Beiträge von northstar

    Aber jedenfalls lässt sich der Laufweg immerhin teilweise nachvollziehen - schätze, das ist ein Beispiel im Sinne von northstar.

    Ja, genau, vielen Dank für's zeigen! Jetzt kann ich auch einen Beleg nachliefern, bei dem ebenfalls die Zusatzfrankatur nicht mehr vorhanden ist (wohl entfernt wurde):

    eine Ganzsache von Argentinien nach Narva (Estland, damals im Bestand des Russischen Reichs), die über St. Petersburg befördert wurde und dort durch die politische Zensur lief.


    Wg. der fehlenden Marke habe ich seinerzeit einen Nachlass für diesen Beleg mit der nicht häufigen Verbindung und der selten angebotenen Zensur beim Verkäufer herausgehandelt :)

    Hallo zusammen,


    Ausgehend davon, dass ein Beleg neben der Frankatur eine weitere Zahl von relevanten und informationstragenden Elementen enthält, kann konstatiert werden, dass durch fehlende Elemente ein Beleg nicht mehr vollwertig (auch im Sinne des Marktwertes), aber dennoch nicht - weder im Sinne des Marktwertes, noch des Informationsgehaltes - wertlos ist!


    Durch eine fehlende Marke kann zwar nicht mehr geprüft werden, ob die Frankatur tarifgerecht war, eventuell wird auch der entwertende Stempel nicht mehr eindeutig bestimmbar sein. Aber alle anderen Elemente (z.B. Anschrift, Absender, Mitteilungstext, Ankunftstempel, Transitstempel, Nebenstempel, Klebezettel, Zensurstempel etc. etc.) mit ihren Informationen und somit der Beleg insgesamt bleiben eine ggf. im doppelten Sinne wertvolle Quelle.


    Beipiele muss ich noch heraussuchen.

    Eine Zensurstelle gab es in Wladiwostok bereits unmittelbar nach Kriegsbeginn. Ob man hier nun nicht fähig war, den Text zu übersetzen oder ob dieser eventuell gar verdächtig war, kann man nur vermuten.

    Beides könnte der Fall gewesen sein. Die meisten Zensurstellen konnten nur das Standardspektrum bei den Fremdsprachen abdecken. Wenn für einen Text kein sprachkundiger Zensor vor Ort verfügbar war, wurden diese Sendungen an andere Zensurstellen weitergeleitet.

    Mit einem zeitgenössischen Postkartenmotiv und einem aktuellen Photo möchte ich den Zyklus zur Blockade Leningrads in diesem Thread beschließen.


    Aus Anlass des endgültigen Durchbruchs der Blockade am 27. Januar 1944 gab es in Leningrad Salutschüsse und Feuerwerk. Der Künstler A.F. Pachomow hielt dieses Ereignis im Rahmen seiner Serie "Leningrad in den Tagen der Blockade" unter dem Titel "Salut des 27. Januar 1944" zeichnerisch fest. Im Vordergrund stehen Menschen an der Kirow- (Troizkij-)Brücke hinter einer durch Beschuss beschädigten steinernen Brüstung. Im Hintergrund fällt der Blick auf die zugefrorene Neva und die Peter-Paul-Festung.

    Der Künstler schrieb dazu: "Indem ich begann, am Thema "Salut des 27. Januar 1944" zu arbeiten, wollte ich dieses nicht durch eine dekorative Schau von Lichteffekten zeigen, sondern durch die Darstellung der Freude der Menschen, die gerade eben die Blockade überlebt haben".




    Vor einer Woche, am 27. Januar 2019 fand aus Anlass des 75. Jahrestages an der Peter-Paul-Festung ein Feuerwerk statt. An den Uferstraßen standen die Menschen trotz der Kälte dicht gedrängt. Die Aufnahme entstand am Schlossufer/Einmündung Moschkow pereulok, ca. 300 m westlich von der Troizkij-Brücke. Die Peter-Paul-Festung liegt im Pulverdampf.



    Am heutigen Gedenktag komme ich nun vorerst zum Abschluss des Themas "Blockade Leningrads".


    Zu Beginn des Themas hatte ich bereits eine Karte vom Oktober 1941 aus der Korrespondenz zweier Schwestern gezeigt. Damals schrieb die in Leningrad zurückgebliebene Dame an ihre Schwester in Swerdlowsk (jetzt wieder Jekaterinburg): Irgendwann sehen wir uns, ich hoffe doch.


    Am 8. Januar 1944 - knapp drei Wochen später wird die Blockade vollständig durchbrochen - schreibt Anna verspätete Neujahrsgrüße an ihre Schwester nach Swerdlowsk (die Karte wurde abgestempelt am 10.01.1944 vom
    Knotenamt Leningrad Moskowskij, das Datum des Ankunftstempels von Swerdlowsk Zentrum ist leider unleserlich): " … und wünsche, dass wir in diesem Jahr zusammenkommen können."





    Hallo dietbeck,


    vielen Dank für das Update. Sehr interessante Postgeschichte!


