Franz Beckenbauer, ein österreichischer Exportschlager

  • Österreichische Briefmarken punkten in Deutschland mit "verbotenen" Motiven.




    WIEN. Die Österreichische Post hat einen neuen Markt für Briefmarken gefunden: Deutschland. Dort will man mit "besonderen" Motiven bei den Sammlern trumpfen. Etwas Besonderes sind in Deutschland Briefmarken, die lebende Personen abbilden. Auf deutsche Marken dürfen nur Verstorbene rauf - mit Ausnahme des Präsidenten. Des Bundespräsidenten. Dem Präsidenten des FC Bayern München, Franz Beckenbauer, bleibt diese Ehre zuhause somit verwehrt. Dafür blickt er seit drei Wochen von einer österreichischen Briefmarke.



    Die "verbotenen" Beckenbauer-Marken (800.000 wurden gedruckt) gehen in Deutschland weg wie die warmen Semmeln. Von bisher 150.000 verkauften Stück (ohne "Abonnements") wurden fast drei Viertel nach Deutschland exportiert. Dabei hat die Beckenbauer-Marke, die in Österreich für 75 Cent an jedem Post-Schalter zu haben ist, in Deutschland gar keinen Wert. Zumindest kann sie nicht als Porto benutzt werden. In Österreich kann "Beckenbauer" auf 50-Gramm schwere Briefe geklebt werden.


    Aufkleben kann man die Beckenbauer-Marke freilich auch in Deutschland: etwa in einem Briefmarkenalbum. Deutsche Sammler haben über die Sondermarke bereits mehr als 82.000 Euro in die Kassen der Post gespült. Erlöse, die beinahe als Reingewinn zu sehen sind. Zumal die Sammlerkundschaft die Transportleistung der Post nicht in Anspruch nimmt.


    Die Post gestalte gezielt "Motive, die auch für den deutschen Markt interessant sind", erklärt Post-Sprecher Michael Homola. Bereits vor einem Jahr kam ein deutscher Promi zu österreichischen Briefmarkenehren. Max Schmeling, ehemaliger Box-Weltmeister, verstarb kurz nachdem seine eigene Marke herauskam. Die spielte allein in Deutschland "mehrere hunderttausend" Euro ein, erzählt Homola. Genaue Zahlen will er nicht nennen.


    Die Deutsche Post zeigt sich unbeeindruckt von den österreichischen Exportschlagern. "Es betrifft ja nur den Sammlermarkt", sagt Uwe Bensien, ein Sprecher des Unternehmens. Allerdings soll auch die Deutsche Post 50.000 "Beckenbauers" bestellt haben - für ihre Sammler-Kundschaft, die schon heute eine Marke von Franz Beckenbauer haben will, und nicht erst nach dessen Ableben.


    Noch vor drei Jahren war es auch in Österreich nicht gestattet, lebende Personen auf Briefmarken abzubilden. Warum es in Deutschland noch immer untersagt ist? Das Gesetz sei "in langer Tradition entstanden" und werde nicht geändert, heißt es aus dem zuständigen Finanzministerium in Berlin. Dort sind Genehmigungsverfahren von Briefmarkenmotiven auch komplizierter. Der Minister hat das letzte Wort. Hierzulande finden sich Regierungsmitglieder selbst auf Briefmarken. Wie zuletzt Ex-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner. Ein Exportschlager wurde diese Marke freilich nicht.



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