Aktie des kleinen Mannes" nicht gefragt

  • Briefmarke hat als Sammelobjekt bei Jüngeren ausgedient / Geschäft schließt aus Altersgründen



    Ein kleiner Laden: Schweres Holzmobiliar und Glasvitrinen, hinter denen sich Lagerbücher stapeln. Wer in das Briefmarken- und Münzen Fachgeschäft in der Friedrich-Ebert-Straße geht, betritt eine Welt für sich. Am 30. Juni ist damit Schluss: Egbert Ziemer geht in den Ruhestand.


    Der 63-Jährige sitzt hinter einem schweren Holztisch mit Glasplatte und raucht. Egbert Ziemer fängt an, zu erzählen: Vor 17 Jahren hat er das von Adam Kiefer 1963 eröffnete Geschäft übernommen. Dafür hat er seinen Job bei der Firma Pfeiffer gekündigt, 27 Jahre lang war er dort Außendienstmitarbeiter. Warum der Wandel? "Och, ich habe mir etwas davon versprochen und mir zugetraut, dass ich das Geschäft weiterführen kann", sagt Egbert, der 1997 zudem das Briefmarkengeschäft Erich Holstein gekauft und damit die beiden Wormser Briefmarken- Fachgeschäfte in der Ebert-Straße vereint hat.



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  • Ich glaube nicht so recht, dass die Briefmarke als Sammelobjekt bei jüngeren Leuten ausgedient hat, die Jugendgruppe in unserem Tauschverein (zwölf Kinder zwischen 8 und 12 Jahren) sammelt mit begeisterter Hingabe. Die Freude der älteren Sammler darüber äußert sich in großzügigsten Briefmarkenspenden,so daß die Kinder kaum Marken kaufen. Es ist auch die Frage zu stellen, wie wichtig die Nachwuchsarbeit genommen wurde. Wir haben in Graz einen Händler, der Jugendliche liebevollst beratet, auch wenn sie bloß staunend im Geschäft stöbern, ohne etwas kaufen zu können oder zu wollen.
    Schade, daß die Ladengeschäfte zunehmend unter den Druck der Internetversteigerungen geraten, aber wir bedienen uns zur Kommunikation auch gerade dieses Mediums. Liebe Grüße aus Peggau

  • Die Entwicklung - oder besser gesagt: den Strukturwandel - im Briefmarken-, Münzen- und Zubehörhandel sehe ich auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge:


    Schade ist, dass die Ladengeschäfte mehr und mehr verschwinden. Braucht man mal etwas, kann man es nicht mehr so schnell besorgen. Wenn man mal in einer Stadt zu Besuch ist, schaut(e) man als Sammler gern beim örtlichen Briefmarkenhändler, was es so gibt.


    Andererseits muss ich für mich ganz klar sagen, dass ich das Hobby aus finanziellen Gründen nicht so weit treiben könnte oder wollte, wie es das günstige Preisniveau und die interessanten Angebote bei Internet-Auktionen bzw. im Versandhandel ermöglichen. Welcher Ladenhändler verkauft schon für um die 10 % Michel-Katalogwert, bietet eine Vielfalt an wirklich werthaltigen Lots oder preiswertes Zubehör (also nicht die Edel-Marken mit "unverbindlicher Preisempfehlung" als Ladenpreis)???


    Mit der Konzentration auf das Hochpreis-Segment und zahlungskräftige, vornehmlich ältere (Stamm-)Kundschaft hat man es der Online-Konkurrenz ziemlich leicht gemacht, auch wenn der Kostendruck bei hohen Innenstadt-Ladenmieten usw. sicher bedeutend ist.