Briefmarken nur in Kilo-Angaben

  • Brunsbüttel (fan) Philatelisten suchen nach jedem raren Exemplar für ihre Sammlung – Bernd Fröhlich (54) aber will so viele Briefmarken wie möglich, egal welche. Jetzt hat er 29 Kilo zusammen, die er den Behinderten in Bethel schenkt.


    Seit 17 Jahren freut sich der Bezirks-Geschäftsführer der Barmer Ersatzkasse jeden Morgen auf die Post: Nicht immer auf den Inhalt, auf jeden Fall aber auf das Postwertzeichen, das auf dem Umschlag klebt. Mit einer gekonnten Handbewegung reißt er ein Stück des Umschlags ab und wirft die Briefmarke in einen großen Karton. Die Adresse landet im Aktenvernichter.


    Immer ein Jahr läuft seine Sammelaktion – jetzt hat er drei Kartons à 9 Kilo zusammen. „Das ist viel. Im vergangenen Jahr waren es noch 24 Kilo.“ Diese Menge bekommt er aber nicht per Post: „Das wäre etwas viel“, schmunzelt er. Mittlerweile hat es sich in Dithmarschen herumgesprochen, dass Bernd Fröhlich den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel die Marken überlässt. So laden Firmen, Ärzte und Privatpersonen ihre frankierten Briefumschläge bei Fröhlich auf dem Schreibtisch ab. Und das läppert sich eben. Außerdem gibt es mitunter ganze Sortimente von verstorbenen Philatelisten, die die Angehörigen ihm übergeben.


    Immerhin geht es um einen guten Zweck. Die Behinderten in Bethel sortieren die Marken aus. Die brauchbaren werden vom Papier gelöst und in zahlreiche Beutel gesteckt, die in Bethel selbst und über Händler meist an Sammel-Anfänger verkauft werden. Die erhalten damit einen Querschnitt durch alle Epochen aus der Geschichte der Briefmarke: alte Diktatoren, exotische Tiere, bekannte Künstler zieren die Postwertzeichen, die aus allen Teilen der Welt stammen. Inzwischen ist es sogar so, dass schlaue Philatelisten bei Bernd Fröhlich vorstellig geworden sind: „Die wollten die Marken durchschauen, bevor ich sie nach Bethel verschicke.“ Doch das lässt er nicht zu. „Die Blaue Mauritius suche ich noch“, flachst er.


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