Jeder Mensch braucht ein Hobby

  • Heinz Urbank – Knipser , Gartenexperte und Mentor für Spremberger Jungphilatelisten


    Der erste Versuch, ein Treffen mit Heinz Urbank zu vereinbaren, scheitert. Seine Frau Dora erklärt am Telefon: „Mein Mann ist im Garten.“ Später klappt es dann doch noch mit der Verabredung. Als der 70-Jährige die Haustür öffnet, ein Schmunzeln im braun gebrannten Gesicht, sagt er als Erstes: „Ich komme gerade aus dem Garten.“ Dabei ist dieser nicht einmal das wichtigste Hobby des Sprembergers, der gleich in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig ist.


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    Briefmarken als Bindeglied zwischen Generationen – der 70-jährige Heinz Urbank sowie die neunjährige Anna und der elf Jahre alte Daniel.



    „Langeweile kenne ich nicht“, lacht er. Kannte der Ur-Lausitzer wahrscheinlich noch nie. Der gebürtige Spreewitzer war offenbar einer, der schlecht nein sagen konnte, wenn es um Arbeit ging – ob bezahlt oder unbezahlt, ob damals oder heute. Früher waren es Betriebsgewerkschaftsleitung, Wanderleiter der Jugendgruppe Spreewitz und Rot-Kreuz-Helfer. Heinz Urbank war immer mit dabei und mittendrin – „Urbank, du bist jung, mache du mal“, habe es geheißen.
    „Was meine Hobbys betrifft, hatte ich in meiner ganzen Arbeit immer mit Jugendlichen zu tun“, blickt der gelernte Tischler zurück. Das ist so geblieben – überwiegend. Die Frauen und Männer, die heute den Erklärungen des Fachberaters für Obstbäume und deren Verschnitt zuhören, sind allerdings meist älteren Jahrgangs. Und auch die Spremberger Fotogruppe, in der Urbank mitwirkt, ist zumindest gut gemischt.
    Nicht dass ihm Garten und Fotografie nicht mehr so richtig Spaß machen würden, aber für seine Philatelisten-Jugendgruppe nimmt er sich am Tag um die drei Stunden Zeit, mal etwas mehr, mal weniger. 1951 hat er damit angefangen, in den 90er-Jahren war es dann erst einmal vorbei, als der quasi als Anker fungierende Betrieb ausstieg. Mit drei Kindern fing Urbank dann wieder an, 16 Mädchen und Jungen umfasst die Gruppe derzeit, zwischen acht und 18 Jahre alt. „Wenn die Jugendlichen eine Lehre beginnen, haben sie aber nicht mehr so viel Zeit oder gehen ganz von hier weg.“ Da müsse er sich regelmäßig um Nachwuchs für die Gruppe kümmern.
    Bisher ist ihm das immer gut gelungen, wie Ausstellungen und dabei erhaltene Auszeichnungen der Jungen Briefmarkenfreunde beweisen. Zweimal im Monat treffen sich die Philatelisten und ihr Mentor zu festen Terminen. Da geht es dann um fachliche Fragen, „wichtig ist für die Kinder aber vor allem das Tauschen“. Bei den Ausstellungen präsentieren die Kinder die Marken in Themenkomplexen. Das können Tiere oder Fußball sein, das kann aber auch Leben und Werk von Martin Luther sein. Dass die Kinder dabei in ihrer Freizeit auch noch etwas lernen, freut Urbank: „Jeder Mensch sollte seine Freizeit sinnvoll gestalten.“ Er selbst sammelt seit vielen Jahren Briefmarken zum Thema Rotes Kreuz – auch weil er als Rot-Kreuz-Helfer tätig ist.
    Neben den Briefmarken treibt Urbank derzeit noch eine andere Idee um. In einer Ausstellung möchte er Fotos von Spremberger Brücken zeigen. Seine Heimatstadt und deren Umgegend sind auch Gegenstand von Fotos, die gegenwärtig in einer Bankfiliale am Markt gezeigt werden. Urbank hofft, dass er diese damit als Ausstellungsort auch für andere „Knipser“, wie er sich als Hobby-Fotograf nennt, etablieren kann.
    Spremberg wird zudem Ausstellungsort einer Philatelieschau Brandenburgs, die der rastlose Rentner derzeit vorbereitet. „Briefmarkensammler sind glückliche Menschen“, behauptet Heinz Urbank. Wer ihn und seine jungen Philatelisten erlebt, widerspricht ihm da nicht.




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