Bayr. Postscheine und Co.

  • Der gezeigte Postschein von Hof ist ziemlich "& Co".


    Er stammt vom Grenzpostamt Hof, das in den Jahren 1703 bis 1799 der Reichspost und der sächsischen Post gemeinsam unterstand.


    Mich würden Abbildungen weiterer Scheine aus Hof aus diesem Zeitraum interessieren. Angeblich existiert eine größere Spezialsammlung zu diesem Thema. Vielleicht läßt sich Kontakt zu diesem Sammler herstellen.


    Auf entsprechende Hilfe hofft


    Altsax

  • soaha


    Für heute möchte ich mal 2 Möglichkeiten zeigen, die auf den ersten Postschein von Luitpold zutreffen könnten:


    1) PS von Winnweiler (Pfalz) für einen Brief nach Ludwigshafen vom 10.12.1858. Der Absender glaubte, dass 6 Kr. für Chargé und 3 Kr. für den Brief innerhalb der Pfalz ausreichen würde. Der Brief war aber schwerer, so dass er "Franco fl. 3 kr. noch Zutax" kostete. Wieviel wissen wir nicht. Da der Expeditor zuerst seine 6 Kr. für den Schein haben wollte, wurde der diesem PS zugrunde liegende Chargébrief vorsätzlich mit 3 Kr. unterfrankiert abspediert.


    Den Schein habe ich vor 15 Jahren in einem Lot von 150 PS gefunden - und musste sie alle kaufen, um ihn zu bekommen. Einen zweiten habe ich bisher noch nicht gesehen.


    2) Eine Ausstellungsseite zeigt eine Parteisache der k. Filial Bank in Würzburg an die katholische Kirchenverwaltung in Hemmersheim bei Aub vom 4.5.1851. Die Bank wollte und brauchte kein Franko zu entrichten, musste aber wegen des Inhalts den Brief einschreiben lassen (Schein für die Akten benötigt nach der Geschäftsordnung für die Kanzlei).
    Die 6 Kr. für den Schein musste man zahlen, aber das Postporto von 6 Kr. durfte der Empfänger berappen.


    Weitere folgen in den nächsten Tagen.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Erdinger


    Das ist ein Klasse - Stück. Auch eine Quittung kann (mich) begeistern. Ich mag solche Sachen sogar aus der Pfennigzeit, die ich gar nicht sammle.


    Nun aber mal etwas fürs Auge:


    Ein PS aus Weiden ist immer dann eine Augenweide, wenn er einen Reichtspoststempel von 1795 trägt, aber aus dem Jahr 1865 stammt!


    Die Qualität des Stempelabschlags nach gut 70 Jahren ist hervorragend, was auf das Material des Stempels selbst und auf die relativ geringe Benutzung hindeutet.


    Der 2. PS, den ich heute vorstellen möchte, zeigt, wie schlampig man in München mal wieder arbeitete - sogar am Chargéschalter.


    Dort wurde am 31.August 1850 ein alter Schein genommen, der noch die Scheingebühr von 4 Kr. aufwies, die bis zum 30.6.1850 galt. Mit dem Postverein wurde sie ja (auf Wunsch Preußens) auf 6 Kr. bzw. 2 Sgr. erhöht (was Preußen bei den bayer. Postlern sehr beliebt machte, denn nun kamen ja 2 Kr. mehr pro Schein in die eigene Kasse).


    Herr Zieglwald strich die falschen 4 Kr. nicht einmal durch, sondern notierte nur lapidar 6 Kr. als Endbetrag für einen Brief an Herrn von Bruch in Wien, den der Absender schon frankiert hatte.


    Auch das war falsch, denn ungeachtet dessen, was der Absender schon zuvor an Marken auf den Brief geklebt hatte, musste immer das komplette Franko notiert werden. Wie oft dies falsch gemacht wurde, möchte ich gar nicht wissen ...


    Obwohl der Zweikreisstempel nur am Chargéschalter geführt wurde, und Chargébriefe von München keine Weltraritäten sind, ist dieser Stempel nicht so häufig, wie man annehmen könnte und wird auch gut bezahlt.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Jørgen!


    Zitat

    War dieser Schein nicht grösser?


    Meinst du die eigentliche Postanweisung? Die blieb im Amt.
    Der Kunde bekam als Beleg diese Vordruckzettel ausgehändigt. Die findet man wenigstens gelegentlich, weil sie von vorausschauenden Menschen in Akten abgelegt wurden, wo sie dann Sammler finden können ...


