125. Geburtstag Felix Graf von Luckner

  • Er konnte Telefonbücher mit den bloßen Händen zerreißen, gegen ihn wurden Gefängnisstrafen verhängt, zeitweise drohte gar der Strick: Felix Graf von Luckner war der letzte deutsche Pirat, legendärer Seeheld und begnadeter Geschichtenerzähler. Jüngst jährte sich sein 125. Geburtstag.



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    > Gedenkganzsache zum 125. Geburtstag von Felix Graf Luckner. Unter dem Bild des Grafen ist auch sein berühmter Hilfskreuzer "Seeadler" aus dem Ersten Weltkrieg abgebildet.



    Die Karriere des am 9. Juni 1881 in Dresden geborenen Grafen beginnt wie in einem Abenteuerroman aus dem 19. Jahrhundert. Unter dem Namen "Phylax Lüdecke" heuert der 13-Jährige auf dem russischen Handelssegler "Niobe" an. Felix hat die Schule geschmissen und will die große weite Welt gegen das begüterte Elternhaus eintauschen.


    1907 erwirbt von Luckner auf der Seemannsschule in Papenburg das Kapitänspatent und dient in der kaiserlichen Marine. Als Offizier auf S.M.S. Kronprinz nimmt er an der Seeschlacht am Skagerrak teil. Doch dann erhält der Graf das Kommando für eine Mission, die ihn weltberühmt machen wird:


    "Kaperfahrt auf sieben Ozeanen" und "Deutsche Piraten in der Südsee" werden 1917 deutsche Zeitungen titeln. Doch warum? Drei deutsche Schiffe, militärisch zu so genannten Hilfskreuzern aufgerüstet, durchpflügen die Weltmeere und bringen feindliche Handelsschiffe auf. Einer dieser "Freibeuter des Kaisers" ist Felix Graf von Luckner mit dem Segelschiff "Seeadler" - übrigens das einzige Segelschiff, das im ersten Weltkrieg Einsätze fuhr.




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    Sonderstempel zum Thema Graf Luckner. Der Stempel hat die Nr. 09/165 und kann bei der Deutschen Post AG, Niederlassung Brief, Sonderstempelstelle in 92627 Weiden angefordert werden.




    Dezember 1916: Der Kapitän erhält den Befehl für eine halsbrecherische Mission - man könnte sie auch Himmelfahrtskommando nennen. Das Einsatzgebiet sollen der südliche Atlantik und später der Pazifik sein. Schon der Auftakt der rund achtmonatigen Reise trägt zur Legendenbildung bei: Am 24. Dezember 1916 sticht die "Seeadler", als norwegischer Holzfrachter getarnt, von Bremerhaven aus in See. Von Luckner schafft es, die englische Seeblockade unbemerkt zu durchbrechen, doch vor Island verhindert ein englischer Kreuzer die Weiterfahrt. Die "Seeadler" wird durchsucht, aber die Tarnung bleibt bestehen. Das Schiff setzt seine Fahrt ungehindert fort.



    Insgesamt 14 Schiffe mit einer Gesamtkapazität von rund 40.000 Bruttoregistertonnen versenkt die "Seeadler" auf ihrer abenteuerlichen Fahrt über die Ozeane. Das Vorgehen ist stets das gleiche. Das Schiff nähert sich getarnt, um sich im letzten Augenblick erkennen zu geben, indem die Reichskriegsflagge gehisst und die Plane von der Bordkanone gerissen wird. Die Piraten zwingen das Schiff zum Anhalten, ein Entertrupp kontrolliert die Ladung, nimmt die Mannschaft fest, bringt sie von Bord und versenkt dann das Schiff. Während der gesamten Kaperfahrt kommt lediglich ein Mensch ums Leben. Ein Umstand, den Felix von Luckner bei seinen späteren Vortragsreisen stets herausstellt. Auch wenn in seinen Erzählungen aus "ein" schließlich "kein" wird.



