Briefmarken für Studierende

  • Die ehemaligen Mittelschüler in der nordostchinesischen Stadt Harbin, der Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, können derzeit den Sommer genießen, denn die stressigen Universitätsaufnahmeprüfungen sind vorbei.


    Für diejenigen unter ihnen, die einen der begehrten Studienplätze ergattern konnten, bietet ein privates Postunternehmen der Stadt einen Service der ganz besonderen Art an.


    "Jedermann, der eine Immatrikulationszusage vorweisen kann, kann sich für 60 Yuan (5,88 Euro) 12 Marken mit seinem oder ihrem Foto drucken lassen", verkündete Fu Jie, Verkaufsleiter der Harbin Post- und Briefmarken-Firma.


    "Dieser Service soll als Anerkennung für die geleistete Arbeit der letzten Jahre dienen", sagte er weiter. Dieser erinnerungswürdige Moment müsse für die Zukunft festgehalten werden. An den Rändern der Briefmarken sind die Worte "erfolgreich bestanden" gedruckt. In der Regel ist eine derartige Auszeichnung hochrangigen Persönlichkeiten vorbehalten, wie zum Beispiel Vorzeigearbeitern und Olympiasiegern.


    Mittlerweile häufen sich auch die Studienunterlagen derjenigen auf dem Markt, die die Prüfungen mit guten Noten bestanden haben.


    Berichten der lokalen Presse zufolge, erzielten die sieben Mitschriften von Liu Wanhui, der als Examensbester im Fach Kunst abschnitt, einen Preis von 1700 Yuan (167 Euro) je Band.


    In der südchinesischen Provinz Guangdong sorgten die Behörden der Stadt Hengli in Dongguan für eine Kontroverse. Denn sie hatten Bewerbern, die an der renommierten Peking- oder Tsinghua-Universität einen Studienplatz ergattern, eine Belohnung in Höhe von 500.000 Yuan (49.000 Euro) versprochen.


    "Es gehört sich einfach nicht für eine Regierung, Studierende für gute Noten zu belohnen", sagt Zhao Ruizheng, Experte der Provinzakademie für Sozialwissenschaften Heilongjiang. Derartige Anreize würden zur allzu starken Konzentrierung auf Noten führen. Dabei könnte das Ziel einer positiven Gesamtentwicklung der Studierenden leicht aus den Augen verloren werden.


    Zhao erhofft sich von den jeweiligen Regierungen ein System, das sich mehr auf eine positive Gesamtentwicklung konzentriert und weniger auf die Prüfungen an sich. In diesem Jahr konkurrieren 10 Millionen Bewerber um gerade einmal 5,3 Millionen Studienplätze.




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