Rätselhafte Ansichtskarten

  • Habe jetzt noch eine französische Seite gefunden mit vielen Ansichten von Cuts (Oise), zu dem anscheinend La Pommeraye gehört, darunter auch zwei Ansichten mit dem Kreuz vor dem zerstörten Haus dahinter. Da auch Karten vom Schloss in Cuts zu sehen sind, das damals ebenfalls von den Deutschen zerstört wurde, sieht man, daß das Schloss erheblich größer und breiter als das zerstörte Haus ist, so daß ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich ein Teil des Schlosses ist und keine alte Villa.


    http://www.auxpaysdemesancetre…icardie/oise-60/cuts.html


    (da muß man etwas blättern, bis die Ansichten erscheinen!)


    Gruß kartenhai

  • https://www.google.fr/search?q…320#imgrc=wE7N1VBfvbThcM:


    kartenhai

    Und hier noch ein Link, wo man die Villa unzerstört vor dem 1. Weltkrieg sieht.

    Hast Du Dir die heutige Ansicht auf google Streetview angeschaut ?


    Schloss und Villa haben nichts miteinander zu tun. Im Titel des Gedichts ist "Schloss" wohl eine dichterische Uebertreibung. Auch auf Deiner letzten Karte ist der Text (auf deutsch !) fehlerhaft (Pommerail statt Pommeraye). So genau darf man das im Krieg nicht nehmen.


    Gruss

    Jean Philippe

  • @ Jean Philippe:


    Danke für Deine Mithilfe. Ich glaube auch, daß die Karte mit dem echten Schloss nichts zu tun hatte, das passte wohl besser zum Gedicht und zur damaligen Propaganda. Durch das Gedicht konnte man den gesuchten Ort gleich finden, aber auch die Google Bildersuche nach ähnlichen Bildern hat gleich funktioniert und diesen Ort gebracht:


    https://www.google.de/search?t…OFytH0rJQM411Hc7lVg&hl=de


    Gruß kartenhai

  • Hallo Jean Phillippe,


    recht herzlichen Dank für Deine Mühe und Reserche für diesen Fall :]:]:]:]


    Diesmal warst Du besser als unser KH, was seinen Ruf als Forumsprofessor und AK-Spezialisten nicht mindern soll - KH in diesem Sinne :bier: und weitere "ungelöste Fälle" , das Thema ist zwar nicht mein Sammelgebiet, aber kulturell und geschichtlich immer sehr interessant !!!


    Viele Grüße von

    Wolle

  • wolleauslauf

    Hallo Wolle,

    Danke für die Blumen ! Es freut mich, dass ich nicht nur dem kartenhai helfen konnte, den Ort auf seiner Karte zu bestimmen, sondern dass eine richtige Geschichte daraus wurde, die auch andere Mitleser interessieren konnte. Es war allerdings schon bemerkenswert, wieviel Bild- und Textmaterial das Internet zu diesem Ort und seiner Vergangenheit und Gegenwart hergab.

    Viele Grüsse

    Jean Philippe

  • Eine hab` ich noch! :)


    Eine alte Fotokarte mit einer zerstörten Kirche. Etwas weiter kommt man nur, wenn man sich den Text auf der Rückseite ansieht, der aber zum größten Teil unleserlich ist.


    Oben lese ich: Binsch, den 3.12.15, in der viert- und drittletzten Zeile kann man noch mit Mühe entziffern: Kirche und noch ganz gut erhalten.


    Binsch als Ort findet man nicht, dagegen Binche, eine Gemeinde in der belgischen Provinz Hennegau in Wallonien. Die Soldaten im 1. Weltkrieg schrieben die französischen und belgischen Orte meist so auf das Papier, wie sie zu hören waren und nicht, wie sie offiziell geschrieben wurden. Deshalb vermute ich, daß es sich um Binche handelt. Kirchen wurden damals sehr viele zerstört, meist von den Deutschen, aber auch von den Franzosen selbst, damit die hohen Kirchtürme nicht als Orientierungspunkte für die deutschen Flieger dienten.


    Man findet zwar im Netz Aufnahmen von Kirchen in Binche, aber die zeigen meist nur den Oberteil der Kirchen. Die zerstörte Kirche hat unten einen markanten großen Torbogen, darüber ein schmales Hochkantfenster, darüber 6 kleinere Fenster und ganz oben eine Uhr. Ähnliche Bilder konnte ich im Netz und auch bei Ebay nicht finden. Vielleicht kann ja jemand auch den Text auf der Rückseite der Karte gut entziffern und es steht noch Näheres über diese Kirche drin?


    Mit der Google-Bildersuche kommt man auch nicht weiter.


    Gruß kartenhai

  • Da muss ich aber passen. Die Schrift ist für mich gar nicht zu lesen. Ich bin mir mal nicht sicher ob da wirklich Binsch steht. Zwar habe ich bei dem Namen spontan auch an das belgische Binche (mit seinem berühmten Karneval) gedacht, aber die Kirchen in Binche, die man so findet, sehen alle mehr oder weniger anders aus.