    Man verzeihe mir das Offtopic: beim Betrachten der Belege fielen mir die Bleistift-Vermerke auf, die wohl vom Vorbesitzer stammen. Es sei hier nochmal beklagt, dass Sammler und Händler Kommentare, Bewertungen, Ordnungsnummern und dergl. auf den Belegen vermerken. Ich halte das wirklich für eine Unart!

    Seit meinem letzten Beitrag zum Thema Blockade sind es zwei Jahre her:(.


    Morgen wird der 75. Jahrestag des vollständigen Aufbruchs der Blockade gefeiert, mit Feuerwerk an der Peter-Paul-Festung und einer nicht von allen als passend empfundenen Militärparade auf dem Schlossplatz.


    Einen nicht unwichtigen Beitrag zur Verteidigung Leningrads und zum Durchbruch der Blockade Anfang 1943 leistete das 351. Flugabwehrregiment, das in der Nähe von Obuchowo, einem Stadtteil im Südosten Leningrads, basierte.


    Die Postkarte mit der Dachziegelfrankatur aus der Stadt Gorki (bis 1932 und ab 1990 wieder Nischni Nowgorod) an die Feldpoststation 22222 war nur 6 Tage unterwegs und wurde in Gorki zensiert (späte Verwendung des Zensurstempels vom Typ 2 mit der kodierten Ortsangabe „3“). An der Oberkante ist das Fragment eines Tagesstempels einer Feldpoststation vom 09.10.1943 erkennbar.




    Rätsel gibt der Vermerk „И2а“ in der linken oberen Ecke auf – evtl. ist dies ein Sortiervermerk.

    Der Typ 28 von Petrograd ist laut Speeckaert der kleinste aller Zensurstempel der ersten Weltkrieges. Erklären kann ich das Zeichen nicht. Hat Kossoy da eine nähere Information?



    Kosoy hat diesen Typ leider gar nicht verzeichnet. Er erwähnt rombenförmige Stempel mit Buchstaben. Dieser Buchstabe könnte ein Э sein.

    Hallo 241264hsv-fan,


    die Nuss war diesmal etwas härter, konnte aber dank Yandex, das mich auch zu einem Thread auf postalhistory.ru (http://postalhistory.ru/forumtema10.htm) führte, geknackt werden. Zensurort ist der Anleger Novo-Aleksandrowskaja.


    Der Text lautet:

    «ПРОСМОТРЕНО / Заведывающiй Военнопленными / Н.-Александровской пристани»

    "GEPRÜFT / Verwalter für die Kriegsgefangenen / N[ovo]-Aleksandrowskoj pristani



    P.S.: das Postfach hat wieder Platz

    Der Stempel ist ja insgesamt schön klar abgeschlagen:

    Просмотрѣно

    Пос.[ёлок] Песчанка

    Апрѣля 25 [1]917 г.

    Завѣдывающий

    Почтовымъ Бюро

    Прапорщикъ [Unterschrift unleserlich]


    Geprüft

    Sied.[lung] Pestschanka

    April 25 [1]917 J.

    Leiter

    des Postbüros

    Fähnrich [Unterschrift unleserlich]


    Es gibt eine ganze Reihe von Orten mit dem Namen Pestschanka, hier könnte es sich wohl um den am weitesten östlich gelegenen Ort mit diesem Namen handeln, der heute zur Stadt Tschita in der Region Transbaiklaien gehört. Dort gab es auch ein entsprechendes Kriegsgefangenenlager (http://obozrenie-chita.ru/read/70).


    Bei der handschriftlichen Datumsangabe lese ich April 25, 1917. Ich weiß nicht, ob es vorkam, dass die Zensur für die Berarbeitung der Korrespondenz 8 Monate brauchte!?!

    Vielen Dank für das Lob!


    Lesen kann ich oben: Съ дбйствующаго(?) флота. Und unten: ? судовой цензурой.

    Der obere Stempel ist praktisch richtig gelesen, nur das б ist ein е:

    действующаго

    Aus der aktiven (kämpfenden) Flotte


    Der untere kann wie folgt ergänzt werden:

    Просмотрено судовой цензурой

    Geprüft durch die Schiffszensur

    Die Karte wurde nach erfolgter Prüfung nach Petrograd weitergeleitet, wo sie ein weiteres Mal unter die Lupe genommen wurde. Dieses bestätigte der Zensor mit dem ovalen Stempel Typ 78. Bei diesem erwähnt Speeckaert die Initialen Gr. (links) und Nr. (rechts). Auf dieser Karte ist deutlich aber ein Kr. zu erkennen, so das ich auch hier von einem Fehler ausgehe.

    Die rechten Initialen sind nach Kosoj (1987) Kr. [Кр.].

    Vgl. Рис.18, auf http://www.opentextnn.ru/censo…v/libraries/book/?id=3620

    Wahrscheinlich lag Speeckaert seinerzeit nur ein undeutlicher Abschlag vor.