Bayern Instruktionsmarke 1871

  • Habe hier eine sogenannte Instruktionsmarke von Bayern, 7 Kreuzer ultramarin, ähnlich Michel-Nr. 25, aber in viel größerer Erhaltung (Größe: 4 x 4,8 cm), ein Wasserzeichen ist beim Halt gegen ein Licht weder von vorne noch von hinten festzustellen. Lt. Michel dienten diese Marken als Verschlussetiketten der Bogenmarken. Leider ist die Marke in einer nicht so guten Erhaltung (Büge und 2 weiße Papier-Abblätterungen oben rechts). Eine interessante Diskussion über dieselbe Marke habe ich unter diesem Link gefunden:



    Diese Marke wurde dort zuerst als Vignette oder wertloses Spielzeug angesehen, am Ende des Threads aber nicht mehr.


    Habe diese Marke von meinem Vater erhalten, sie lag jahrelang herum, sie imponierte mir immer wegen der ungeheuren Größe verglichen mit den Normalmarken. Irgendwo im Michel-Spezial las ich einmal etwas über diese Instruktionsmarken, damals waren sie noch einzeln aufgeführt und bewertet, aber meine 7 Kreuzer fehlte noch. Ich habe sie dann an die Michel-Redaktion eingesandt mit der Bitte um Prüfung, und erhielt sie wieder zurück mit der Angabe, dass sie echt sei und dass Michel sie in den Katalog mit aufnehmen würde.


    Habe sie heute zufällig wieder einmal gesehen und dabei den obigen Thread entdeckt. Im Gegensatz zu dieser Marke hat meine einen schönen roten Stempel, der sogar das Ausgabejahr 1871 (28. Nov.) enthält, auch ein Zeichen dafür, dass es sich nicht um die Michel-Nr. 34 handeln kann, die erst 1875 erschienen ist.


    Kann irgendjemand vielleicht den roten Stempel entziffern, könnte das ein Städtenamen sein oder was sonst? Ich lese das als ADENUNG, was natürlich Quatsch ist. Die Stempel-Inschrift ist die gleiche wie bei der anderen Marke aus dem Link, auch das Datum.


    In meinem letzten Michel-Spezial sind diese Marken nicht mehr bewertet, sondern nur noch der kleine Hinweis, das es sie gibt


    Wer weiß noch Näheres darüber, angeblich gibt es die Marken von den Michel-Nummern 14-36. Hat noch jemand eine zum Herzeigen?


    Gruß kartenhai

  • Im "Phila-Lexikon" habe ich folgendes dazu gefunden. Bei den Marken keinerlei Hinweis zu Bayern, Zettel ist das auf keinen Fall, sondern eine richtige Marke mit Zähnung und Übergröße.


    Instruktionsmarken
    Bezeichnung für Steuermarken von Venezuela mit Inschrift "INSTRUCCION" zugunsten eines Fonds zur Finanzierung des unentgeltlichen Grundschulunterrichtes. 1893/95 wurden diese Marken in Folge Markenmangels auch an Stelle regulärer Freimarken postalisch verwendet, ab 1895 wieder nur als Steuermarken zugelassen, aber bis 1912 postalisch noch geduldet.


    Instruktionszettel
    Dies sind Bogenverschlußzettel in Bayern und Hamburg 1851/70 zur Kennzeichnung des Tascheninhalts, wobei ein Abdruck der betreffenden Marke vom Originaldruckstock in schwarzer Farbe auf gefärbtem Papier abgebildet war. Hierbei handelt es sich zwar nicht um ein Postwertzeichen, es ist aber von Spezialsammlern sehr gesucht.


    gruß kartenhai

  • Hat jemand zufällig dieses Buch, darin ist Näheres über diese Instruktionsmarken enthalten:


    Doberer: Bayern-Philatelie


    Geschichte der Bayerischen Briefmarken


    Ausg. 1990, 160 S., viele Abbildungen, neu und original verpackt


    Genau das richte Einsteigerwerk für die Bayernphilatelie. Hier finden Sie detailreiche Informationen, leicht verständlich dargestellt. Kleiner Auszug aus dem Inhalt:


    - die braune 6 Kreuzer vom Jahre 1849 - Druckproben zur Ziffern-Serie - Instruktionsmarken Bayerns - die Portomarke von 1862 - gezähnte Marken mit Wasserzeichen - die Kreuzer-Abschiedsausgabe - Sieges- und Friedensmarken - Dienstmarken in Bayern und vieles mehr.


