Schöne Belege aus Elsass - Lothringen

  • @ woermi:


    Hast Du mich mit dem Thema gemeint? Irgendwie eine Steilvorlage in meine Sammlung.


    Ich möchte deshalb noch ein paar Bemerkungen vorab machen. Woermi hat das Thema unter Deutsches Reich abgelegt, obwohl es natürlich auch unter Frankreich passen würde. Da ich meine Sammlung auf 1872 bis 1920 beschränke, kann ich hierzu nichts zeigen. Leute mit Ahnung sind herzlich aufgefordert hierzu etwas zu zeigen.


    Die Geschichte von E-L als Teil des Deutschen Reiches beginnt mit dem Waffenstillstand von Versailles nach dem Deutsch-französischen Krieg von 1871. Die meisten kennen wohl noch aus dem Geschichtsunterricht das Bild von der Kaiserproklamation Wilhelms I im Spiegelsaal von Versailles. Der Friede von Frankfurt, der den Krieg beendete kommt meistens weniger vor. Durch diesen Friedensvertrag werden die Reichslande Elsass-Lothringen ein Teil des Deutschen Reiches und es werden zumindest ab dem 1.1.1872 die entsprechenden Briefmarken und Poststempel der Reichspost verwendet. Belege aus E-L fallen daher eigentlich nur dadurch auf, dass sehr oft französische Anschriften verwendet werden. In einigen Teilen von E-L sind französische Ortsnamen üblich. Diese werden gerne mal für Kolonialstempel gehalten. Insbesondere im Bereich um die Festung Metz in Lothringen gab es für einige Orte nur französische Namen, da diese immer schon zum französischen Sprachraum gehörten und deutsche Namen erst 1915 "erfunden" wurden, da im ersten Weltkrieg die Sprache des Feindes nicht mehr gern gesehen wurde. Davon wohl später.


    Als hilfreich empfehle ich zu den deutschen und französischen Namen folgenden Link:


    Genug der Einleitung. Lassen wir Belege sprechen.


    Latzi

  • Ich fange mit der Chronologie anders als woermi mal vorne an und zeige einen Brief, der äußerlich als normaler schweizer Auslandbrief nach Frankreich scheint.


    Erst aus dem Inhalt ergibt sich, dass der Brief am 18.02.1871 in Strassburg im Elsass von einer Versicherung verfasst wurde. Da der Postverkehr zwischen dem Elsass bis zum 24.03.1871 unterbrochen war, erfolgte der Postaustausch über die Schweiz und daher würde dieser Brief in Basel zur Post gegeben. Also tatsächlich ein Elsass-Beleg, auch wenn mir nicht klar ist, was eine Ausstellungsordnung dazu sagt.

  • Im weiteren zwei Brustschildbelege aus Lauterfingen, einem Dorf mit wohl nicht mehr als 500 Einwohnern. Schon die Anschrift zeigt ein Lothringer Problem. Der Adressat Alfred Meyer (dem Namen nach ein Lothringer) dient auf dem Schiff der französischen Marine "La Gauloise" im Mittelmeer (hat jemand Website dazu?), während anscheinend Verwandte (?) plötzlich im Deutschen Reich leben.


    Ab genug dieser soziologischen Betrachtung.


    Die Briefe sind auch philatelistiscch interessant. Der erste Brief ist mit 2 Groschen Auslandsporto regelgerecht frankiert. Da aber die französische Postverwaltung bis zum 24.5.1872 Marken des DR bei Verwendung in E-L nicht anerkannte, wurde mit 25 centimes nachtaxiert, die der Empfänger zu zahlen hatte (Das DR verfuhr entsprechend!). Danach galt bis zum Inkrafttreten des "Allgemeinen Postvereins" ein Porto von 3 Groschen, dass der Absender im Dezember 1872 entrichtet (und das freundlicherweise im hübschen Dreierstreifen).

