Beiträge von northstar

    Mit einem zeitgenössischen Postkartenmotiv und einem aktuellen Photo möchte ich den Zyklus zur Blockade Leningrads in diesem Thread beschließen.


    Aus Anlass des endgültigen Durchbruchs der Blockade am 27. Januar 1944 gab es in Leningrad Salutschüsse und Feuerwerk. Der Künstler A.F. Pachomow hielt dieses Ereignis im Rahmen seiner Serie "Leningrad in den Tagen der Blockade" unter dem Titel "Salut des 27. Januar 1944" zeichnerisch fest. Im Vordergrund stehen Menschen an der Kirow- (Troizkij-)Brücke hinter einer durch Beschuss beschädigten steinernen Brüstung. Im Hintergrund fällt der Blick auf die zugefrorene Neva und die Peter-Paul-Festung.

    Der Künstler schrieb dazu: "Indem ich begann, am Thema "Salut des 27. Januar 1944" zu arbeiten, wollte ich dieses nicht durch eine dekorative Schau von Lichteffekten zeigen, sondern durch die Darstellung der Freude der Menschen, die gerade eben die Blockade überlebt haben".




    Vor einer Woche, am 27. Januar 2019 fand aus Anlass des 75. Jahrestages an der Peter-Paul-Festung ein Feuerwerk statt. An den Uferstraßen standen die Menschen trotz der Kälte dicht gedrängt. Die Aufnahme entstand am Schlossufer/Einmündung Moschkow pereulok, ca. 300 m westlich von der Troizkij-Brücke. Die Peter-Paul-Festung liegt im Pulverdampf.



    Am heutigen Gedenktag komme ich nun vorerst zum Abschluss des Themas "Blockade Leningrads".


    Zu Beginn des Themas hatte ich bereits eine Karte vom Oktober 1941 aus der Korrespondenz zweier Schwestern gezeigt. Damals schrieb die in Leningrad zurückgebliebene Dame an ihre Schwester in Swerdlowsk (jetzt wieder Jekaterinburg): Irgendwann sehen wir uns, ich hoffe doch.


    Am 8. Januar 1944 - knapp drei Wochen später wird die Blockade vollständig durchbrochen - schreibt Anna verspätete Neujahrsgrüße an ihre Schwester nach Swerdlowsk (die Karte wurde abgestempelt am 10.01.1944 vom
    Knotenamt Leningrad Moskowskij, das Datum des Ankunftstempels von Swerdlowsk Zentrum ist leider unleserlich): " … und wünsche, dass wir in diesem Jahr zusammenkommen können."





    Hallo dietbeck,


    vielen Dank für das Update. Sehr interessante Postgeschichte!


    Man verzeihe mir das Offtopic: beim Betrachten der Belege fielen mir die Bleistift-Vermerke auf, die wohl vom Vorbesitzer stammen. Es sei hier nochmal beklagt, dass Sammler und Händler Kommentare, Bewertungen, Ordnungsnummern und dergl. auf den Belegen vermerken. Ich halte das wirklich für eine Unart!

    Seit meinem letzten Beitrag zum Thema Blockade sind es zwei Jahre her:(.


    Morgen wird der 75. Jahrestag des vollständigen Aufbruchs der Blockade gefeiert, mit Feuerwerk an der Peter-Paul-Festung und einer nicht von allen als passend empfundenen Militärparade auf dem Schlossplatz.


    Einen nicht unwichtigen Beitrag zur Verteidigung Leningrads und zum Durchbruch der Blockade Anfang 1943 leistete das 351. Flugabwehrregiment, das in der Nähe von Obuchowo, einem Stadtteil im Südosten Leningrads, basierte.


    Die Postkarte mit der Dachziegelfrankatur aus der Stadt Gorki (bis 1932 und ab 1990 wieder Nischni Nowgorod) an die Feldpoststation 22222 war nur 6 Tage unterwegs und wurde in Gorki zensiert (späte Verwendung des Zensurstempels vom Typ 2 mit der kodierten Ortsangabe „3“). An der Oberkante ist das Fragment eines Tagesstempels einer Feldpoststation vom 09.10.1943 erkennbar.




