Zur Bedeutung der Petschaftstempel

  • Auf alten Faltbriefen finden sich bisweilen Abschläge privater Petschaftstempel, über deren Bedeutung schon heftig diskutiert worden ist.


    Die Darstellung, es handle sich dabei um eine Art Franco-Bestätigung, wird leicht dadurch widerlegt, daß auch Portobriefe derartige Abschläge aufweisen.


    Ich vermute, daß der jeweilige Absender lediglich bei Unzustellbarkeit die Absenderfeststellung erleichtern wollte. Es war bis mindestens Mitte des 19. Jhdts. unüblich, außen auf Privatbriefen seinen Absender zu vermerken.


    Hat jemand eine bessere Erklärung oder sind gar entsprechende Vorgaben bekannt?


    Altsax

  • Zitat

    Original von bayern klassisch
    womit wurde der Brief hinten verschlossen?


    Hallo bayern klassisch,


    die Siegelprägung zeigt ein leeres Wappenschild, ob ursprünglich oder der Lagerung geschuldet, ist nicht feststellbar.


    Beste Grüße


    Altsax

  • Hallo Altsax,


    über entsprechende Vorschriften verfüge ich nicht.


    Diejenigen, denen die aktive Portofreiheit gewährt wurde, waren angehalten, ihre Briefe mit ihrem Privatsiegel, dessen Abdruck der jeweiligen Aufgabepost bekannt war, zu verschliessen.


    Gelegentlich, vor allem bei der Familie derer zu Thurn und Taxis, findet sich auch ein Petschaftsabdruck vorderseitig, um die Portofreiheit zu verdeutlichen.


    Desweiteren wurden Personen die persönliche Postportofreiheit gewährt, die sie mit ihrer Unterschrift (gewöhnlich in der linken unteren Ecke neben dem "frei" - Vermerk) bei der Briefaufgabe bestätigen mussten. Das Anbringen eines Siegels könnte man dieser Maßnahme gleichstellen, wenn das bei deinem Brief so angedacht worden war.


    Bei deinem Brief hat der Absender vielleicht versucht, eine Portofreiheit zu erwirken, wurde jedoch auf der Post eines besseren belehrt (da er dann ja 2 Groschen bar frankieren musste).


    Da es auch Portofreiheiten gab, die an eine Funktion gebunden waren, war derjenige, der diese Funktion nicht mehr inne hatte, auch nicht mehr portobefreit. Vielleicht hatte der Absender üblicherweise in seiner Funktion als ??? tatsächlich die Portofreiheit genossen, sie aber später (durch Ausscheiden aus dem Amt) verloren? Dann siegelte er wohl eher gewohnheitsmäßig, als dass es noch sinnvoll gewesen wäre.


    Mehr fällt mir ad hoc auch nicht ein dazu. Vielleicht ist der Absender auch namentlich heraus zu bekommen. Dann wäre ein Abgleich mit den Portofreiheitslisten sinnvoll.


    Beste Grüsse von bayern klassisch

  • P. S.


    Weil ich mich bei Sachsen nicht so gut auskenne:


    Der Brief kommt ja aus Altenburg - war oder galt denn Sachsen und Altenburg als ein ungeteiltes Postgebiet? Gab es vielleicht Portofreiheiten innerhalb Altenburgs, die in und nach Sachsen nicht galten?


    Bei Briefen von Bayern an den Prinzen Moritz von Sachsen - Altenburg hatten die Annahmebeamten so ihre Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Postvereinsvertrages. Mal setzte man die Portotaxe an, mal nicht.


    Von Österreich her kenne ich die Vorschrift, dass Briefe an portobegünstigte Personen von nicht portobegünstigten Personen mit der Hälfte der treffenden Taxe zu frankieren waren. Beim Empfänger dieses Briefes scheint das ja auszuscheiden, aber bei anderen Briefen könnte es, eine Parallelvorschrift in Sachsen/Altenburg vorausgesetzt, vielleicht Sinn gemacht haben.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bayern klassisch,


    die Idee mit der "ehemaligen Portofreiheit" klingt nicht schlecht. Das würde auch die vorkommenden Portobriefe erklären.


    Leider hat der Vorbesitzer des Faltbriefes dessen Umfang soweit reduziert, daß sich der Absender nicht mehr ermitteln läßt.


    Danke für die prompte Antwort.


    Beste Grüße
    Altsax

  • Zitat

    Original von bayern klassisch
    Der Brief kommt ja aus Altenburg - war oder galt denn Sachsen und Altenburg als ein ungeteiltes Postgebiet? Gab es vielleicht Portofreiheiten innerhalb Altenburgs, die in und nach Sachsen nicht galten?


    Hallo bayern klassisch,


    Das Herzogtum Sachsen - Altenburg gehörte ab 1.8.1847 zum "Königlich Sächsischen Postbezirk" und galt insofern ausdrücklich als "Inland". Alle sächsischen Taxvorschriften galten von diesem Zeitpunkt an auch in und für S.-Altenburg.


    Hinsichtlich der Portofreiheit galt die Bestimmung, daß die betreffenden Briefe mit einem "der Postanstalt des Absendeortes bekannten Siegel" verschlossen zu sein hatten. Auf der Adresse soll "an Stelle der Frankaturbemerkung" das "Sonnenzeichen (Kreis mit Punkt in der Mitte)" beigefügt sein.


    Beste Grüße


    Altsax