Selbst in der Antarktis wird frankiert

  • Großtauschtag des Wiesbadener Briefmarkensammlervereins / Raritäten aus der ganzen Welt


    WIESBADEN Über 100 Jahre alt ist der Wiesbadener Briefmarkensammlerverein - 1885 wurde er gegründet, 36 Jahre, nachdem in Deutschland die ersten Briefmarken eingeführt wurden. Bis heute erliegen Sammler der Faszination der kleinen Bildchen, tauschen sich untereinander aus.


    Tauschbörsen und Auktionen seien die wichtigsten Möglichkeiten, an neue Schätze zu kommen, erklärt Peter Heck, der den jüngsten "Großtauschtag" des Vereins im Erbenheimer Bürgerhaus organisiert hatte. Zweimal im Jahr veranstaltet der Verein einen solchen Tag, an dem die Mitglieder ihre Sammlungen präsentieren und ihre Dubletten anderen Interessierten zum Tausch anbieten.


    Auch aus der weiteren Umgebung waren Sammler erschienen, die diese Möglichkeit nutzen wollten. Und da prangten sogar auf den Krawatten der Gäste bunte Briefmarken. "Die meisten Menschen haben doch irgendeinen Sammeltrieb", sagt Vereinsmitglied Manfred Blos, der zugibt, schon als Junge Steine und Muscheln gehortet zu haben. Bei den Briefmarken ist er dann hängen geblieben und hat sich nun besonders auf das Gebiet "Österreichische Post im Heiligen Land" spezialisiert. Seine Pretiosen hat er zur Ansicht ausgestellt, hier konnte man viel über das Jerusalem vergangener Jahrhunderte erfahren. "Denn Briefmarkensammeln bedeutet nicht nur, mit Lupe, Pinzette und Album zu hantieren, sondern auch, sich mit Geschichte und Geographie zu beschäftigen, zu recherchieren und dabei vieles dazuzulernen", betont Heck.


    Das beweist auch die Sammlung von Bernfried Giebel, dessen Liebe den sehr bunten und originell gestalteten Marken aus Australien und der Südsee gehört. Chinesische Horoskopzeichen, dekorative Früchte und andere Miniaturbilder sind auf den Postwertzeichen zu finden. Sogar aus der Antarktis habe er schon Briefmarken gesehen, sagt Giebel. Der Weg, an solche seltenen Stücke heranzukommen, ist manchmal sehr kompliziert. Auf den Tauschbörsen haben aber viele Sammler die Chance, zu finden, was sie schon lange suchen. Und so sah man viele mit den dicken "Michel"-Katalogen umherschlendern und die Kästen und Alben der Aussteller aufs Genaueste durchsuchen. Dabei waren nicht nur einzelne Marken, sondern auch komplette Briefe, Postkarten und Dokumente gefragt.


    "Dieses Hobby muss gar nicht teuer sein", meint Peter Heck, der gerne auch mehr jüngere Leute für das Briefmarkensammeln begeistern möchte. Zwei Jugendgruppen hat der Verein bereits. Doch in der Mehrzahl sieht man ältere Herren, Frauen kaum. Peter Hecks Ehefrau Michaela Wagner-Heck bildet da eine Ausnahme. Sie konnte mit ihrer aufwändig gestalteten Präsentation von Marken mit Giraffen-Motiven sogar schon Deutsche Meisterin werden.


    Den Motiven waren keinerlei Grenzen gesetzt - ob es Sondermarken mit Astronautenbildern aus Uganda, Marken des Dritten Reiches oder einfach Blumen- und Tierbilder waren, denen sich einzelne Sammler widmeten. "Meist spezialisiert man sich nach einer gewissen Zeit auf ein genau eingegrenztes Gebiet", erklärt Heck.


    Auch aus der so genannten "Vor-Philatelie" gab es am Tauschtag einiges zu entdecken, das heißt, Briefe aus den Zeiten, in denen noch gar nicht frankiert wurde. Einen Brief von 1760 konnte man da beispielsweise bewundern, ganz klein zusammengefaltet und kunstvoll in Schönschrift verfasst.


    Und auch aktuelle Dokumente werden schon von den Sammlern beachtet. Briefe mit Strichcode hatten manche ebenfalls ausliegen, und die Deutsche Post hatte einen Stand mit aktuellen Sondermarken und -stempeln aufgestellt. "Briefe mit schönen Marken sind schon wieder gefragt, denn diese haben einen ganz anderen Wiedererkennungswert als freigestempelte Post", sagt Heck, der deswegen dem Hobby Briefmarkensammeln noch Zukunft attestiert.


    Neue Philatelie-Interessenten sind dem Verein stets willkommen. Kontakt unter Telefon 40 46 66, Infos auch im Internet:




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