Seltene Briefe und Stempel aus Zeiten der Postexpedition

  • Gestern wurde die Ausstellung "Wertheimer Heimat- und Postgeschichte" eröffnet / "Glücklich, wer einen solchen Sammler hat"




    Wertheim. Die Heimattage bringen so manche Premiere für die Große Kreisstadt mit sich. So sind nun erstmals in Wertheim und nur für eine kurze Zeit Postdokumente aus der Stadt und der Region öffentlich zu sehen, die der leidenschaftliche Sammler Erhard Brüstle im Laufe vieler Jahre zusammengetragen hat. Im Ständersaal des Rathauses sind die Exponate zu bewundern. Gestern Vormittag wurde die Ausstellung zur "Wertheimer Heimat- und Postgeschichte" im Beisein zahlreicher Freunde der Philatelie eröffnet.


    In seinem Grußwort wusste Bürgermeister Wolfgang Stein zu berichten, dass die für Wertheim zuständige Poststation sich eint in Esselbach im Spessart befunden habe und noch Anfang des 19. Jahrhunderts Briefe und Pakete von einem Boten dorthin transportiert werden mussten. Auch sei das Verschicken eines Briefes damals sehr teuer gewesen, das Porto nach Frankfurt am Main habe genau so viel gekostet wie ein Stück Rindfleisch.


    Selbst in Dertingen wohnend, merkte Stein an, dass dort 1855 "auf mehrfaches Bitten des Gemeinderats und auf ausdrückliches Geheiß des badischen Regenten eine Brief- und Fahrpostexpedition" eingerichtet worden sei. Über Platzmangel im "Postlocale" in Wertheim werde in einem Schreiben der Handelskammer an das Großherzogliche Postamt Heidelberg 1862 geklagt. "Die Wagen müssen auf offener Straße auf- und abgeladen werden, die Pakete liegen zerstreut auf der Straße und im Hauseingang ( . . . ) in dem Buerau ist eine freie Bewegung nicht ermöglichet, da Mangel an Raum an allen Enden ist", zitierte Stein. In den Jahren 1890 bis 1892 sei dann das neue Postamt gebaut worden, heute noch in der Poststraße bestehend.


    Die Ausstellung im Ständersaal der Hofhaltung, schloss Stein, zeige einige der zum Teil sehr seltenen Briefe, Postkarten und Stempel aus der "Postexpedition Wertheim" und den dazugehörigen Zustellorten.


    Auf die Besonderheit der Präsentation wies auch Professor Dr.-Ing. Edwin Fecker, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Baden im Bund Deutscher Philatelisten hin. Mit viel Engagement habe Erhard Brüstle die Exponate zusammengetragen, die von der frühen Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts reichten. Der nordbadische Raum sei schon immer der Schwerpunkt der sammlerischen Tätigkeit Brüstles gewesen. "Vor dieser Ausstellung war der Raum philatelistisch ein weißer Fleck."


    Noch heute sei die Frage nicht geklärt, wann es in Wertheim die erste Poststation gegeben habe. Der früheste bekannte Poststempel stamme aus dem Jahr 1792, "die Eröffnung der Poststation dürfte um einiges früher gelegen haben". Auch die Versorgung des ländlichen Raumes mit Postdienstleistungen lasse sich anhand der Exponate nachvollziehen.


    Hatte Fecker mit Goethes Ausspruch "Sammler sind glückliche Menschen" begonnen, so stellte er abschließend fest, "glückliches Wertheim, einen solchen Sammler in seinen Mauern zu haben".


    Die Heimattage und die 700. Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte seien für ihn Anlass genug gewesen, eine solche Ausstellung anzuregen, erklärte Erhard Brüstler. Der Vorschlag sei auf breite Zustimmung gestoßen, insbesondere, weil es eine Präsentation mit dieser Thematik in Wertheim noch nicht gegeben habe.


    Brüstle ging dann näher auf einzelne Ausstellungsstücke ein, etwa Schnörkelbriefe aus der Zeit von 1588 bis 1806, der Zeit der Vorphilatelie. Aus dem Jahr nach der Eröffnung der ersten deutschen Reichspost 1679 stammt ein Brief mit den Trockensiegeln der Grafen von Wertheim und von Castell.