    Gruss

    Jean Philippe

  • Königsparade in Nordfrankreich


    Dem unbekannten Ort in Nordfrankreich kam ich mit einer starken Lupe auf die Spur. Die Rückseite der Karte ist unbeschrieben bis auf den Hersteller: Verlag Georg C. Steinicke, München.


    Ganz links neben dem Rathaus steht auf einer Häuser-Fassage ganz klein: L`ECHO PERRONAIS. Also eine lokale Zeitung im Ort Peronne. Auf der Suche nach Ansichtskarten von Peronne fand ich bei Ebay einige, die auch das Rathaus sowie das Zeitungshaus zeigten, somit war das Rätsel gelöst.


    Auf dem Balkon müßte sich nach der Inschrift: Bayerische Königsparade also der letzte bayerische König Ludwig III. befinden, der am Ende des 1. Weltkrieges das Land verließ und ins Exil nach Ungarn gehen mußte. Das Gebäude mit dem König auf dem Balkon ist auf einer Karte später völlig zerstört, auch ganz Peronne wurde damals zerstört.


    Fazit: Bei unbekannten Ansichtskarten hilft mitunter eine gute Lupe weiter.


    Gruß kartenhai

  • Kein Ort in Holland zu finden!


    Bei dieser Ansichtskarte suchte ich nach dem Ort Mooi in den Niederlanden. Die Rückseite ist völlig unbeschrieben und unbedruckt. Einen Ort mit diesem Namen fand ich allerdings nicht, und so suchte ich bei Google translate nach diesem Begriff. Und siehe da, das ist kein Ort, sondern bedeutet übersetzt: Schön!


    Ist also nur eine allgemeine Motivkarte mit der Inschrift: Schönes Niederlande. Wo genau dieses Haus steht oder einmal stand, weiß der Kuckuck!


    Gruß kartenhai

  • Japanischer Samurai


    Diese Karte, gefunden in einem Karton auf dem Flohmarkt, hielt ich anfangs für eine chinesische und nahm sie mal mit, um sie näher zu erforschen. Unten in der Mitte steht etwas auf Englisch geschrieben, leider kann man es wegen der Farbe nur teilweise entziffern. Im vorderen Teil liest man "worst", am Ende steht noch "war god at the Inamuragasaki". Hat also etwas mit "sehr schlimm" und einem "Kriegsgott" zu tun.


    Wikipedia kann da wieder sehr gut helfen, es kennt den langen Namen Inamuragasaki, leider nur auf Englisch, es gibt keine deutsche Version dafür. Das ist ein Kap am Westende der Yuigahama-Bucht in Kamakura, in der Nähe von Yokohama gelegen. In dem Artikel löst sich auch das Geheimnis um die Person auf der Karte. Es ist der Samurai Nitta Yoshisada, der sein goldenes Schwert in die Wellen warf, damit sich der Meeresgott zurückzog.


    https://en.wikipedia.org/wiki/Inamuragasaki


    Hier eine Google-Übersetzung der Geschichte:


    Vor 666 Jahren, am 21. Mai 1333. [8] Nitta Yoshisada, der eine Invasion an Land für schwierig hielt, beschloss, dieses Kap zu umgehen. Dies ist der Ort, wo er der Tradition nach sein goldenes Schwert in die Wellen warf und den Meeresgott [6] betete, um sie zurückzuziehen und ihn gehen zu lassen.

    (Stele errichtet 1917)

    Nach Angaben der Taiheiki beobachtete Nitta in der Nacht vor dem Angriff von einem Hügel aus das gegnerische Lager und seine Verteidigungsanlagen, die den Gokuraku-Pass schlossen, dann den Strand, der von schweren Befestigungen blockiert wurde. [1] Er wusste, dass das Meer von Hunderten von feindlichen Schiffen bewacht wurde. [1] Mit Blick auf das nahegelegene Inamuragasaki warf er sein Schwert in die Brandung, betete zu Ryūjin [6] und bat um seine Hilfe. [1] Das Meer zog sich um zwanzig chō (eine Meile) zurück, nahm die Hōjō-Marine mit sich und ließ genügend Platz für seine Truppen. [1] Die Stele bei Sode no Ura (袖 の 浦), der kleinen Bucht westlich von Inamuragaki, sagt: [7]

    Vor 666 Jahren, am 21. Mai 1333. [8] Nitta Yoshisada, der eine Invasion an Land für schwierig hielt, beschloss, dieses Kap zu umgehen. Dies ist der Ort, wo er der Tradition nach sein goldenes Schwert in die Wellen warf und den Meeresgott [6] betete, um sie zurückzuziehen und ihn gehen zu lassen.

    (Stele errichtet 1917)


    Über diesen Samurai gibt es auch einen deutschen Wikipedia-Artikel, in dem sich dieser Samurai selbst den Kopf abschlug:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Nitta_Yoshisada


    Manche Ansichtskarten erzählen erstaunliche Geschichten.


    Auf der Rückseite der nicht gelaufenen Karte steht noch etwas auf Deutsch, ich kann das aber nicht entziffern, und es hat wohl mit der Ansicht vorne nichts zu tun.