  • aus der Germaniazeit
    Rothbach Unter-Elsass Hagenau Niederbronn
    vom 3.August 1915 nach Leipzig an die Leipziger Bienenzeitung mit der Bitte um eine Anleitung zum Bau eines Sonnenwachsschmelzers.
    geprüft in Straßburg

  • Ich habe mir am letzten Flohmarkt auch einige Ansichtskarten vom Elsass gekauft. Darunter auch einige "Soldatenbriefe" aus dem 1. Weltkrieg.


    Unten eine Karte, die mir besonders gefallen hat. Ueber der Adresse der Vermerk:


    Soldatenbrief ......? Ange-
    legenheit des Empfängers


    Adressiert von Saarbrücken am 18. März 1910 nach Dürlach an den dortigen "Batalionsschneider".


    Gruss
    Afredolino

  • Hier habe ich jetzt 2 Karten aus der Zeit des 1. Weltkrieges.


    Scann 1 + 2


    Postkarte aus Bühl ( Kreis Gebweiler ) vom 22. Sept. 1914. Die Beschriftung mit Kugelschreiber stammt aber sicher nicht aus dieser Zeit X(


    Scann 3 + 4


    Postkarte aus Dixmude nach Sigmaringen am 25. April 1915. Hier fiel mir der Truppenstempel auf: Etappen-Munitionskolonne No. 122.


    Gruss
    Afredolino

  • Hallo Latzi


    Du hast recht :ups: Dixmude ist der franz. Name für "Diksmuide", das in Westflandern in Belgien liegt. Diese Karte war in einem Lot mit dabei, die sonst alle aus dem Elsass sind. Deshalb habe ich da auch nicht weiter nachgeforscht :ups: Ich gelobe Besserung ;)


    Gruss
    Afredolino

    Beginn den Tag mit einem lächeln und du hast ihn schon gewonnen

  • @ alfredolino:


    So sieht es aus, wenn das mit dem "Soldatenbrief - Eigene Angelegenheit des Empfängers" nicht so klar ist. Allerdings hier schon als Feldpost aus dem ersten Weltkrieg.


    Der Brief wurde erst mit "15" Pfennig nachtaxiert und diese Taxe wieder gestrichen. Der Elsass-Bezug ergibt sich aus der Zensur Mülhausen und dem Motiv aus der gleichen Stadt.

  • Ich wollte eigentlich noch ein wenig bei den Brustschilden bleiben - wobei ich mir angesichts woermis Anwesenheit jeglichen Brustschild verkneife - am Ende zeigt er doch irgendeinen Brief mit Viererblock vom ersten Verwendungstag nach Yokohama :P


    Also einmal Kastenstempel in eher graublauer Farbe von Mülhausen Bahnhof nach Thann. Nachfolger dieses Stempels dürfte ein Hufeisen sein.
    Und dann eine stark verzähnte Marke (möglicherweise vom rechten Rand???) auf Brief nach Wien zum Inlandporto aus Reichshofen.


    Bei genauerer Betrachtung: Ist das T in Deutsche bei der Marke aus Reichshofen gebrochen? Dann wär's der Plattenfehler!

  • Wo kommen denn Deine Hufeisenstempel Colmar, Metz, Mülhausen, Schlettstadt, Straßburg und Zabern her??? :D
    Da dürfte doch eigentlich 'ne Brustschildmarke bei sein oder sammelst Du erst ab Pfennige?

  • S - wie Strassburg.


    [Blockierte Grafik: http://woermi.enformio.at/1872/PICS/STRASSBURG/STRASSBURG_38.jpg]


    Die Ankündigung des Vertreterbesuchs ist auf die Anschriftseite gedruckt. Dies wurde bereits im Herbst 1875 verboten und kann daher maximal 9 Monate mit Pfennige Marken vorkommen. Wie im Postblatt vom September 1875 zu lesen ist, war ab diesem Zeitpunkt nur noch die Adresse auf der Vorderseite zulässig; alle anderen Mitteilungen waren auf der Rückseite anzubringen.