    Interessant sind auch diese beiden Zettel. Ich habe sie auf der letzten Münchner Messe von einer bekannten Bayernprüferin erworben. Sie hat offensichtlich ein größeres Konvolut von Postscheinen aus Erdinger Provenienz aufgelöst, leider geht die Herkunft aus diesen beiden Zetteln selbst nicht hervor. Der Familienname des Postboten (Dasch, bzw. mit Dehnungs-"E" Daesch) ist allerdings in unserer Gegend belegbar.


    Viele Grüße vom
    Erdinger

  • Hallo Jörgen,


    nein, diese Scheine waren nicht grösser - nur in der Kreuzerzeit waren sie so groß wie hier abgebildet. Trotzdem sind sie graphisch recht gelungen, werden aber kaum gesammelt. Schade eigentlich.


    Dein Fahrpostschein an Hummel nach Pocking entstammt einer grösseren Korrespondenz, die dort komplett erhalten geblieben ist.


    "Leider" hat er den Ortseindruck, was viele Sammler nicht so gerne sehen. Die allermeisten mögen Stempel an der Stelle, wo Eichstätt steht. Man kann aber nicht alles haben.


    Liebe Grüsse und Danke fürs Zeigen sagt bayern klassisch (zeigst du uns mal einen alten Postschein von Bayern für eine Sendung nach Dänemark oder vice versa?)

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch ()

  • Und weil's so schön war, hier noch ein Fahrpost-Aufgabeschein von Erding, aus dem Jahr 1868, an den "erzbischöflichen Korbiniansverein" in München, der Geld für das Priesterseminar und zur finanziellen Unterstützung von Priesteranwärtern sammelt (noch heute). Weil es ein Dienstbrief war, steht unter "Franco" nur das Kürzel "RS" für "Regierungssache".
    Normalerweise trug der hiesige Expeditor den Ortsnamen handschriftlich ein, aber 1868/69 gab es den hier gezeigten Stempel. Vor einigen Jahren ist bei Deider ein Schein versteigert worden, der zusätzlich den Halbkreiser Typ 12 b trug - leider habe ich damals nicht "hier" schreien können.


    Viele Grüße vom
    Erdinger

  • Lieber Erdinger,


    der Schein damals war von mir - jetzt habe ich doch ein schlechtes Gewissen.


    Den nächsten, den ich finde, vermache ich dir!


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Heute stelle ich mal 2 PS vor, die nicht ganz so üblich sind:


    1) Unlängst erst erworben, habe ich immer noch ein Problem mit einer ausgewiesenen Gebühr.


    Es ist ein PS aus Velburg vom 30.12.1874 für einen einfachen, eingeschriebenen Brief. Das Franko betrug 3 Kr., die Chargégebühr 7 Kr., und damit wäre die Sache erledigt. Der Expeditor hatte aber noch "2 Kr. Zustellgebühr" kassiert und kam somit auf die Summe von 12 Kr..


    Leider kann ich mit 2 Kr. Zustellgebühr nichts anfangen. Hat jemand eine Idee?


    2) Ein Traumstück aus München ist der PS vom 1.11.1861 mit dem auf Postscheinen seltenen Kastenstempel in Kombination mit dem lila Chargé - Stempel. Eigentlich hätte er "Brief", oder die oft genutzte Abkürzung "Bf" schreiben sollen - der Chargé - Stempel sieht aber doch viel besser aus.


    Wer die Geduld eines Engels hat und über enormes Material verfügt, kann mal unter seinen PS nachsehen, ob er eine eingeschriebene Drucksache findet. Ich wäre daran interessiert ...


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo Lickle,


    bis 18?? mussten Wertbriefe offen am Postschalter aufgeliefert werden. Der Postler schaute dann, ob de "declarirte Werth" zutreffend war und verschloss den Brief amtlich. Das war gebührenpflichtig.


    Liebe Grüsse von bayern klassisch, der keine Fahrpost sammelt und daher das genaue Datum nicht mehr kennt ...

  • Hallo
    Erdinger, Nein ich meine nicht die eigenliche Postanweisungen. Ich meine dieser Quittungen.
    @bayern klassich, Ich habe keine Scheine für Sendungen nach Dänemark oder umkehrt. Ganz bestimmt wenn ich eine finden dann schaue ich das sofort.
    Viel Grüss aus einen sehr sonnigen und heise Tag hier in Dänemark
    Jørgen

  • Hallo soaha,


    ich darf das Kompliment weitergeben - deiner ist allererste Sahne und kein Deut schlechter.


