• Wa(h)re Werte!


    Griechenland und die Euroländer bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Seit März nach dem Treffen den EU-Finanzminister hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine neue Rolle. Mit den Beschlüssen von Brüssel kann die EZB nun auch Staatsanleihen aufkaufen. Zwar ist dies auf den Sekundärmarkt begrenzt, aber der Effekt ist derselbe: Sie kann die Druckerpresse für Geld anwerfen. Die Bonitätsanforderungen aller Staaten wurde aufgehoben. Die Rettung der Währungsunion ist derzeit wichtiger als die Preisstabilität. Zwar hat Griechenland nur einen Anteil von 2,6% an der Wertschöpfung des Euroraumes, die Vorgehensweise ist aber die Blaupause für andere Staaten, die über ihre Verhältnisse leben.


    Beschlossenen Sparmaßnahmen sind zwar richtig gedacht, jedoch politisch nahezu nicht umsetzbar. Schwere innenpolitische Konflikte wären die Folge (siehe Griechenland), die keine Regierung überstehen würde. Eine geordnete Abwertung dürfte wohl der einfachste Weg aus der Krise sein. Jede Finanzkrise der letzten 90 Jahre wurde durch eine Abwertung der Währung und Inflation gelöst. Was tun, in den Dollar wechseln?


    Die US-Staatsverschuldung ist um ein Vielfaches höher als bei den Euroländern. Das Weiße Haus prognostiziert für 2011, dass die Staatsverschuldung erstmals die 100%-Marke des Bruttoinlandproduktes überschreiten wird. Die europäische Schuldenkrise so meinen Viele, ist nur das „Hors d’ oeuvre“. Als Hauptgang wird die USA serviert.


    Rettung in Immobilien? Da war doch was, die Immobilienkrise in den USA lässt grüßen. England und Spanien könnten die nächsten Kandidaten sein. Ich möchte hier nicht „zu schwarz malen“, aber die gegenwärtige Situation ist schon ein paar Gedanken wert.


    Im Börsen Monitor der LBBW (Ausgabe Mai 2010) findet sich ein interessanter Bericht: „Kunstvoll investieren“. Kunst ist bei langfristigen Investments wieder gefragt. Erfolgreiche zeitgenössische Werke hätten (bezogen auf die letzten 50 Jahre) mit 12,3% Wertzuwachs p.a. sogar den Aktienindex S&P 500 mit 11.1% p.a. überrundet. Obwohl Kunst zu den ältesten Formen der Kapitalsicherung zählt, bietet Sie auch die Möglichkeit, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Die eigentliche „Rendite“ ist die Freude am Objekt!


    Als Philatelist frage ich mich nun, ob es den unbedingt Kunst sein muss? Wie wäre es den mit Münzen oder Briefmarken? Diese hätten den Vorteil, dass diese im Gegensatz zu einem Gemälde oder zu einer Statue leichter zu transportieren wären (in Krisenzeiten durchaus ein Vorteil). Aber auch hier gilt wie auf dem Kunstmarkt, der Sammler muss Fachwissen haben. Auf dem großen Gebiet der Philatelie kann nicht jeder Spezialist auf jedem Gebiet sein. Der Trend zur Spezialisierung wird weiter gehen. Gute seltene Werte, die den Namen „Raritäten“ verdienen und die nicht an jeder Ladentheke zu erwerben sind, können durchaus eine interessante Alternative sein: Wahre Werte, die ihren Wert behalten und dem Betrachter als Zusatzrendite viel Freude spenden! :D :D :D


    sudetenphilatelie

  • Hallo sudetenphilatelie,
    danke für den angerenden Beitrag. Zufällig habe ich heute mittag erst darüber nachgedacht einen ähnlichen Beitrag zu schreiben, habe jedoch davon Abstand genommen weil man viel zu weit ausholen müsste ... Nun denn, den Anfang hast Du ja gemacht :-)


    Zunächst einige Ergänzungen aus meiner Sicht:
    ....aber der Effekt ist derselbe: Sie kann die Druckerpresse für Geld anwerfen.
    So einfach ist das leider nicht. Neues Geld entsteht nur durch neue Schulden, für jeden Euro der existiert gibt es einen Schuldner. Dummerweise wurde das Geld für die diversen Rettungspakete ja schon ausgegeben,d.h. es werden nur Schulden umgeschichtet. Das "neue" Geld kommt nicht in den Kreislauf, landet nicht beim gemeinen Bürger. Eine Inflation kann nur durch eine Lohn - Preis -Spirale einsetzten. Leider wird genau das Gegenteil eintreten, eine Deflationsspirale, was bei gleichzeitiger Entwertung der Währung eine großflächige Verarmung breiter Bevölkerungsschichten zur Folge haben wird. puh was soll ich sagen? Wo ansetzen, na ich belasse es besser bei diesen Zeilen. Das führt zu weit.


    Jedenfalls denke ich das wir ein AUF und AB sehen werden. Gerade flüchtet alles aus den Währungen und Anleihen in reale Werte: Aktien, Gold usw. wenn der Deflationsschock einsetzt wird auch das alles verkauft, um jeden Preis, und genau in diesem Moment wäre der richtige Zeitpunkt Sachwerte zu kaufen. Alles natürlich unter der Vorraussetzung das es keinen Krieg gibt, und leider war das bisher immer so .....


    Doch zur Kernaussage "warum nicht in Briefmarken", ich könnte ein Dutzend Gründe aufzeigen warum das nicht geschieht, bislang jedenfalls. Viele sind bekannt und viele sind hausgemacht. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Philatelisten sind selber Schuld!


