China-Markenboom vorbei?

  • Das Auktionshaus Christoph Gärtner ist eine gute Adresse für die Versteigerung von China-Sammlungen und -Marken. Falls Du in der Nähe von München wohnst, die haben jetzt einen Laden direkt am Hauptbahnhof, wo man Sammlungen auch begutachten und schätzen lassen kann, ob sie sich für eine Auktion eignen.


    Ob man China jetzt verkaufen sollte oder noch länger behalten soll, ist schwierig zu sagen. Es gab eine jahrelange Rallye bei China-Marken die letzten 10 Jahre, viele Chinesen konnten sich wegen des Wirtschaftsaufschwunges Briefmarken-Sammeln leisten und trieben die Preise immer mehr in die Höhe, auch spekulativ wie bei Aktien in einer Hausse. Daß das nicht ewig lange so weitergehen kann, ist doch klar. Auf jeden Fall bekommt man heutzutage anständige Preise für seltene Marken, Sätze und Blöcke.


    Hier noch der Link zu Gärtner-Auktionen:



    Gruß kartenhai

  • Unglaubliche 1.341,- EUR brachte der Sonderumschlag von der WIPA 1981 mit dem Roten Affen. Der Gewinner der Auktion hätte wohl auch noch mehr bezahlt, denn er war mit 2 Geboten an der Spitze der Bieterliste, das letzte Gebot nur 7 Sekunden vor Auktionsende.



    Hat denn niemand von den Forums-Mitgliedern 1981 die WIPA in Wien besucht und sich diesen Beleg am chinesischen Post-Stand mitgenommen ?(


    Na ja, hinterher ist man immer schlauer. (Hätte ich doch damals nur ...) ;)


    Gruß kartenhai


    PS.: War auch schon mal vor vielen Jahren bei der WIPA und hatte mich damals mit teuren Schwarzdrucken und Ausstellungsblocks (einer davon war nur mit einem Katalog zusammen zu erwerben) eingedeckt, die leider nicht so gut kamen wie der Rote Affe. :(

  • Bei Ebay als Sofortkauf für 18.000,- USD angeboten:
    Ein Bedarfsbrief von Shanghai in die USA mit gleich 6 Roten Affen sowie ein Aerogramm mit einer Marke aus dem Jahre 1980. 77 "Interessenten" beobachten dieses Angebot, wobei die meisten wohl nur daran interessiert sind, ob die Belege auch zu diesem Preis weggehen:



    Ob der Preis nun gerechtfertigt ist oder nicht, sieht man erst nach Ende des Angebotes. Hätte der Anbieter die Belege zu 1,- USD als Auktion eingestellt, wäre sicher auch am Ende ein reeller und vernünftiger Preis herausgekommen. Beim jetzigen Angebot besteht die Gefahr, daß er zu hoch gepokert hat und auf seinen Briefen am Ende sitzenbleibt, weil die Gier doch größer war. Vernünftiger wäre es wohl auch gewesen, die Briefe auf einer renommierten Auktion in Hongkong anzubieten als ausgerechnet auf Ebay.


    Gruß kartenhai

  • Dieser Große Drache 5 Candarins zitronengelb (Michel-Nr. 3 III) von 1883 mit einem Katalogwert von 550,- EUR (Michel 2011/12) erzielte bei Ebay immerhin 467,- EUR. :O_O:


    Was mich bei dieser Marke etwas stört, ist die Abstempelung mit einem großen "R" statt des üblichen Stempels. Wenn das "R" Einschreiben bedeutet, müßte dieser Stempel doch eigentlich irgendwo auf dem Brief abgedruckt sein, aber doch nicht direkt auf der Briefmarke. Oder wurde das in China anno dazumal anders gehandhabt und ist diese Art von Stempel besonders selten statt wertmindernd?


    Daß die untere Reihe etwas mit der Schere bearbeitet wurde, scheint den Käufer anscheinend auch nicht zu stören.



    Gruß kartenhai

  • Oder wurde das in China anno dazumal anders gehandhabt


    Ja.


    Sie war für die Marken, welche die R-Gebühr abdeckten, ab mindestens 1892 vorgeschrieben.
    Für den Zeitraum vorher kennen wir die Regelungen nicht.


    und ist diese Art von Stempel besonders selten statt wertmindernd?


    Auf Michel Nr. 1-3 ja. Auf 4-6 häufiger zu finden. Danach auf bestimmten Werten (zB 5, 10, 20 C.) üblich.

  • Ein chinesischer Inlandsbrief von Foochow nach Swatow mit einer halbierten Briefmarke erzielte bei Ebay nach 33 Geboten einen hohen Preis von 805,- EUR.


    Über der Halbierung ist ein viereckiger Stempel mit Inschrift: "Postage 1 Cent paid".


    Im Michel findet man sogar einen Hinweis auf dieses so genannte Foochow-Provisorium, katalogisiert mit der Nummer I (nach Mi.-Nr. 71!): 1903 Freimarke Foochow-Provisorium Mi.Nr. 49 (Drache) diagonal halbiert und mit 1 Cent überstemelt. Preis auf Brief lt. Michel 2011/12 = 1.700,- EUR. Diese Marke auf Brief ist nur echt mit Datum vom 22., 23. oder 24. Oktober 1903, Fälschungen sind davon bekannt.