    Rätsel gibt der Vermerk „И2а“ in der linken oberen Ecke auf – evtl. ist dies ein Sortiervermerk.

    Der Typ 28 von Petrograd ist laut Speeckaert der kleinste aller Zensurstempel der ersten Weltkrieges. Erklären kann ich das Zeichen nicht. Hat Kossoy da eine nähere Information?



    Kosoy hat diesen Typ leider gar nicht verzeichnet. Er erwähnt rombenförmige Stempel mit Buchstaben. Dieser Buchstabe könnte ein Э sein.

    Hallo 241264hsv-fan,


    die Nuss war diesmal etwas härter, konnte aber dank Yandex, das mich auch zu einem Thread auf postalhistory.ru (http://postalhistory.ru/forumtema10.htm) führte, geknackt werden. Zensurort ist der Anleger Novo-Aleksandrowskaja.


    Der Text lautet:

    «ПРОСМОТРЕНО / Заведывающiй Военнопленными / Н.-Александровской пристани»

    "GEPRÜFT / Verwalter für die Kriegsgefangenen / N[ovo]-Aleksandrowskoj pristani



    P.S.: das Postfach hat wieder Platz

    Der Stempel ist ja insgesamt schön klar abgeschlagen:

    Просмотрѣно

    Пос.[ёлок] Песчанка

    Апрѣля 25 [1]917 г.

    Завѣдывающий

    Почтовымъ Бюро

    Прапорщикъ [Unterschrift unleserlich]


    Geprüft

    Sied.[lung] Pestschanka

    April 25 [1]917 J.

    Leiter

    des Postbüros

    Fähnrich [Unterschrift unleserlich]


    Es gibt eine ganze Reihe von Orten mit dem Namen Pestschanka, hier könnte es sich wohl um den am weitesten östlich gelegenen Ort mit diesem Namen handeln, der heute zur Stadt Tschita in der Region Transbaiklaien gehört. Dort gab es auch ein entsprechendes Kriegsgefangenenlager (http://obozrenie-chita.ru/read/70).


    Bei der handschriftlichen Datumsangabe lese ich April 25, 1917. Ich weiß nicht, ob es vorkam, dass die Zensur für die Berarbeitung der Korrespondenz 8 Monate brauchte!?!

    Vielen Dank für das Lob!


    Lesen kann ich oben: Съ дбйствующаго(?) флота. Und unten: ? судовой цензурой.

    Der obere Stempel ist praktisch richtig gelesen, nur das б ist ein е:

    действующаго

    Aus der aktiven (kämpfenden) Flotte


    Der untere kann wie folgt ergänzt werden:

    Просмотрено судовой цензурой

    Geprüft durch die Schiffszensur

    Die Karte wurde nach erfolgter Prüfung nach Petrograd weitergeleitet, wo sie ein weiteres Mal unter die Lupe genommen wurde. Dieses bestätigte der Zensor mit dem ovalen Stempel Typ 78. Bei diesem erwähnt Speeckaert die Initialen Gr. (links) und Nr. (rechts). Auf dieser Karte ist deutlich aber ein Kr. zu erkennen, so das ich auch hier von einem Fehler ausgehe.

    Die rechten Initialen sind nach Kosoj (1987) Kr. [Кр.].

    Vgl. Рис.18, auf http://www.opentextnn.ru/censo…v/libraries/book/?id=3620

    Wahrscheinlich lag Speeckaert seinerzeit nur ein undeutlicher Abschlag vor.

    Was die Tarife angeht, kann ich leider nichts beitragen.

    Mit etwas Phantasie kann man als Schiffsnamen MS "Hamburg" (im Betrieb der HAPAG 1954-1967) herauslesen, ergoogelt habe ich Belege mit dem Stempel dieses Schiffes sowie einen Brief mit der alten Adresse, der 1956 auf einem anderen Schiff verwendet wurde.