    Nicht alle Menschen auf der Trapprennbahn sind Betrüger, aber alle Betrüger sind auf der Trapprennbahn.


    Schaut Euch doch nur mal die letzte Ausgabe der BDPh Zeitung philatelie an. Elitäres Händeschütteln alter Opis und Berichte über irgendwelche Dinge die nur wenige auserwählte Millionäre interessieren dürfte. Dann 50% Werbung ..... der meistbeachtete Markt - ebay - findet nicht statt, 99% der Sammler, Sammler moderner Gebiete können von Glück reden wenn sie einmal im jahr etwas lesenswertes finden. Wo ist die Aktion?


    Die Einstiegshürden in die Phila sind enorm, da wird Luxus und Feinst angeboten und dann nur Schrott gezeigt. Wenn ich als Einsteiger darauf hereinfalle und mir später klar wird was das Zeug wirklich wert ist, war es das - Schnauze voll ..... Wo ist der Leitfaden für Einsteiger? Warum kommt der Verband da nicht in die Pötte?
    Dann die Auktionen .. der seriöse Ort der Käufer, sagt man jedenfalls, die Auktionshäuser nehmen vom Verkäufer 17% und vom Käufer das gleiche nochmal, dazu noch ein paar Gebühren - Hallo? Gehts noch?
    Man stelle sich einmal vor ich würde durch den Kauf einer Aktie sofort 40% meines Geldes verbrennen lol unvorstellbar.
    Ich könnte bestimmt noch eine Strunde so weiterschreiben aber nu ist erst mal jut


    Gruß
    Christian

  • @ Ästhetiker:


    Sehr interessanter Beitrag:


    In der Tat gibt es beide Lösungsvarianten: Inflation oder Deflation (also die Wahl zwischen Pest oder Cholera). Ich persönlich glaube eher an die Inflation, um eine Deflation zu vermeiden. Begründung: Bevor alles den Bach runter geht, ist dies der einfachere und bequemere Weg. Aber erst im nachhinein werden wir wissen, was kommt.


    Warum nicht Briefmarken? Nun Briefmarken sind genau so gut oder schlecht geeignet wie Kunst oder andere Sachwerte. Wichtig ist, dass man auf "seinem Gebiet" sich gut auskennt und Spreu vom Weizen unterscheiden kann. Massenware kannst du getrost vergessen. Gesuchtes bleibt im Wert konstant bzw. wird ggfs. noch zulegen. Raritäten finden eher einen Liebhaber als Massenware.


    Deine Beobachtung zur Verbandszeitschrift "philatelie" kann ich nur unterstreichen: ein Kreis von elitären Händeschüttlern. Auch die üblichen Autoren wiederholen sich und drehen sich im eigenen Kreis. Wichtig wäre diesen Kreis für junge engagierte Sammler zu öffnen. Schließlich bilden junge Sammler die Zukunft, sofern sie nicht vorher verkrault werden! Ein Leitfaden für Neueinsteiger wäre hier natürlich hilfreich, aber auch da ist im Verband Fehlanzeige. Und in den Vereinen gibt es leider viel zu wenige selbstlose Sammler, die "Neulinge" wohlwollend unter ihre Fittiche nehmen.
    Oft wird Unwissenheit sogar ausgenutzt und "Neulinge" abgezockt, nach dem Motto: "jeder muss Lehrgeld bezahlen!" Aber ich möchte nicht zu negativ erscheinen. Es gibt zum Glück auch noch wenige Idealisten, die sich wohlwollend um den Nachwuchs kümmern. Leider viel zu wenige.


    Interessant auch deine Überlegungen zu den Auktionsprovisionen: Nun Briefmarken (zumindest die seltenen) sind keine Effekten, d. h. sie sind nicht beliebig austauschbar/ersetzbar. Deshalb hinkt der Vergleich mit Aktien. Besser fände ich den Vergleich mit Immobilien. Hier zahlen Käufer und Verkäufer ca. 6% + Mwst. Vielleicht kommen wir bei den renommierten Auktionshäusern noch in diese Region. Der Wettbewerb unter den Auktionshäusern ist gnadenlos, insbesondere wenn es um gesuchte Stücke zum anbieten geht! Auch hier ist es so: Massenware will in der Regel keiner verwerten.


    Fazit: Viele interessante Gedanken. Ich bin gespannt was noch für Wortmeldungen kommen. :) :O_O: :)

  • Hi,


    na solange ein Markt für etwaige Kunstgegenstände besteht, wird es auch eine Preisentwicklung geben. Kunstgegenstände sind hierbei einfach bekannter, als Briefmarken bzw. in de Köpfen der Menschen, wo schließlich die Wertegenerierung entsteht, stehen diese Gegenstände höher.


    Die Spezialisierung wird sicher weitergehen. Da, sieht man immer wieder unter Philatelisten "Mainstream" ist einfach out. Daher werden Spezialsammlungen gerade unter uns Philatelisten weiter an Wert gewinnen. Wie dies natürlich nach ausen betrachtet ausschaut, dass wage ich nur abzuschätzen. Denn spätestens wenn die Ursprüngliche Briefmarke "sterben" wird, dann wird auch das Interesse an der Kunst, in diesem Fall Briefmarke wieder steigen. Denn, dass hat die Geschichte uns doch gelehrt, ist ersteinmal etwas "ausgestorben" will es jeder haben ;).


    Grüße