Recepisse aus Österreich

  • Hallo,


    in meinen unsortierten Beständen habe ich das hier zu sehende Postformular gefunden.
    Es handelt sich um eine Aufgabe-Recepisse für einen Wertbrief aus dem österreichischen Stockerau vom 14. Juli 1833 über 11 Kr.


    Da dies nicht meine Sammelgebiete berührt, sind meine Kenntnisse hierzu denkbar gering.
    Kann jemand was zu der Häufigkeit dieses Formulars sagen ?


    Viele Grüße und vielen Dank im Voraus
    Michael

  • Hallo Michael


    Ein schöner Schein. :)
    Viel mehr kann ich leider nicht dazu sagen. Aber selten sind diese Scheine nicht, ob Fahrpost (wie hier) oder Briefpostschein.


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo Michael D !


    Wer große (oder auch nur kleine) Beträge durch die Post überweisen wollte, musste dies in Banknoten und/oder Münzen in einen Geldbrief (Wertbrief) einlegen und so dem Zahlungsempfänger übermitteln.


    Dem Absender wurde eine Einlieferungsbestätigung in Form eines Aufgabs-Recepisses ausgestellt, das vom Empfänger bestätigte Retour-Recepisse (Übernahmeschein) musste mit dem ersten Posttag an den Aufgabeort zurückgesendet und dem Absender ausgehändigt werden. Wenn ein Empfänger nicht anzutreffen war, wurde ein Aviso-Schein hinterlegt, mit dem er beim Postamt die Sendung beheben konnte.


    Ferchenbauer schreibt dazu folgendes:


    Zu jeder rekommandierten Briefpostsendung wurde sowohl ein Aufgabs- als auch ein Agabsrezepisse ausgefertigt. Dafür war keine gesonderte Gebühr zu entrichten, folglich kamen dabei auch keine Briefmarken zur Verwendung.


    Ein Aufgabs-Rezepisse erhielt jeder Aufgeber einer rekommandierten Sendung vom Aufgabspostamt ausgehändigt, das Abgabs-Rezepisse wurde vom Abgabspostamt ausgefertigt und musste vom Empfänger bei Übergabe einer rekommandierten Sendung unterfertigt werden, es verblieb als Nachweis der richtigen Zustellung bei der Post, diese Abgabs-Recepisse sind daher im Gegensatz zu den Aufgabs-Rezepissen sehr selten in Sammlerhände gelangt.



    Hier noch ein kleiner geschichtlicher Exkurs zu den Strassen und Enfernungen:


    Schon 1594 stellte Kaiser Rudolf II. fest, dass sich auf Grund von Unwettern die Strassen und Brücken in einem immer schlechter werdenden Zustand befinden. Er gab den Befehl, diese Missstände zu beseitigen.


    Über Stockerau hinaus waren im Laufe der Zeit zwei verschiedene Routen vorgesehen, die westliche Route von Stockerau über Horn und Schwarzenau - Wittingau nach Prag und die östliche Route von Wien über Stockerau, Hollabrunn, Znaim, Iglau und Kollin nach Prag. Diese beiden Routen wurden immer wieder wechselnd benutzt.


    Strassenkarte aus dem Jahre 1745



    Für den Verkehr mit den Orten und Herrschaften der Umgebung standen den Postämtern entsprechende Unterlagen mit den jeweiligen Entfernungsangaben zur Verfügung.


    Diese bildeten, wie zB der erhalten gebliebene "Ausweis der Meilen-Entfernung der Herrschaften von Stockerau" (1810), die Basis nicht nur für die Gebührenberechnung bei Kutschenfahrten, sondern auch bei der Beförderung von Wertbriefen.




    Die älteste schriftliche Erwähnung Stockeraus im Zusammenhang mit der Post datiert aus dem Jahre 1537. Im 16. Jahrhundert wurde der heute noch erhaltene Posthof "Alte Post" erbaut. (siehe Abb., Stich eines unbekannten Künstlers, ca. 1850)


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    Ich hoffe ich konnte dir damit ein bischen weiterhelfen obwohl dies auch nicht mein Sammelgebiet ist.


    Lg Bernhard ;)

  • Hallo Bernhard,


    ich bin beeindruckt ! :jaok:


    Vielen Dank für diese umfassenden Informationen.
    Da fragt man sich ja, was von dir kommt, wenn es dann dein Sammelgebiet betrifft ... :O_O:


    Kleine Frage noch am Rande: Kann jemand den Zielort der Sendung identifizieren?


    Viele Grüße und vielen Dank - auch an Nils
    Michael

  • Danke an alle Kündigen der südlichen Gefilde !
    So kann ich die Recepisse wenigstens beschreiben, wenn sie irgendwann mal eine neue Heimat sucht.


    Viele Grüße
    Michael