    Gruß kartenhai

  • Hallo kartenhai,


    mooi holland. Wie Du richtig geschrieben hast steht mooi für schön. Diesen Begriff gibt es auch im Niederdeutschen: Moin ist nicht etwa, wie Ignoranten aus den südlicheren Landesteilen meinen ein Ausdruck für "Morgen" sondern eine Abkürzung für "mojen dag" also "schönen Tag." deshalb grüßen sich Norddeutsche auch abends um acht noch mit "Moin"


    Wer in Norddeutschland seinem Gegenüber einen "guten Morgen" wünscht sagt "mo'ogn" oder "gu'un mo'ogn"


    Aber das sind Feinheiten die ein Süddeutscher nicht versteht, das hat was mit Heimat zu tun, nicht mit Heimatministerium. Heimat funktioniert auch ohne Lederhose. Gell, Herr Seehofer.


    Moin, moin

    DKKW

  • Was sind Franktireure?


    Das wäre mal eine 1-Million-Frage bei Günther Jauch, die wohl nur wenige auf Anhieb beantworten könnten. Ich habe dieses Wort auf der Ansichtskarte auch zum ersten Mal gelesen.


    Franktireure waren Freischützen, Freischärler, Heckenschützen im 1. und 2. Weltkrieg in den französisch besetzten Gebieten, der Begriff kam zum ersten Mal während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 auf. Er setzt sich zusammen aus den Wörtern franc =frei und tirer = schießen.


    Auch Wikipedia gib erschöpfend über diesen Begriff Auskunft:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Franc-tireur


    Gruß kartenhai

  • kartenhai

    Tut mir leid, aber ganz so kann ich die Erklärung nicht stehen lassen. "Franc" hat nichts mit Franzosen zu tun, sondern heisst auf französisch "frei, unabhängig, offen" (wie im deutschen Ausdruck "Frank und frei"). "Franc-tireur" = "Freier Schütze" ist also nur eine wortwörtliche Uebersetzung. Das Wort ist älter, wurde aber in der Tat erst 1871 geläufig.

    Eine Million wäre diese Frage Herrn Jauch wohl nicht wert gewesen, obwohl manche seiner Fragen durch einfache Uebersetzung zu beantworten sind.

    Gruss

    Jean Philippe

  • kartenhai

    Weil Du Dich dafür interessierst, hier noch zwei Karten von Jarny :

    einmal die gleiche Ansicht wie bei Dir, aber vor dem 1. Weltkrieg,

    und einmal die Geschichte von der anderen Seite : da wird das mit den Freischützen zur Lüge und zum Vorwand um ein Massaker an Zivilisten zu verüben.

    Gruss

    Jean Philippe

  • @ Jean Philippe:


    Danke fürs Zeigen dieser Karten. Auch bei vielen Karten mit zerstörten Kirchen gaben sich Deutsche und Franzosen gegenseitig die Schuld. Angeblich hätten die Franzosen ihre eigenen Kirchen zerstört, um zu verhindern, daß sich die deutsche Luftwaffe an diesen markanten Gebäuden orientierten.


    Gruß kartenhai

  • kartenhai

    Seit Erfindung der Kanonen wurden die spitzen Kirchtürme manchmal im Krieg zerstört, weil sie als Zielorientierung dienen konnten. So ist der Kirchturm der Abtei Neumünster auf der gezeigten Marke aus Luxemburg bis heute etwas schief. Bei der Belagerung durch Napoleon wollten die Verteidiger anscheinend den Turm mit Seilen umlegen, was aber misslang.

    Gruss

    Jean Philippe

  • Brauerei in Rimini


    Wie kommt eine deutsche Brauerei nach Rimini? Das fragte ich mich, als ich diese Karte auf einem Flohmarkt sah, und nahm sie mit, um das herauszubringen.


    Die erste Erkenntnis: Es handelt sich gar nicht um eine deutsche, sondern um eine Schweizer Bierbrauerei aus Luzern. Sie wurde 1899 als AG gegründet, der frühere Name war Brauerei Löwengarten, später hiess sie dann noch Eichhof AG.


    1906 wurde eine Filiale im italienischen Rimini errichtet, gleich gegenüber dem Bahnhof, sie bestand aus 2 Fabriken, eine für das Bier und eine für das Kunsteis zur Kühlung. 1917 war die Brauerei pleite und wurde versteigert und wenige Tage vor Ende des 1. Weltkrieges 1918 abgerissen. Sie hatte 100 Arbeitern Arbeit gegeben. Über die Geschichte gibt es ein kritisches Buch (übersetzt = Das Verbrechen Spiess, im folgenden Link wird darüber berichtet, leider nur auf italienisch (Bei Interesse von Google translate übersetzen lassen!):


    http://www.quiriviera.com/2016…to-non-ha-imparato-nulla/


    https://de.wikipedia.org/wiki/Brauerei_Eichhof


    Letztes Jahr war ich noch in Rimini, am Bahnhof erinnert nichts mehr an eine große Brauerei, es ist nur noch ein großer Parkplatz da (vielleicht stand dort einmal die Brauerei?), der restliche Grund ist überall bebaut.


    Gruß kartenhai