Einstieg in USA Klassik- Wie anfangen?

  • Ich habe vor einiger Zeit ein Vordruck-Album der USA mit folgenden Inhalt bekommen: Klassik 1857-1893, Official Stamps; Parcel Post Stamps; Newspaper Stamps; Hunting (Duck) Stamps. Nebenbei habe ich noch ein altes Einsteckalbum mit alten USA-Marken und konnte bereits ein "paar" Lücken dort füllen. Doch viele der alten Marken fehlen noch....


    Desweiteren habe ich noch lose Marken der vielen Präsidentenserien der Jahre 1902/08 ; 1922, 1932, 1938/39 in einen Einsteckbuch.


    Um mich über die Marken zu informieren, habe ich einen MIchel-USA Katalog von 1992 (Danke an Christine [Blockierte Grafik: ]) bekommen.


    Mir scheint es dass nach dem Michel der Aufbau viel einfacher ist als nach dem Scottsystem. Also dachte ich an ein Einsteckbuch mit den Marken ab 1894, mit den schönen Einsteckzettelchen.


    Ich habe gemerkt das von den Washington/Franklin-Ausgaben eine fast unüberschaubare Menge an Arten existiert. Gibt es irgendwo eine Art Wegweiser für die Bestimmung der Marken (Wie z.b. der 5-Jahresplanwegweiser von Lumpus2000)?


    Was könnt ihr mir (und für andere) hier für Tipps und Tricks geben, um in das Gebiet USA Klassik in kleinen Schritten einfach einzusteigen? 8)


    Grüße Brauni :)

    :cool: Sei wie eine Briefmarke: Halte dich an irgendwas fest, bis du am Ziel bist.
    (Josh Billings, amerik. Schriftsteller, 1818-1885)

    Einmal editiert, zuletzt von Braunbear ()

  • Das ist aber ein sehr grosses Gebiet, was es zu beackern gibt..
    Erst mal einige einfache Gedanken:


    a) Klasische Ausgaben = mucho, muuuuucho Denaro :( Das kann ganz teuer werden, wenn man in die Gegend von vollständige Sammlung gehen will.


    b) Wo kaufen? Für USA Marken gilt, dass sie je teurer angeboten werden, je weiter weg man von amerikanischem Boden kauft. In Europa sind amerikanische Marken wesentlich teurer als in den Staaten (sieht man auch an den Preisen auf der deutschen ebay-site, wo manchmal jeder Ramsch zu überhöhten Preisen angeboten wird). Am besten sieht man sich die zahllosen Auktionen an und die erzielten Preise, wie sie zB auf gelistet werden. Im Allgemeinen kann man bei kleineren Auktionshäusern (zB Schiff) gute Ware deutlich unter dem Katalogwert erhalten wenn man die Geduld hat.


    c) Englisch können. Ohne Englischkenntnisse ist man praktisch gezwungen, sich ausserhalb den USA umzusehen, dann folgt automatisch b).


    d) Qualität der Marken.
    Für die Qualität gelten relativ einfache Regeln (nebst den üblichen Merkmalen wie vollständige Zähnung etc). Das Bild der Marken sollte gut zentriert sein, auf keinen Fall sollte das Design die Zähnung berühren. In den letzten Monaten breitet sich leider eine extreme Unsitte aus, die "Graded stamps". Das sind Marken, deren Zentrierung mittels Computer bestimmt werden. Eine an sich gewöhnliche Marke, die perfekt zentriert ist, geht schonmal für das tausendfache ihres Katalogwertes über den Tisch! Da muss jeder selbst entscheiden, ober da mitmachen will (aber es gibt diese Spinner immer noch, die 200-300 Euro für eine "perfekte" 10c Marke zahlen). Amerikanische Sammler (zumindest diejenigen, die ich kenne) mögen es überhaupt nicht, wenn Prüfsiegel auf der Rückseite der Marke angebracht sind.



    Anbei noch einige Bemerkungen zu den einzelnen Gebieten:


    1. Newspaper-Marken
    Bekannt sind die grossen Zeitungs-Marken aus ebay, die leider fast immer Fälschungen sind. Auch sonst ist vieles Zweifellhaft, also sollte man über Händler und Auktionen gehen.


    2. Duck stamps
    Wenn man nur postfrische Einzelmarken sammeln will, geht das über ebay gut. Wenn man auch noch Plate-Blocks und Press-sheets will, nur über Händler und deren online-Auktionen (zB Bob Dumaine,S. Houston). Kostet aber ein Vermögen.


    3. Washington-Franklins
    Hier gibt es "das" Buch von Larry Weiss, hier zwei Links


    W-F Marken werden immer tonnenweise auf jeder Aktion angeboten, da wird man sein Geld ohne Mühe los..

