Ausstellung: Die WM-Teilnehmer im Briefmarkenformat

  • Eckenheim. Die Generalkonsulin von Mexiko, Anacelia Pérez Charles, war gekommen, ebenso wie der japanische Vizekonsul Daisuke Kiryo und der Konsul von Polen, Czeslaw Smalcerz. Gut zwei Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft wollten es sich die Diplomaten nicht nehmen lassen, ihr Heimatland bei der Eröffnungsfeier zur Jubiläums-Ausstellung „Immer am Ball – in Sport und Philatelie“, die der Briefmarkensammler-Verein (BSV) Frankfurt am Main-Nord anlässlich seines 50-jährigen Bestehens organisiert hat, zu vertreten.


    Rund 150 Besucher haben sich nach Schätzung von BSV-Sprecher Bodo von Kutzleben im Haus Ronneburg versammelt, um die in Schaukästen ausgestellten Briefmarken der 32 an der WM beteiligten Länder zu begutachten und einen Blick auf den überdimensionierten Fußball zu werfen, der in der Saalmitte über den Köpfen der Gäste thront.


    Als besondere Attraktion lockt die eigens eingerichtete Sonderpostfiliale an beiden Ausstellungstagen mit den ersten zwei Frankfurter WM-Sonderstempeln (wir berichteten). Die Nachfrage nach diesen und dem dritten Sonderstempel, der dem 1956 gegründeten BSV aus Anlass seines 50-jährigen Bestehens gewidmet ist, sei groß, sagt Postmitarbeiterin Rita Durschang, die im Akkord Schmuckkarten abstempelt. Besonders der von Horst Möller, dem Ehrenvorsitzenden des BSV entworfene Stempel, der einen Fußball mit der Aufschrift „WM 06“ zeigt, fände reißenden Absatz.


    Mit der Resonanz auf Ausstellung und Sonderstempel ist von Kutzleben denn auch zufrieden. Bereits vor drei Jahren, als der derzeit rund 80 Mitglieder zählende BSV mit der Planung der Jubiläumsfeierlichkeiten begonnen habe, sei die Idee entstanden, die ab Herbst vergangenen Jahres bekannten Teilnehmerländer vorzustellen. „Briefmarken sind ja nicht zuletzt kleine Botschafter ihres Landes.“ Wer die Marken betrachte, könne etwas über die Geografie, die Tierwelt oder bedeutende Persönlichkeiten und historische Ereignisse des Herkunftslandes erfahren. Die vom Verein angeschriebenen Botschaften und Konsulate hätten Plakate zukommen lassen, die im Ausstellungssaal zu besichtigen sind.


    Einige der diplomatischen Vertreter haben Bodo von Kutzleben zufolge internationale Partnerausstellungen mit dem BSV angeregt. Eine deutsch-tunesische Markenschau, wie der tunesische Botschaftsrat Wissem Montemri sie vorgeschlagen habe, sei bereits geplant. „Die Philatelie ist ein weltumspannendes Hobby. Das zeigt sich auch beim 14. Eschersheimer Wochenende am 2. und 3. September, wenn unser nächster Sonderstempel herauskommt, der den Frankfurter Partnerstädten gewidmet ist.“ Ob das Briefmarkensammeln dagegen auch Frauen und Männer gleichermaßen begeistert, wagt BSV-Vorsitzender Oskar Zindel zu bezweifeln. So seien nur rund fünf Prozent der in Vereinen organisierten Sammler Frauen. „Wir hätten nichts dagegen, noch die eine oder andere Sammlerin in unseren Reihen aufzunehmen. Aber die Philatelistinnen, von denen es zweifelsohne viele gibt, scheinen die Vereine zu meiden.“


    Beim Blick auf die entsprechend der WM-Spielgruppen angeordneten Schaukästen erinnert sich Zindel an frühere Zeiten, als Marken aus Ostblock-Ländern bei deutschen Sammlern eher unbeliebt waren. „Länder wie die DDR fabrizierten Briefmarken auf Teufel komm raus, nur um an Devisen zu kommen.“ Auch heute noch gebe es geläufige und weniger geläufige Sammelländer. Marken aus Ländern wie Holland, Luxemburg, Österreich oder Frankreich für eine Ausstellung zusammenzutragen, sei kein Problem. Schwieriger werde es bei exotischeren Staaten oder, um beim europäischen Vergleich zu bleiben, Belgien. „Manchmal führt die Ausgabepolitik einzelner Länder dazu, dass deren Marken verhältnismäßig teuer zu haben sind und von Philatelisten folglich weniger nachgefragt werden.“ Dem BSV ist es dennoch gelungen, einen farbenfrohen Auszug aus dem Briefmarkensortiment jedes WM-Teilnehmerlandes zu präsentieren.



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