knapp zwei Wochen im Einsatz und ist dem entsprechend recht selten anzutreffen. Neben einer Nr. 1 und der hier gezeigten Nr. 3 sind einige Nr. 2 (davon 2 Briefe) mit diesem Typ bekannt.

  • Danach kam dann Typ II zum Einsatz. Eine deutliche Entwertung der Marken war hiermit mehr gewährleistet. Der Punkt-Nummernstempel in Kreisform war für die Gouvernements-, Bezirks- und MilitärbeziksHauptstädte bestimmt (Stempel Nr. 1 - 60).
    In allen anderen außer St. Petersburg kamen nur der Tuy III zum Einsatz.


    Hier zeige ich einen Brief mit Nr. 5. Auf den ersten Blick nichts besonderes, da die meiste Post aus St. Petersburg kam. Der Nebenstempel weist aber auf die früheste bekannte Verwendung einer Nr. 5 (19. Sep. 1858) hin. Mit diesem Datum ist noch ein zweiter Brief bekannt. Entwertet wurde die Marke mit dem Typ II, welcher am sonsten nur auf Nr. 1 bis 4 existiert und auf der Nr. 5 weitest gehend unbekannt ist.

  • Es freut mich, wenn es dem einen oder anderen gefällt. So mach ich dann erstmal weiter.
    Das jemand, der sich nicht intensiv mit dem Thema auseinander setzt, wenig bis gar nichts beitragen kann, ist normal. Das geht mir bei anderen Gebieten genauso.
    In über 15 Jahren ist es mir nicht einmal gelungen, alleine nur die 60 Punkt-Nummernstempel in Kreisform zusammen zu tragen. Alleine das gleicht einer Sisyphusarbeit. Angeblich gibt es nur zwei oder drei Sammlungen, in denen dieser Typ komplett ist. Die Stempel sind dann aber auf verschiedenen Marken abgebildet. Versucht man, die 60 Stempel alle auf Nr. 5 zusammen zu bekommen, ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen erfolgreicher.

  • Damit zeige ich nun einen Brief mit Nr. 2 abgesendet am 24.11.1858 aus St. Petersburg. Die Marke wurde mit dem Stempel "1" in Typ II entwertet. Der vom Datum nächste gestempelte mr bekannte Brief ist vom 28.11.1858. Die Marke wurde dann bereits mit dem Typ III entwertet. Dieser Brief wurde vor Jahren auf einer Auktion für völlig überzogene 1000,-€ ausgerufen, jedoch nicht verkauft.
    Aufhand dieser beiden Daten ist ersichtlich, das der Stempel-Typ innerhalb dieser Tage getauscht wurde. Daher suche ich auch Briefe, Briefstücke oder Fotos aus dieser Zeit, um den Tag genau fest zu legen.

  • Heute zeige ich mal eine andere Stempelform - sechseckig mit Spitzen oben und unten. Diese Form war in den Nummern 1 - 17 für die Bahnpost vorgesehen, wobei Nr. 13 wohl nicht verwenfet wurde. Hier dürfte Aberglaube ein möglicher Grund gewesen sein.
    Der gezeigte Brief der 2. Gewichtsstufe ist korrekt mit 56 Kopeken (Nr. 7, 2x 13 + 16) frei gemacht. Die Entwertung erfolgte mit dem Stempel Nr. "1" für den Nikolaibahnhof St. Petersburg.

  • Ganzsachen-Umschläge mit Punkt-Nummernstempel kommen nicht ganz so häufig vor. Jedoch handelt es sich immer um 10-Kopeken-Umschläge. 20- und 30-Kopeken-Umschläge sind mir gänzlich unbekannt.
    Der hier gezeigte Umschlag im selteneren kleinen Format 120mm x 78mm wurde mit dem Stempel "21" in Kreisform von "KURSK" entwertet und benötigte 5 Tage bis zum Empfängerort "Elisawetsgrad".