  • Danke für deine ausführliche Antwort drkohler,


    Zu. A) Ja das stimmt, es könnte teuer werden. Mit etwas Glück kann man was für wenig Geld finden.


    Zu. B.) Auf Ebay.com gibt es viele schöne Angebote. Habe aber bezüglich Auslandskauf noch keine Erfahrungen. Du hast recht dass auf der deutschen Ebayseite die Angebote nicht so toll sind wegen der hohen Preise. Ab und zu vergleiche ich die Endpreise für was die weggehen. Mit Auktionshäusern habe ich auch noch keine Erfahrungen.


    Zu C) Mein Englisch hält sich in Grenzen, nicht perfekt aber den Großteil kann ich verstehen beim Lesen.


    Zu D) Sehr guter Tipp, ich werde wohl meine Marken umsortieren müssen, und die besten Zentrierten heraussuchen. Sehr verzähnte Marken können aber auch sammelwürdig sein.


    Zu 1. Die Newspapers sind fälschungsgefärdet? Das habe ich nicht gewusst.


    Zu. 2. Bei Ebay USA konnte ich schöne Entenmarken entdecken. aber alle Verkaufen diese nur einzelnd.


    Zu 3. Sehr gute Infoseite, habe ich gleich mal gespeichert. Da werde ich wohl etwas Studium gebrauchen um dies zu verstehen. :)


    Wer weitere Tipps und Vorschläge hat, bitte schreiben. :D

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    (Josh Billings, amerik. Schriftsteller, 1818-1885)

  • Braunbaer,


    wenn Du USA sammeln möchtest dann wäre das doch ein prima Grund auch gleich die Sprachkenntnisse zu vertiefen.
    Ich gebe meinem Vorschreiber recht, USA sammle ohne die Sprache zu sprechen ist schwierig..., trotz einer ARGE USA im BDPh.

    Tibet, Nepal-Klassische Ausgaben, Irak-Eisenbahnmarken 1928-1942, Irak-Zwangszuschlagsmarken Hochwasser 1967, Overland Mail Baghdad-Haifa, SCADTA-Provisorische Einschreibmarken der Ausgabe 1921 & 1923, Kolumbien- Halbamtliche Ausgaben

  • Zu. B.) Auf Ebay.com gibt es viele schöne Angebote. Habe aber bezüglich Auslandskauf noch keine Erfahrungen.


    Da ich speziell amerikanische Markenheftchen sammle, habe ich schon einige ebqay.com Käufe getätigt und das Alles ohne Probleme (ausser das 99% aller Lose ungenügend beschrieben sind für den Spezialisten). Allerdings hat die amerikanische Post kürzlich die Preise massiv erhöht für gewisse Dienstleistungen, und auch ebay zickt im Moment massiv rum wegen Paypal etc. Viele professionelle Anbieter auf ebay wandern langsam (oder eher schneller) ab auf , andere Anbieter weigern sich ins Ausland zu verschicken oder versuchen an den Versandgebühren zu drehen..


    Zu D) Sehr guter Tipp, ich werde wohl meine Marken umsortieren müssen, und die besten Zentrierten heraussuchen. Sehr verzähnte Marken können aber auch sammelwürdig sein.


    Das ist dann das Gebiet der EFO's (Error,Freaks and Oddities), auch hier kann man auf kleineren Auktionen gute Schnäppchen machen.


    Zu 1. Die Newspapers sind fälschungsgefärdet? Das habe ich nicht gewusst.


    Die Newspapermarken wurden eingeführt, damit die Packen von Zeitungen besteuert werden konnten. Die Designs sind relativ simpel. Vermutlich sind die Meisten der vielen Fälschungen kontemporär produziert worden (man kann spekulieren, dass der eine oder andere windige Zeitungsverleger zur Steuerersparniss nicht nur Zeitungen, sondern auch noch gleich die Marken gedruckt hatte, denn die Drucktechnik und die Graveure hatten sie ja sowieso im Haus. Zu der Zeit hatten die Zeitungen ja keine Photos drin, sondern gravierte Illustrationen, die wesentlich schwieriger herzustellen waren als die einfachen Markenbilder).



    Grundsätzlich ist es so, dass auch im amerikanischen Markt die Anzahl der Sammler eher kleiner wird und deshalb die Menge an angebotenem Material zunimmt. Das führt einerseits dazu, dass man für "normales" Material günstiger zum Zuge kommt, um das Spitzenmaterial wird aber heftigst gekämpft mit entsprechenden Folgen für die Preise.


    Im Weiteren darf man nie vergessen, das die USA ein riesiges Land sind und auch die frühen Ausgaben schon in grossen Auflagen gedruckt wurden. Selbst von den Erstausgaben sind genügende Mengen im Umlauf. Gerade auf ebay.de wird bei alten Marken of mit "selten" und "rar" argumentiert (scheinen die meistgebrauchten Worte zu sein), was (fast) immer falsch ist.

