Post setzt auf Kieler "Auto-Marke"

  • Kiel – Es gibt Menschen, die haben ein Herz für Briefmarken. Für Kym Erdmann gilt das in ganz besonderem Sinne. Der Kommunikationsdesigner aus Kiel hat die gerade erschienene 45-Cent-Marke mit den Auto-Kennzeichen entworfen. Zugegeben, das Thema klingt etwas sperrig: "100 Jahre einheitliche deutsche Kfz-Kennzeichen".


    [Blockierte Grafik: http://www.kn-online.de/images/meldungen/1903361_1.jpg]
    Sieben Autokennzeichen aus verschiedenen Epochen zeigt die 45-Cent-Marke der Post, die ab heute an den Schaltern angeboten wird. Das Wertzeichen erscheint in einer Auflage von neun Millionen.



    Da sei es schwer, eine zündende Bildidee zu entwickeln, gibt der 33-jährige Muthesiusabsolvent unumwunden zu. Schilder, die über eine Autobahn zu rasen scheinen, das Kennzeichen K-FZ-100? Beides hat er erwogen – aber dann sich doch mit einer anderen Bildidee in der Jury durchgesetzt: eine Sammlung historischer Kennzeichen. Und die hat er keinesfalls ganz frei am Computer entstehen lassen. Der Entwurf beruht auf tatsächlich existierenden Schildern, die er großteils über einen Sammler nutzen konnte. ST 12-7227 ist beispielsweise ein Relikt aus der Sowjetischen Besatzungszone, ausgestellt im thüringischen Erfurt im Jahr 1948. B-02710 stammt vom Bundesstaat Braunschweig, Kreis Wolfenbüttel. Solche Kennzeichen wurden in der Zeit zwischen 1906 und 1945 erteilt. Und auch Kiel ist in der Schildersammlung vertreten: KI-BE 233. Das ist das Kennzeichen eines Freundes – rechtliche Fragen konnten da also auf dem kleinen Dienstweg geklärt werden.


    Erdmann ist, wie er selbst sagt, ein "Liebhaber des kleinen Formats". Absolute Präzision reize ihn – und das lässt sich bei einem Briefmarkenentwurf bestens umsetzen.


    Um eine Briefmarke gestalten zu können, ist die Teilnahme an einem ausgeschriebenen Wettbewerb notwendig. Über das Ergebnis entscheidet ein Kunstbeirat. Nicht immer eine glückliche Entscheidung, wie Erdmann bemängelt. Was ihn ärgert? "Graphische Fehler." Die dürften nun mal auf einer Marke, die in Umlauf kommt, nicht vorkommen. Nun, die Sache mit den Autokennzeichen ist gut verlaufen: Der Druck stimmt, die Zusammenarbeit mit den Gremien, die Verbesserungen und Feinabstimmungen – so waren zwei andere Kennzeichen erst vertreten, außerdem sollte es ursprünglich eine 144-Cent-Marke werden.


    Ein Jahr dauert es von der Ausschreibung bis zum Markteinführung einer Briefmarke; daher hatte er die Kennzeichen fast schon zu den Akten gelegt. Längst sitzt Erdmann, der in seiner Firma auch Werbung, Webdesign und Konzeption anbietet, an neuen Briefmarken-Entwürfen; derzeit ist der Schauspieler Paul Klinger sein Thema.


    Briefmarken zu entwerfen, darauf ist er eigentlich über einen Umweg gekommen: "Ich hatte kurz nach meinem Studium eine Fotoserie zur LandArt, also Kunstwerken, die in der Landschaft wirken sollen, gemacht. "Ich dachte, das wäre eine gute Briefmarkenserie und habe die Entwürfe an die Post geschickt." Dass die Angelegenheit ganz anders läuft, hat er erst daraufhin erfahren.


    Nicht die Themen werden eingereicht. Sie werden ausgeschrieben. "Dafür wurde ich zu dem nächsten Wettbewerb eingeladen", sagt er. Leuchttürme, den Wankelmotor, Adalbert Stifter, all das hat er schon zwischen die Zacken gesetzt. Dass jetzt eine seiner Ideen tatsächlich von der Post vertrieben wird, ist für ihn natürlich eine Freude. Nur: "Ob sich die Menschen wirklich dafür interessieren, ist schwer zu beurteilen."




    Zitat