Die Fälscherwerkstatt im KZ

  • Erste Klappe für Kinofilm in Wien / Dreharbeiten werden in Babelsberg fortgesetzt


    Potsdam/Wien (dpa) • Es war die größte Fälscheraktion der Geschichte: Auf Geheiß der Nazi-Spitze mussten Häftlinge zwischen 1942 und 1945 im KZ Sachsenhausen Millionen falsche englische Pfund-Noten, englische Briefmarken und einige Dollars herstellen. Und das unter ständiger Todesdrohung. Über die Fälscherwerkstatt wird jetzt ein Kinofilm gedreht - die erste Klappe fiel am Dienstag in Wien. "Ab Anfang April wird im Studio Babelsberg gedreht", sagte der Geschäftsführer der koproduzierenden Studio Babelsberg Motion Pictures GmbH, Henning Molfenter.


    "Der Fälscher" basiert auf den Erinnerungen des KZ-Häftlings Adolf Burger, der als Typograf wie 144 jüdische Gefangene zur Beteilung an dem "Unternehmen Bernhard" gezwungen worden war – als "Geheimnisträger" wurden sie abgeschottet vom übrigen Lager. Mit den "Blüten" wollten die Nazis Edelsteine und Devisen kaufen, aber auch durch massives Verbreiten der Falsifikate die Währung etwa in England destabilisieren.


    Im Mittelpunkt des Films steht der Konflikt zwischen Salomon Sorowitsch (Karl Markovics), dem Ganoven und Gigolo, und Adolf Burger (August Diehl). Die Schrecken des KZ – so die Produktionsfirma magnolia Film (Hamburg) – erleben die beiden im Fälscherkommando nur mittelbar. Denn in ihren Baracken gebe es saubere Arbeitsräume mit Musikberieselung und gutes Essen. Während Sorowitsch wegschaue und sich mit dem Regime arrangiere, beginne Burger, die Arbeit zu sabotieren. "Es entbrennt ein Kampf Ideale gegen Pragmatismus", heißt es in der Filmbeschreibung.



    "Die eigene Seele retten"


    "In der Fälscherwerkstatt, dieser grotesken Ferienlager-Version eines KZ, geht es plötzlich nicht mehr darum, Leib und Leben zu retten, sondern die eigene Seele – und um wie viel schwieriger das ist, muss auch unsere Hauptfigur erfahren", sagt Regisseur Stefan Ruzowitzky ("Anatomie").


    Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, betont: "Es handelt sich um einen Spielfilm, der nicht auf die Abbildung der historischen Wirklichkeit zielt." Der Stiftung sei vor kurzem das Drehbuch zugesandt worden – "und bei einigen aus unserer Sicht doch problematischen Szenen haben wir das auch angemerkt."


    Für die bis Anfang Mai terminierten Dreharbeiten in Wien, Monte Carlo und Potsdam entstehen im Studio Babelsberg nach Auskunft von Molfenter derzeit mehrere KZ-Baracken. Ein Dreh am Originalschauplatz in der Gedenkstätte Sachsenhausen wäre für ihn nicht in Frage gekommen. "Schon aus Achtung vor den Opfern nicht."


    Der 1917 geborene und heute in Prag lebende Adolf Burger hat nach Auskunft von Produzentin Babette Schröder zugesagt, zu den Dreharbeiten nach Potsdam zu kommen.



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