  • Braunbear :


    - da bekommst Du einen Überblick, was Du im Begriff bist, Dir an zu tun. USA-Klassik ist ein hochkomplexes Gebiet, das nach Scott und nicht nach Michel gesammelt wird. Dazu sehr stark fälschungsgefährdet. Und die US-Qualitätseinstufungen haben nur wenig mit den üblichen deutschen zu tun, da kann man bei eBay.com schön reinfallen.


    Mein Rat:


    1. Sprache beherrschen, um die Literatur lesen und verstehen zu können
    2. Literatur besorgen (und davon gibt es eine Menge)
    3. Sich dann die Sache gut überlegen


    Das oben gesagte gilt nur, wenn Du Geld für US-Marken ausgeben willst.

  • Zitat

    Original von klassikmarke
    @ drkohler:
    bei den von Dir angesprochenen Graded stamps beziehst Du Dich auf ein Computerprogramm , welches zur Klassifizierung benutzt wird. Weißt Du welches es ist ?
    :P :P :P

    Ich weiss nicht welche Software die Händler benutzen (oder ob es überhaupt eine "Standardsoftware" dazu gibt), die auf der Grading-Welle herumreiten. Ein relativ günstiges kommerzielles Programm ist zB auf zu finden. Wer etwas Programmierkenntnisse hat, kann sich die Software auch selber schreiben. Kurioserweise gibt es sogar ein Patent drauf (US Patent 5018207).
    Man muss im Prinzip immer erst die Marke hochaufgelöst einscannen und dann "die Ränder abmessen", was man wahrscheinlich auch mit einem besseren Grafikprogramm erledigen kann.


    Es gibt anscheinend sogar Vorschriften, wie eine Marke mit Grade 100 auszusehen hat. Anscheinend kann eine unperforierte Marke nur den Grade 100 erreichen, wenn rund um die Marke herum kleine Stücke der 8 umliegenden Marken zu sehen sind. Das hat schon zu grossen Unmutsäuserungen in der Sammlergemeinde geführt, weil offenbar erste Idioten solche Marke erzeugt haben, indem sie aus Bögen/Grossteile von Bögen von unperforierten Marken solche "Gems" herausgeschnitten haben (und somit von 9 Marken 8 ruiniert haben..)

  • Zitat

    Original von drkohler
    Es gibt anscheinend sogar Vorschriften, wie eine Marke mit Grade 100 auszusehen hat. Anscheinend kann eine unperforierte Marke nur den Grade 100 erreichen, wenn rund um die Marke herum kleine Stücke der 8 umliegenden Marken zu sehen sind. Das hat schon zu grossen Unmutsäuserungen in der Sammlergemeinde geführt, weil offenbar erste Idioten solche Marke erzeugt haben, indem sie aus Bögen/Grossteile von Bögen von unperforierten Marken solche "Gems" herausgeschnitten haben (und somit von 9 Marken 8 ruiniert haben..)


    Da fällt mir nur der alte Spruch ein "Die spinnen, die Amis"..., was nun aber nur auf das obige Zitat anzuwenden ist.

    Tibet, Nepal-Klassische Ausgaben, Irak-Eisenbahnmarken 1928-1942, Irak-Zwangszuschlagsmarken Hochwasser 1967, Overland Mail Baghdad-Haifa, SCADTA-Provisorische Einschreibmarken der Ausgabe 1921 & 1923, Kolumbien- Halbamtliche Ausgaben


  • Ich finde die Preise im Link sind sehr überzogen teuer, aber man sieht wie es bei denen "da drüben" aussieht.


    Meine älteste Marke ist die Scott-Nummer 136 3c Washinton ohne Waffeleindruck von 1870. Alles was davor ist, habe ich noch nicht.


    Mittlerweile bin ich der der Markenserie 1894-1895-1897 angekommen und mit der Identifizierung habe ich bisher keine Probleme gehabt. :) Einige Marken haben leider nur schlechte Qualität und dienen vorerst nur als Platzhalter! :unsicher:

  • Zitat

    Original von Braunbear
    Ich finde die Preise im Link sind sehr überzogen teuer, aber man sieht wie es bei denen "da drüben" aussieht.




    Mittlerweile bin ich der der Markenserie 1894-1895-1897 angekommen und mit der Identifizierung habe ich bisher keine Probleme gehabt. :) Einige Marken haben leider nur schlechte Qualität und dienen vorerst nur als Platzhalter! :unsicher:

    Der Link spricht deutlich aus, was für ein Unsinn diese Gradingmanie ist. Es gibt noch beliebige Mengen gleich guter Marken wie die abgebildeten, die einfach nicht gegraded wurden. Das ganze System wurde von einer Gruppe von Abzockerhändlern aufgebaut um schnell Kohle zu machen. Ich denke in spätestens 3-4 Jahren bricht das System zusammen. Man sollte sich von diesen Abzockerpreisen nicht beeinflussen lassen. Es gibt schon die Spinner, die solxhe Marken kaufen und damit angeben wollen, aber der Grossteil der Sammler schüttelt nur den Kopf darüber.