    Wenn ich Zeit habe, stelle ich wieder etwas ein. Wer hätte gedacht, dass dieses Thema so viel bieten würde?


    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Hallo bayern klassisch,


    danke! für die Wörter.


    Wer weiss noch was es zu bieten hat.
    Vieleicht sollten wir die Forschung über die Postscheine weiterführen.


    Mit lieben sammlerischen Grüssen
    soaha

  • Es versteht sich von selbst, dass 2 Scheine für eine Sendung, nämlich der Postschein mit dem dazugehörigen Rückschein, nur noch in wenigen Fällen anzutreffen sind.


    Am 24.5.1851 gab der k. Advokat Elsner in Bamberg ein Schreiben auf. Hierfür wurde ihm der Posteinlieferungsschein für 6 Kr. ausgestellt, der 3 Monate gültig war. Nur in dieser Zeit wäre eine Reklamation möglich gewesen.


    Der Empfänger in Cronach musste den Post - Liefer - Schein, die amtliche Form des Rückscheins, eigenhändig unterschreiben, was er am 25.5 auch tat.
    Er war quittiert umgehend an die Post in Bamberg zurück zu senden und traf dort am 26.5. ein.


    Wäre es nicht ein Fristsuspensionsgesuch gewesen, sondern ein normaler, eingeschriebener Privatbrief, so hätte man eine Retour - Recepisse versandt.


    Die Kosten waren aber ab dem 1.7.1850 gleich: Der Postschein kostete 6 Kr. und die Retour - Recepisse bzw. der Postlieferschein ebenso. Diese beiden vom Absender bezahlten Gebühren wurden, wie hier, auf dem Postschein unten links mit "12" Kreuzern vermerkt.


    Für die Pfälzer im Forum zeige ich mal einen Postlieferschein aus Mutterstadt vom 2.10.1858, der in Speyer am Folgetag quittiert und zurück gesandt wurde. Da alle Retour - Recepissen bzw. Lieferscheine selbst unter Rekommandation liefen, hatten sie auch eine eigene Reko - Nummer und wurden, wie hier, gelegentlich mit dem Chargéstempel innen und außen versehen. Schlechter macht es das sicher nicht.


    Beste Grüsse von bayern klassisch

  • Zu den begehrenswertesten Scheinen gehören immer jene, die Postsonderdienste ausweisen. Je nach Seltenheit des Sonderdienstes, werden auch die Preise nach oben angeglichen.


    Ein paar davon möchte ich mal vorstellen:


    1) Am 6.5.1864 wünschte man in Würzburg einen eingeschriebenen Brief mit Retourrecepisse zu versenden. Da für RR keine eigene Gebühr auf den Scheinen eingedruckt war, kam so mancher Postler ins Schleudern, denn leicht konnte man diese Gebühr in der Addition vergessen. Auch hier hat man zuerst nur 6 Kr. Franko und 6 Kr. Scheingebühr zu 12 Kr. addiert, ehe man mit den weiteren 6 Kr. für den Rückschein 18 Kr. korrekt quittierte.


    So selten Scheine mit RR sind, so selten sind Briefe damit.


    2) Am 19.3.1865 sandte man in Bamberg ein bemerkenswertes Schreiben ab.


    Ausweislich des PS kostete es innerbayerisch satte 30 Kr.. Es war ein Brief in der 3. Gewichtsstufe, also 3 mal 6 Kr. Franko, plus die Chargégebühr von 6 Kr. und ein Postlieferschein, also das Äquvalent einer Retourrecepisse für Behörden, der ebenso 6 Kr. kostete. Einen solchen Brief hätte ich lieber heute als morgen in meiner Sammlung.


    Man kann sich leicht ausmalen, was eine Nr. 13a auf Chargébrief innerbayerisch mit Lieferschein kosten würde ...


    3) Am 18.8.1866 ging ein Expreßbrief von München nach Tutzing an den Starnberger See. Es war ein Brief über 1 bis 15 Loth, der 6 Kr. Franko kostete, plus die 6 Kr. Chargégebühr und 9 Kr. für den Expressboten in Tutzing.


    Auch hier wäre der Brief mit 21 Kr. eine Granate, selbst wenn er nur 2 billige 3 Kr. rot aufweisen könnte.


    Beste Grüsse von bayern klassisch