  • Zu dem Zeitpunkt, als in St.Petersburg und Moskau der Punkt-Nummernstempel schon wieder abgeschafft worden war, war er wie hier in Tiflis noch längere Zeit im Einsatz. Dieser Brief mit 2x Nr. 14 - entwertet mit Punkt-Nummernstempel "49" in Kreisform - lief nach St.Petersburg, wofür er ganze 19 Tage benötigte. Interessanterweise ist anstatt der Jahreszahl des Tagesstempels von Tiflis ein schwarzer Balken (wahrscheinlich war ein neuer Stempel mit Jahreszahl 1864 selbst Ende Januar noch nicht vorhanden). Das Siegel trägt eine Krone mit den Buchstaben W.L. (?). Hierüber hab ich leider nichts heraus gefunden. Vielleicht kann jemand anderes noch etwas dazu sagen?!

  • Postbetrug kam im Zarenreich häufiger vor. Dabei versuchte ein Postbeamter den vorhandenen Punkt-Nummernstempel mittels des eigenen zu überdecken. Das das nicht immer gelang. zeigt dieses Beispiel: Unter der Nr. "24" ist noch deutlich die Nr. "1" in ovaler Form von Brest - Litowsk zu erkennen. Zudem unterscheidet sich der Stempel "24" deutlich von dem später verwendeten sowohl in der Ziffer wie auch in den Punkten.

  • Interessant sind die Stempel in Rechteckform, welche für Postämter in Kreisstädten war. Ausgegeben wurden die Nummern 1 - 608. Die Nummern 609 - 612 wurden zwischen Oktober 1859 und Januar 1861 ergänzt. Wie man es beispielsweise von den preussischen Vierringstempeln kennt, wurden einige Punkt-Nummernstempel zunächst einem Ort und später dann einem anderen Ort zugeteilt. Die Zuteilung erfolgte wie schon bei den Stempeln in Kreisform. Als erstes die Hauptpostämter in St.Petersburg und Moskau, danach in der Reihenfolge des kyrillischen Alphabets der Gouvernements-Postämter und innerhalb des Gouvernements wiederum in alphabetischer Reihenfolge.
    Zudem gibt es Typenunterschiede bei den Ziffern.
    Der häufig vorkommende Stempel "121" von Taganrog ist wie hier meist etwas verwischt und lässt daher dieses nicht erkennen.
    Taganrog ist eine Hafenstadt in Südrussland an der Küste des Asowschen Meeres direkt an der Mündungsbucht des Don.

  • Auch beim nächsten Stempel "240" - POLANGEN im Gouvernement Mitau gibt es Unterschiede insbesondere in der Ziffer "4". Außerdem ist hier noch die unterschiedliche Stempelfarbe dunkelblau statt schwarz.

  • Es ist schade, das zur Zeit niemand etwas beitragen kann. Somit kann ich meinen Wissensschatz erstmal nicht vergrößern. Vielleicht hat irgend wann doch mal jemand etwas zu zeigen.


    Farbige Stempel gab es in verschiedensten Orten, wobei die Farbepalette wie heir von graublau bis schwarzblau reicht.


    "150" Tschistopol Gebiet Kasan
    "164" Boguslaw Gebiet Kiew
    "179" Wilkomir Gebiet Kowno (schwazblau und graublau)
    "443" Berdiansk Gebiet Simferopol
    "498" Redut-Kale Gebiet Tiflis
    "612" Korez Gebiet Schitomir

  • Dieser Brief wurde aus Poti nach Tiflis gesendet und lief über das Kreispostamt in Kutais. Da Poti kein Punkt-Nummernstempel zugeteilt wurde, blieben die Marken unentwertet. Rückseitig befindet sich der K1 von Poti. Leider ist die Jahreszahl nicht lesbar. In Kutais wurden die Marken dann mit dem Stempel "496" entwertet. In Tiflis erhielt der Brief noch einen Ankunftstempel, bei dem wieder die Jahreszahl durch einen schwarzen Balken ersetzt wurde.


  • Ebenfalls zum Gouvernement Tiflis gehörend ist die Kreisstadt Nachitschewan, die zudem eine interessante Geschichte hat.

    Während lose Marken mit dem rechteckigen Punkt-Nummernstempel "497" noch relativ häufig vorkommen, sind Briefe wie dieser arg ramponierte mit Nr. 2 nach Dorpat schon recht selten.