Die Leiden der alternden Sammler

  • Briefmarkenhändler stehen gegen Euro und Ebay auf verlorenem Posten.



    Sie sammeln seltene Stücke. Doch mittlerweile sind Briefmarkensammler teils selbst schon zu Raritäten geworden. Die Branche steckt in einer tiefen Krise: "Die alten Sammler sterben aus und junge kommen nicht nach", erklärt Briefmarkenhändlerin Christine Wimmer. In ihrem Geschäft am Wiener Graben gehen viele andere Produkte über den Ladentisch, von Briefmarken allein könne sie nicht mehr leben. "Viele Händler sind schon mit einer schwarzen Null zufrieden", sagt Georg Jelinek, Sprecher des Briefmarkenverbandes. Allein in den vergangenen beiden Jahren haben österreichweit sechs Geschäfte zugesperrt, es gibt nun nur noch 64. Dabei gehen Briefmarkengeschäfte in der Regel nicht in Konkurs. Sie finden einfach keinen Nachfolger. Geht der Besitzer in Pension, bleibt der Rollladen unten.


    Was ist aus den Maklern der "Aktie des kleinen Mannes" geworden? Wimmer erinnert sich an bessere Zeiten: "In den 60er Jahren konnte man gut von Briefmarken leben." Damals gab es hunderte Händler. Und zigtausende, vor allem junge, Sammler. "Jugendliche, die heute lieber vorm Computer sitzen", meint Christine Steyrer aus dem zweiten Bezirk. Die Briefmarken- und Münzenverkäuferin sieht ein Image-Problem: "Wenn ein Schüler heute Briefmarken sammelt, dann schauen alle schief."


    Wer behauptet, mit dem Euro sei alles teurer geworden, hat nur zum Teil Recht. Die Preise für Briefmarken, speziell jener aus der zweiten Republik, sind in den Keller gefallen. "Für eine Sammlung, die vor der Umstellung 1500 Euro wert war, bekommt man heute höchstens noch 150 Euro", meint Jelinek, der auch selbst ein Geschäft in der Opernpassage führt. "Die Leute sind frustriert, weil sie für ihre Sammlungen nichts mehr kriegen", bestätigt Wimmer.


    Der Postkartenständer vor Jelineks Geschäft erinnern daran, dass man zumindest auf Ansichtskarten noch Briefmarken zu kleben pflegt. Ansonsten verschwinde das viereckige, bunte Stück Papier aus dem Alltag, meint der 40-Jährige. Doch der Ständer diene nur dazu, Laufkundschaft anzulocken. Das sind vor allem Touristen. Mit ihnen macht er etwa 20 Prozent seines Umsatzes. Der größere Teil seiner Briefmarkenkäufer sind Stammkunden.


    Uwe Steiner hat sich auf Auktionen spezialisiert. Der 31-Jährige organisiert zweimal im Jahr Versteigerungen. Das sei die einzige Zukunft, meint Steiner. Denn "der Händlermarkt stirbt aus". Die kleinen Geschäfte kommen zusehends durch Internetauktionen unter Druck. Auf Ebay & Co. werden "günstige" Marken bis maximal 200 Euro gehandelt. Kleinere Sammler schlagen per Mausklick zu.


    Die Post versucht indes, das "verstaubte Produkt aufzupeppen". Post-Sprecher Michael Homola berichtet euphorisch über Briefmarken-Innovationen. Etwa eine gestickte Textil-Marke ("Edelweiß", 3,75 Euro). Oder die Meteoriten-Marke, in die kosmische Partikel eingearbeitet sind. Der neueste Hit: Die "Franz Beckenbauer"-Briefmarke, speziell für Sammler aus Deutschland. Dort ist es verboten, lebende Personen auf Marken abzudrucken.



    Zitat