Postbelege, egal ob AK, Ganzsache oder sonstige Ausführung, mit abgeräuberten Einzelmarken

  • Hallo Forumskollegen!


    In einem meiner letzten Threads fragte ich nach der Bewertung bzw. Sammelwürdigkeit einer Dienstpostkarte als Ganzsache , von der Briefmarken durch einen anderen Sammler abgelöst worden sind. Da dies nicht selten passiert - ich habe diverse andere Exemplare - und diese Vorgehensweise wohl offensichtlich zur Philatelie dazu gehört, möchte ich hier einen neuen Thread ins Leben rufen, der diesen philatelistischen Sündenfall durch diverse Beispiele dokumentiert. Ich würde mich über eine rege Beteiligung freuen. Als erste Beispiele zeige ich Euch die angesprochene Dienstpostkarte noch einmal und einen Luftpostbrief mit einem Heuss I Sechsling, bei dem ebenfalls eine Marke entfernt worden ist.

    Außerdem möchte ich eine Diskussion im Forum anstoßen, wie Ihr mit solchen Belegen in Euren Sammlungen umgeht.


    Gruß frimer14

  • Hallo zusammen,


    Ausgehend davon, dass ein Beleg neben der Frankatur eine weitere Zahl von relevanten und informationstragenden Elementen enthält, kann konstatiert werden, dass durch fehlende Elemente ein Beleg nicht mehr vollwertig (auch im Sinne des Marktwertes), aber dennoch nicht - weder im Sinne des Marktwertes, noch des Informationsgehaltes - wertlos ist!


    Durch eine fehlende Marke kann zwar nicht mehr geprüft werden, ob die Frankatur tarifgerecht war, eventuell wird auch der entwertende Stempel nicht mehr eindeutig bestimmbar sein. Aber alle anderen Elemente (z.B. Anschrift, Absender, Mitteilungstext, Ankunftstempel, Transitstempel, Nebenstempel, Klebezettel, Zensurstempel etc. etc.) mit ihren Informationen und somit der Beleg insgesamt bleiben eine ggf. im doppelten Sinne wertvolle Quelle.


    Beipiele muss ich noch heraussuchen.

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Bei der Postkarte im ersten Beitrag ist ja ziemlich deutlich, dass eine Briefmarke absichtlich entfernt wurde. Die fehlende Marke auf dem Luftpostbrief hingegen kann einfach abgefallen sein.


    Was bei diesem Brief aus Hawaii passiert ist, weiß ich freilich nicht. Die Gummireste könnten darauf deuten, dass die Zusatzfrankatur über dem Teekessel abgelöst wurde. Aber jedenfalls lässt sich der Laufweg immerhin teilweise nachvollziehen - schätze, das ist ein Beispiel im Sinne von northstar.



    -jmh

  • Aber jedenfalls lässt sich der Laufweg immerhin teilweise nachvollziehen - schätze, das ist ein Beispiel im Sinne von northstar.

    Ja, genau, vielen Dank für's zeigen! Jetzt kann ich auch einen Beleg nachliefern, bei dem ebenfalls die Zusatzfrankatur nicht mehr vorhanden ist (wohl entfernt wurde):

    eine Ganzsache von Argentinien nach Narva (Estland, damals im Bestand des Russischen Reichs), die über St. Petersburg befördert wurde und dort durch die politische Zensur lief.


    Wg. der fehlenden Marke habe ich seinerzeit einen Nachlass für diesen Beleg mit der nicht häufigen Verbindung und der selten angebotenen Zensur beim Verkäufer herausgehandelt :)

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

    Einmal editiert, zuletzt von northstar ()

  • Hallo northstar!


    Es freut mich, dass Du das Thema aufgegriffen hast. Ich hoffe, dass sich noch weitere Forumskollegen anschließen. Die gezeigten Beispiele zeigen m.E., dass auch diese Belege interessante Geschichten erzählen können. Hier ein weiteres Beispiel von mir. Eine Ganzsache P140 I vom 3.3.1922 aus Eisenach nach Rudisleben-Arnstadt. Es wurden mindestens vier Briefmarken von dieser Ganzsache abgelöst.


    Gruß frimer14

  • frimer14


    für mich als Stempelfan ist es zum Teil egal ob eine oder mehrere Marken fehlen. Hauptsache ich habe noch einen erkennbaren Stempelabdruck. Bei meinem anderen Sammelgebiet der AK kommt es häufiger vor, dass Marken komplett abgelöst wurden.

    Hier kommt es mir auf die Bildseite an.


    Gruß

  • Außerdem möchte ich eine Diskussion im Forum anstoßen, wie Ihr mit solchen Belegen in Euren Sammlungen umgeht.


    Solche Belege würden es bei mir nicht in die Briefmarken- Heimatsammlung schaffen.


    Ich finde einen Beleg mit fehlenden Marken äußerst unästhetisch.


    Besondere Ausnahmen mag es immer mal geben...


    Schildescher

    Ich mag Vollstempel (keine Versandstellenstempel) folgender Gebiete;


    Bund (bis zum Mauerfall)
    Berlin (insbesondere Berliner Bauten , Mi.- Nr. 42- 60)
    DR
    und Neu: Dt. Kolonien / DSWA (gestempelt)


    dazu noch alles aus Cöln/ Coeln/ Köln bis 1940

  • ... Jetzt kann ich auch einen Beleg nachliefern, bei dem ebenfalls die Zusatzfrankatur nicht mehr vorhanden ist (wohl entfernt wurde):

    ...

    eine Ganzsache von Argentinien nach Narva (Estland, damals im Bestand des Russischen Reichs), die über St. Petersburg befördert wurde und dort durch die politische Zensur lief.

    ...

    Ist das ein Streifband für Drucksachen? Das scheint auch auf seine Weise ein Dokument der damaligen Umstände zu sein.


    Die zugeklebte Marke kann abgerissen worden sein, weil sie den Inhalt mit dem Streifband verband. Das wiederum kann der Empfänger getan haben oder auch der Zensor, weil er vielleicht die Zeitung selbst lesen wollte/musste oder unter der Marke eine versteckte Mitteilung vermutete.