    Der Stern-Filmverleih ist erst im Hamburger Adressbuch von 1956 unter der Adresse Ferdinandstraße 56 verzeichnet. Vielleicht ist ja doch alles echt? :unsicher:

    Hallo frimer14,


    der Alsterdamm wurde 1947 in Ballindamm umbenannt. Die Frage ist, wieviele Jahre hat die HAPAG ihre Umschläge mit dem alten Straßennamen aufgebraucht? Ja wohl mindestens 7 Jahre nach der Marke zu urteilen. Ob HAPAG in den ersten Nachkriegsjahren solche Vorräte an Umschlägen bestellt hat? Leider ist der Stempel bei Datum und Schiffsnamen fragmentarisch. Sonst könnte man prüfen, ob Stempel und Marke datumsmäßig zusammenpassen.

    Heute ein historisches Objekt aus dem Okkupationsmuseum in Riga (http://okupacijasmuzejs.lv/de/besuchen-sie-uns/): Dreiecksbriefe aus Gefängnissen und Arbeitslagern, 1940-1950er Jahre.




    Die Faltung zu Dreiecken war in der Sowjetunion (und wie man sieht, auch in der der damals neuangeschlossenen baltischen Republik Lettland) in den Kriegs- und Nachkriegsjahren sowohl bei Militärangehörigen, als auch Zivilpersonen aufgrund des Mangels an Briefumschlägen verbreitet.

    Heute zeige ich die "Briefwand" im amerikanischen Arbeitszimmer des Literaturnobelpreisträgers von 1987, Josif Brodskij (Joseph Brodsky), die nicht auf der Website https://akhmatova.spb.ru/exhib…kabinet-iosifa-brodskogo/ des Anna-Akhmatova-Museums zu sehen ist:




    Hier sind Umschläge und Karten ausgestellt, die Brodskij aus dem Ausland (Brodskij wurde 1972 aus der UdSSR ausgebürgert) an seine Eltern in Leningrad geschrieben hat.


    Literaturtip: Erinnerungen an Leningrad. Hanser, München/Wien1987

    mx5schmidt - vielen Dank für die Vorstellung des Werks von Raoul Dufy!


    Von der modernen Street- und Pop-Art zu einer Hamburgensie der Bahnpost: zur Kleinbahn Altrahlstedt-Volksdorf, die neben Personen auch Post beförderte (https://www.ndr.de/kultur/gesc…einbahn,kleinbahn124.html)




    Im Alstertalmuseum im Torhaus Wellingsbüttel sind neben einem Modell der Kleinbahn eine Beutelverschlussmarke, ein Stempelabschlag sowie einige Postkarten mit dem Bahnpoststempel zu diesem Kapitel der Verkehrs- und Postgeschichte von Alstertal und Walddörfern ausgestellt.





    Heute starte ich einen neuen Thread zu Postwertzeichen sowie Briefen und Postkarten, die einem breiteren Publikum in einem anderen Kontext gezeigt werden, als in philatelistischen Ausstellungen oder Postmuseen. D.h. sie dienen entweder als Artefakte zur Veranschaulichung oder Dokumentation bestimmter Sachverhalte oder sind Bestandteil eines Kunstwerks.


    Darüber hinaus möchte ich hier auch Kunstwerke aufnehmen, bei denen sich Gestaltung und Motiv am Design von Briefmarken orientieren.


    Beginnen möchte ich mit einer Aufnahme aus der Videoprojektion der aktuellen Banksy-Ausstellung in St. Petersburg. Sie zeigt leicht provokativ gestaltete „Marken“ nach dem Vorbild der englischen Machin-Serie - hier jedoch trägt die Queen eine Gasmaske… Titel des Originalwerks: Weapons of Mass Distraction.



    Vielleicht können auch andere ForumsteilnehmerInnen etwas aus Ihren Ausstellungs- und Museumsbesuchen zu diesem Thread beitragen. Ich würde mich freuen!