    In Kopie zu sehen sei der erste adelige Stempel aus Wertheim, datiert auf das Jahr 1792. Aus dem Jahr 1832 wiederum stammt ein Brief, der eine Spendenquittung über vier Gulden und 16 Kreuzer enthielt, Geld, das die Gemeinde Meßkirch in Süddeutschland für den Bau der katholischen Kirche in Wertheim spendete.


    Nach weiteren Erläuterungen wechselte Brüstle dann in die "Briefmarkenzeit". Der früheste Beleg für diese Ära trägt das Datum 4. Mai 1851, ein Sonntag, an dem die Post zwei Stunden geöffnet war. Ebenfalls 1851 geschrieben wurde ein Brief vom damaligen Inhaber des Eisenhammers in Hasloch mit einer Zahlungserinnerung für Warenlieferungen.


    Der Redner referierte dann über die 25 Landpostorte in und um Wertheim, von denen 19 belegt seien, und berichtete über die Zustellgebühren, die entweder in bar vom Empfänger des Schreibens oder vorab durch Aufkleben von Briefmarken vom Absender zu bezahlen war.


    Viele weitere "beeindruckende und hochinteressante Ausstellungsstücke", so Bürgermeister Stein, stellte Brüstle noch vor, bis hin zu vier Rahmen mit Postkarten aus den Jahren um 1900. Nähere Informationen für Interessenten gibt der Sammler bei einer Führung am heutigen Samstag um 14 Uhr.


    Am Sonntag wird ab 10 Uhr im Ständersaal ein Sonderpostamt eingerichtet und ein Sonderstempel "700 Jahre Stadtrechte Wertheim" ausgegeben (wir berichteten). Dafür stelle er 300 Postkarten kostenlos zur Verfügung, verkündete Brüstle. Ein Händler für An- und Verkauf von Briefmarken werde am Sonntag ebenfalls anwesend sein und einen, vor allem für die Jugend gedachten, Karton mit Briefmarken zum Verschenken bereithalten. "Vielleicht könnte dies für junge Leute eine Anregung zum Briefmarkensammeln sein." ek




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  • Ein Paradies für Sammler

    Ausstellung zeigt ab Freitag Post- und Heimatgeschichte



    Wertheim. Die Heimattage Baden-Württemberg in Wertheim und die Feier anlässlich 700 Jahre Stadtrechte Wertheim sind der geeignete Anlass für eine Ausstellung, die mit der Post- und Heimatgeschichte die Stadt einmal in einem anderen Licht zeigen möchte. Zu sehen sind die Exponate von Freitag bis Sonntag, 19. bis 21. Mai, von 10 bis 18 Uhr im Ständersaal des Wertheimer Rathauses.


    Auf 16 Rahmen werden ab dem Jahr 1588 Schnörkelbriefe zuerst als einfache und dann als hochverzierte Briefe dargestellt. In der Ausstellung finden sich außerdem etliche Briefe aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sowie aus der Zeit der Gründung der ersten Deutschen Reichspost im Jahre 1679. Zu sehen ist außerdem ein Brief aus dem Jahre 1680 mit den Siegeln der Grafen von Wertheim und Castell betreffend Remlingen. Remlingen wurde damals von den Grafen Wertheims und dem Grafen zu Castell verwaltet.


    Durch die Verwaltung Napoleons wurde die Deutsche Reichspost stillgelegt und erst ab 1813 wieder eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt befinden sich die Vorphilastempel (das ist die Zeit mit Briefen ohne Briefmarke) bis 31. April 1851.


    Ab 1. Mai 1851 erschienen die ersten Briefmarken in Baden. Wertheim bekam als Postexpedition den Stempel mit der Nummer 157. Insgesamt gab es in Baden 177 Postexpeditionen, jede bekam einen Nummernstempel.


    Der früheste bekannte Brief aus Wertheim trägt das Datum vom 4. Mai 1851. Dies war ein Sonntag und die Post hatte nur zwei Stunden geöffnet.


    Es folgen unter dem Briefmarkenkatalog Michel die Ausgabennummern von 1 bis 25 und Landpost mit 1 und 3 Kreuzer, heißt es im Pressebericht des Veranstalters weiter. Als Abschluss kommen die badischen Stempel im Deutschen Reich ab 1. Januar 1872 nachverwendet vor.


    Für die Postkartensammler wird mit fünf Rahmen (zirka 170 Postkarten) vor 1900, um 1900 und nach 1900 in und um Wertheim in bunt und schwarz-weiß eine Dokumentation Wertheims gezeigt.

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