    In den Jahren danach, 1904 und 1906, gab es ähnliche Halbierungen (Mi.-Nr. II und III), genannt Chungking- und Changsha-Provisorium.


    Eine wirkliche Echtheitskontrolle für diese 3 Provisorien, die nicht an das Publikum abgegeben wurden, ist nur auf Ganzbriefen möglich.



    Gruß kartenhai

  • Eine große Menge an chinesischen Ganzsachen werden hier für knapp 2.000,- EUR bei Ebay angeboten. Alles modernere Belege ab 1983. Irgendwie war da der China-Boom schon vorbei, von einigen guten Blöcken mal abgesehen. Und ob diese Ganzsachen die Chinesen auch so interessieren wie Briefmarken, ist die Frage? Gibt es dafür eigentlich auch einen speziellen Katalog?


    Für einen China-Sammler, der sich die Marken und Blocks dieses Landes schon nicht mehr leisten kann ob der horrenden Preise, vielleicht ein preiswertes Schnäppchen (für 1,33 EUR pro Beleg)?



    Gruß kartenhai

  • Hier werden 1.000 China-Marken bei Ebay verkauft zu einem Sofortkauf-Preis von 274,- EUR. Ein stolzer Preis für dieses Sammelsurium von Marken, wenn man die Vergrößerung einschaltet, sieht man eigentlich nur Allerweltsmarken oder Massenware von China, keine besonderen, die im Katalog auch einen guten Preis haben. Man kauft hier also "die Katze im Sack", aber vielleicht erspäht der eine odere andere China-Spezialist unter den vielen Marken auch die eine oder andere "Rarität".


    Ein ähnliches Angebot desselben Verkäufers über 400 Marken kostet schon 229,- EUR im Sofortkauf, beim Ansehen findet man aber auch nichts Besonderes:




    Bei den anderen Angeboten des Verkäufers sieht man, daß er wohl eine Ahnung von den guten Werten Chinas hat, denn er hat auch einzelne Sätze dieses Landes zu hohen Preisen angeboten. Die Sammlungen sind daher sicher gut durchsucht worden vor dem Einstellen.


    Gruß kartenhai

  • Zwei in der letzten Zeit über Ebay verkaufte Rote Affen weisen einen ganz schönen Preis-Unterschied auf:


    Während einer am 29.11. bei 10 Geboten noch 1.960,- EUR erzielte, war der nächste am selben Tag bei dann 48 Geboten nur noch 1.752,- EUR wert (Michel-Preis 2011/12 = 1.600,- EUR). Da sieht man deutlich, daß die Spekulation immer noch dahinter steckt.




    Gruß kartenhai

  • Interessanter Artikel in der WELT über die Zockerei mit China-Briefmarken. Es sind da mittlerweile mehr Spekulanten als Sammler vorhanden, die die Preise die letzten Jahre immer höher trieben mit der Absicht auf einen schnellen Gewinn. Auch einen Vergleich mit dem "Neuen Markt" bei Aktien liest man, die lange Zeit rapide stiegen, um dann ganz plötzlich ins Bodenlose zu fallen. :O_O:
    Es ist nicht auszuschließen, daß das auch einmal bei den chinesichen Briefmarken passieren kann. Warten wir`s mal ab. Den Zeitpunkt kann niemand vorhersagen.



    Gruß kartenhai

  • Es ist nicht alles Spekulation:
    Viele Marken bis in die 1980er Jahre haben halt nur eine einstellige Millionen-Druckauflage gehabt.
    Im offiziellen Sammlerverband sollen 20 Millionen Chinesen registriert sein...


    Nun gut, China ist nicht nur das Land der achtspurigen Autobahnen, die es nun mal in den Metropolen gibt.
    Da herrscht auch auf dem Land manchmal noch bittere Armut, wenn man das einmal mit uns in Zentraleuropa vergleicht.


    Wir Deutschen haben das doch auch gehabt, daß einige Nachkriegsmarken preislich "explodiert" sind.


    Wenn ich den aktuellen Katalog betrachte, dann fällt mir allerdings auf, daß verschiedene meist gestempelte Dauermarken der Volksrepublik dann doch in der Bewertung deutlich gefallen sind.
    Letztendlich war das eine Anpassung an das internationale Niveau, wo diese Marken schon immer niedriger notiert waren, als im Michel.


    MVG Z

  • Eine seltsame Marke wird im nächsten Link vorgestellt, eine private Marke von 1847, von der nur 10 Exemplare bekannt sind und die 2010 in Nepal von einem spanischen Sammler für 1, 6 Millionen Dollar ersteigert worden sein soll. :O_O:


    Sie wurde im selben Jahr in London entdeckt und soll zu den seltensten Marken der Welt gehören. 1847 ließen private chinesische und japanische Goldhändler 15 dieser privaten Briefmarken drucken als Frankatur für den Goldversand von und nach China und Japan. Nur 5 Marken kamen in Umlauf und wurden benutzt, bevor diese Art von Frankatur sofort gestoppt wurde und die Marken nie wieder benutzt wurden.


    Diese Marke ist die allererste private und nicht von einer Postverwaltung herausgegebene Briefmarke weltweit.


    Unglaublich, daß so eine Rarität erst 163 Jahre nach ihrer Ausgabe entdeckt wurde. :O_O:



    Wenn man heutzutage so etwas findet, wird es wohl schnell als "Vignette" bezeichnet, wenn es in keinem Katalog zu finden ist.


    Gruß kartenhai