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    Sonderstempel zum Thema Graf Luckner. Der Stempel hat die Nr. 09/166 und kann bei der Deutschen Post AG, Niederlassung Brief, Sonderstempelstelle in 10770 Berlin angefordert werden.



    Die Fahrt der "Seeadler" endet im Juli 1917 vor der Südseeinsel Mopelia. Von Luckner steuert sie an, um Wasser zu bunkern. Beim Anlegen wird das Schiff wird von der See auf ein Korallenriff gehoben und schlägt leck. Der Graf berichtet in seinen Memoiren von einer gigantischen Flutwelle, die das Schiff zerschmettert habe. Letztlich war es wohl aber eher die Unfähigkeit des Steuermanns und der nicht besetzte Wachposten, die zur Havarie führten.


    Die Schiffbrüchigen richten sich zusammen mit ihren Gefangenen auf der unbewohnten Südseeinsel ein, die Graf von Luckner "Cäcilieninsel" tauft und - ganz Entdecker - für den Kaiser in Besitz nimmt. Dann unternimmt er mit einer Handvoll Männer einen spektakulären Rettungsversuch: Mit einer sechs Meter langen "Nussschale" wollen die Freibeuter ein neues Schiff kapern und damit die verbliebenen "Robinsons" aus dem romantischen aber unfreiwilligen Inselexil befreien.


    Die Wagemutigen erreichen mit einem halsbrecherischen wie erstaunlichen Manöver die mehr als 4.000 Kilometer entfernten Fidschiinseln, werden aber verhaftet und geraten in Gefangenschaft. Nach einem Fluchtversuch werden die Seewölfe erneut aufgegriffen und nach Neuseeland gebracht. 1919 kehrt Felix von Luckner aus der Gefangenschaft von Neuseeland nach Deutschland zurück. Schon da eilt ihm der Name "Gentleman Pirate" (dt.: "Gentleman Pirat")oder "Seedevil of the Seven Seas" (dt.: "Seeteufel der Sieben Weltmeere") voraus.


    Der Graf tut ein Übriges dafür, diesen Ruhm zu mehren. Er betätigt sich höchst erfolgreich als Schriftsteller, der seine nautischen Abenteuer literarisch verarbeitet. Denn auch im Spinnen von Seemannsgarn ist der adelige Seebär unübertroffen. Der Roman "Seeteufel" wird in Millionenauflage gedruckt und verkauft. Vortragsreisen führen Graf von Luckner quer durch Europa, in die USA und nach Kanada. Dabei gehören das Zerreißen von Telefonbüchern mit den bloßen Händen stets zum spektakulären Rahmenprogramm.


    Der "Seeteufel" versteht sich auf diesen Reisen als Botschafter der Völkerverständigung und des friedlichen Miteinanders. Vor allem in den Vereinigten Staaten machte er sich damit viele Freunde. Unter anderem wird er 1926 Ehrenbürger von San Francisco und setzt diese Popularität bei seinem wohl wichtigsten Heldenstück ein: 1945, die US-Army steht vor Halle an der Saale, wo Graf von Luckner während des Kriegs lebt. Die alliierten Bomberverbände sind startbereit und die schwere Artillerie ist in Stellung gebracht. Halle droht die Zerstörung. Aber der Seeteufel vermittelt. Er kann den deutschen Stadtkommandanten zur Aufgabe bewegen und die Amerikaner zum Verzicht auf den Einsatz schwerer Geschütze und Bomben. Halle wird ohne nennenswerten Widerstand aber auch ohne gravierende Schäden genommen. Am 13. April 1966 stirbt der letzte deutsche Freibeuter im schwedischen Malmö, wo er zuletzt mit seiner schwedischen Frau lebte. Die Trauerfeier im Hamburger Michel gleicht einem Staatsakt, begraben wird der Geschichtenerzähler auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.




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