    Zum obigen Abbild: Wahrscheinlich etwas zu brutal ausgedrückt, aber keine der Marken auf dem Blatt sind aufbewahrungswürdig (bis evtl. die Erste). Alle Marken sind entweder/und schlecht zentriert, Randstücke, zu stark gestempelt, Zähnungsprobleme etc, etc. Gerade von dieser Serie weden haufenweise bessere Exemplare auf kelineren Auktionen angeboten.

  • drkohler :


    Danke für die schnelle Antwort, event. probiere ich das mal mit dem scanner Programm.


    Ich finde dennoch, das sich hier, mal abgesehen von den hohen Preisen, ein Trend zu Qualität auch in den USA bemerkbar macht, das kann nur gut sein. 100 punktige Marken sind so häufig auch nicht anzutreffen, hier sind hohe Preise auch gerechtfertigt, die vom gezeigtem Händler sind dennoch überzogen. Ich finde dieses Thema aber hochinteressant.

  • Zitat

    Original von klassikmarke
    drkohler :


    Danke für die schnelle Antwort, event. probiere ich das mal mit dem scanner Programm.


    Ich finde dennoch, das sich hier, mal abgesehen von den hohen Preisen, ein Trend zu Qualität auch in den USA bemerkbar macht, das kann nur gut sein. 100 punktige Marken sind so häufig auch nicht anzutreffen, hier sind hohe Preise auch gerechtfertigt, die vom gezeigtem Händler sind dennoch überzogen. Ich finde dieses Thema aber hochinteressant.

    Man muss das Ganze abtrennen zwischen den klassischen Ausgaben und dem modernen Material. Sehr gut zentrierte klassische Briefmarken haben immer enorm viel höhere Preise erzielt als der (Scott-)Katalog angibt. Das ist nicht verwunderlich, denn die klassischen Marken wurden "sehr eng beieinander gedruckt", die Chance, eine vollrandige Marke zu finden waren schon immer sehr klein, meistens berührt zumindest eine Zähnungsreihe/Spalte das Design. Anders ist das bei den moderneren US-Marken. Hier werden (im Moment noch?) Spinnerpreise verlangt und gezahlt für hoch gegradete Marken. Wer sich allerdings mal ein paar ganze Bögen angeschaut hat, sieht dass die Markendesigns meist nicht alle gleich zentriert sind. Die typischerweise 50 Marken auf einem Bogen "wandern etwas herum" von Zeile zu Zeile und/oder Spalte zu Spalte (wahrscheinlich wegen unterschiedlichem Papierschwund beim Antrocknen vor der Perforation der Bögen). So findet man in vielen Bögen eine Marke oder eine ganze Reihe/Spalte von Marken, die sehr gut zentriert sind. Und weil von der durchschnittlichen modernen Marke Millionen von Bögen hergestellt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass noch grosse Mengen von (noch nicht-)gegradeten Marken vorhanden sind. Leute, die heute $100-$200 für eine Marke hinblättern mit einem Katalogwert von 50c werden vermutlich in ein paar Jahren äusserst unangenehm überrascht werden, wenn Sie glauben, den gleichen Preis beim Verkauf ihres hochgepuschten modernen Materials erzielen zu können.

  • Für die Sammler von US- Duckstamps gibts dieses Jahr ein besonderes Zückerchen: Auf der Marke sollte eigentlich die Telefonnummer der Stamp Fulfillment Services stehen. Wegen eines Vertauschers zweier Ziffern endet man allerdings auf einer Porno-Hotline :D

  • Zitat

    Original von klassikmarke
    Hier mal eine interessante Betrachtung der graded stamps
    graded stamps ;)


    Ein Zeichen dafür wir krank dieses System ist. Die USA (und andere Länder auch) haben mehr zu bieten wie "graded Stamps", nur sind die nicht sehr Pressetauglich.


    Ich möchte noch mal den Beitrag von mir, der auch mit USA zu tun hat, in Erinnerung rufen, da kam selbst aus den USA nichts...

    Tibet, Nepal-Klassische Ausgaben, Irak-Eisenbahnmarken 1928-1942, Irak-Zwangszuschlagsmarken Hochwasser 1967, Overland Mail Baghdad-Haifa, SCADTA-Provisorische Einschreibmarken der Ausgabe 1921 & 1923, Kolumbien- Halbamtliche Ausgaben