    Gruß kartenhai

  • Habe mal die Michel-Redaktion über diese "Marke" befragt, und heute die nachfolgende Antwort erhalten. Die seltsame Zähnung dieser Marke ist übrigens 11 : 10.


    "Um eine Instruktionsmarke handelt es sich mit Sicherheit nicht, die Verschlusszettel waren nicht gezähnt und wurden natürlich nicht abgestempelt (wozu auch?). Auf Ihrem Scan war die Zähnung nicht genau zu erkennen, bei der Marke im Internet ist ganz deutlich eine sehr enge Linienzähnug erkennbar. Die Ausgaben von Bayern sind entweder geschnitten oder weisen Kammzähnung auf. Ein Probedruck ist sehr unwahrscheinlich, wozu sollte das viel größere Format gut sein? Essay ist noch unwahrscheinlicher wegen des Stempels. Fälschung kann ausgeschlossen werden, weil dieses Produkt mit der ausgegebenen Marke nur ganz wenig gemein hat. Insofern dürfte private Spielerei wohl die wahrscheinlichste Variante sein."


    Wenn es denn eine private Spielerei war, ist mir schleierhaft, warum diese "Marke" dann in einem aufwendigen und wohl kostspieligen Prägedruck-Verfahren hergestellt worden ist. Die geheimnisvolle Stempel-Beschriftung konnte auch noch niemand enträtseln.


    Gruß kartenhai

  • @ hartfranky:


    Hast Du auch diesen komischen Stempel auf der Marke, der sich nicht entziffern läßt?
    Habe die Marke mal bei der IBM München einem dort anwesenden Prüfer gezeigt, der meint auch, die ist nicht offiziell, sondern eine private Spielerei oder Vignette.


    Gruß kartenhai

  • Hallo zusammen,


    Bayern ist zwar nicht meine Spielwiese aber ich bin mir sehr sicher, dass es sich hier nicht um eine Instruktionsmarke von einer Bogentasche bayrischer Marken handelt.


    Im Sem sind die Bogentaschenetiketten katalogisiert und beschrieben. Auch eine 7Kr. Marke blau der Ausgabe 1867 wird aufgeführt. Aber der Druck der Bogentaschenetiketten mit eingedruckten Instruktionsmarken wurde in Schwarz auf farbigem Papier ausgeführt, wobei die Papierfarbe der Farbe der jeweiligen Markenausgabe entsprach (Farbtöne vorkommend).


    Ausgeschnittene Instruktionsmarken kommen vor. Von einer "Abstempelung" der Instruktionsmarken habe ich nichts gefunden. Ich denke, Du hast da eine Vignette in Händen.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Hallo zusammen,


    habe mit Interesse das Thema hier verfolgt und als "Stempelfreak" hat mich natürlich insbesondere der seltsame Stempel, auf den ich mir keinen Reim machen konnte, interessiert.
    Also habe ich einen mir bekannten Fachmann in Sachen Bayern-Philatelie dazu befragt.


    Dass es sich bei der Marke nicht um eine Instruktionsmarke handelt wurde hier ja schon vermutet. Es handelt sich um eine Vignette und der Stempel soll einen schlecht immitierten "AUGSBURG" Zweikreisstempel darstellen, angebracht um potentiellen Sammlern zu gefallen. Vom philatelistischen Standpunkt her eher wertlos, aber nichtsdestoweniger auch interessant zu ergründen was dahinter steckt. ;)


    Beste Grüße,
    Peter

  • Gleicher Stempel mit dem selben Datum wie der vor 10 Jahren gezeigte. Daß an dieser Marke etwas faul ist, zeigt schon das Datum des Maschinenstempels oben von 1931. Da wurde auch nicht einfach die "gestempelte" Vignette nachträglich aufgeklebt, sondern erst die Vignette und dann mit einem gefälschten Stempel "entwertet".


    Aber trotzdem ein interessanter Beleg.


    Und gefälschte Prägedruck-Marken sieht man auch nicht oft, das ist doch sehr aufwendig für den Fälscher.


    Gruß kartenhai