Telephon-Billets Bayern

  • Hallo,


    nachdem ich (noch) keinen Thread zu dem Thema entdeckt habe, will ich mal - aus gegebenem Anlass - einen eröffnen.


    Anbei ein 10 Pfg. Telephon-Billet, verwendet am 12. April 1904 in Urfeld am Walchensee. Urfeld liegt an der alten Poststraße von München über Mittenwald nach Innsbruck. (siehe Karte - ex PGB 1940I)
    Von Juni 1891 bis Oktober 1894 besaß Urfeld eine Postablage, welche 1894 zur Postagentur erhoben wurde. Seinen eigentlichen "Aufschwung" erlebte Urfeld nach der Fertigstellung der "Kesselbergstraße" im Jahre 1897.
    Trotzdem sich immer mehr Intellektuelle und auch internationales Publikum in Urfeld "tummelte" und sich der Walchensee ab etwa 1870 (erster Hotelbau in Urfeld) zu einem Touristenmagneten entwickelte, dürfte sich die Anzahl der erhaltenen Telefonbillets in Grenzen halten.


    Die Telefonstelle war im Gasthaus zur Post untergebracht. Daten zur Eröffnung fehlen mir leider noch.
    Das Telefonbillet habe ich übrigens nur durch Zufall bei Ebay entdeckt - es war keinerlei Ortsangabe in der Artikelbeschreibung enthalten. Große Freude zum kleinen Preis ! :)


    beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo PGK


    Danke fürs Zeigen :)


    Ein Telephon-Bilett habe ich noch nicht in meine Sammlung, und bin etwas unsicher wie man diese in eine Postgeschichtliche Sammlung einbauen kann.
    Wie du es hier gemacht hast, ist aber toll gemacht :)


    Viele Grüsse
    Nils

  • Hallo PGK und Nils,


    ja, da lacht das Herz des Heimatsammlers - so etwas fehlt mir auch noch in der Sammlung.
    Es gibt einige Arbeiten zur Eröffnung von Telefonnetzen und Anschlüssen in einzelnen Orten in den späten Ausgaben des "Archivs für Postgeschichte in Bayern", aber das sind meistens nur Übersichten, die einen gewissen Stand zu einem Stichtag wiedergeben. Da bleibt einem wohl nur der Gang ins Archiv.
    Wenn jemand übrigens Übersichten oder Karten über die Telegraphenlinien mit ihren Stationen in Bayern kennt, bitte melden ...


    Viele Grüße vom
    Erdinger

  • Hallo Nils,


    Zitat

    ....ich....bin etwas unsicher wie man diese in eine Postgeschichtliche Sammlung einbauen kann.


    Die Unsicherheit hatte ich bei diversen Teilbereichen auch schon. Telefonieren ist für mich aber eine von vielen Arten der Kommunikation. Ich habe daher in meiner Sammlung einen eigenen Abschnitt dafür vorgesehen. Genauso wie z.B. die Personenbeförderung. Vor ein paar Monaten z.B. habe ich einen frankierten Fahrausweis für Postomnibusse aus den 20er Jahren bekommen. Auch dafür habe ich einen eigenen Bereich vorgesehen.


    Grundsätzlich nehme ich für meine postgeschichtliche (und dazu zähle ich genauso Telekommunikation und Personenbeförderung) Heimatsammlung alles, was mir in die Hände kommt - von Vorphila bis heute. Lediglich Posthörner und Uniformen klebe ich mir nicht ins Album... :D
    Ich lockere z.B. meine Sammlung auch mit passenden Ansichtskarten auf, z.B. die Litho eines Gasthofes in dem eine Posthilfsstelle untergebracht war - oder Bilder aus dem Postalltag - sofern zu bekommen.
    Ich zeige nachher nochmal ein Beispiel von Tölz.


    Natürlich weiß ich, dass ich wahrscheinlich bei einer Wettbewerbsausstellung "anecken" würde, aber ich sammle ja in erster Linie für mich. Bis dato habe ich Teile meiner Sammlung nur auf Vereins-Veranstalltungen im Rahmen einer Werbeschau gezeigt und durch die "Auflockerungen" auch viele Nicht-Philatelisten oder Nicht-Postgeschichtler angesprochen.


    Generell soll natürlich jeder sammlen oder in seine Sammlung einbauen, was ihm Spass macht. Was ich aber nicht mehr machen werde, dass ich etwas liegen lasse, weil ich im Moment nicht weiß, WIE ich es einbauen könnte. Da habe ich in früheren Jahren leider schon zu viele unwiederbringliche Gelegenheiten vorbeiziehen lassen.
    Eine postgeschichtliche Heimatsammlung schüttelt man nicht aus dem Ärmel - sie braucht ihre Zeit sowohl bezüglich der Quantität als auch der Qualität. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht. :)


    beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Hallo,


    und hier die versprochenen Scans von Tölz.
    Die Sachen hatte ich mal provisorisch auf Blätter aufgezogen. Über die endgültige Gestaltung bin ich mir auch noch nicht ganz sicher.


    Viel Spass beim Betrachten.


    beste Grüße
    Postgeschichte-Kemser

  • Mein alter Michel-Deutschland-Spezial hat ja bei Bayern 17 verschiedene Hauptnummern und 4 Unternummern, also insgesamt 21 Telephon-Billets oder Fernsprech-Scheine katalogisiert.


    Interessant wäre auch eine Ansicht der Vorläufer dazu, sie sollen abgebildet sein in: "Die deutschen Ganzsachen" von Ascher-Junker, 1930, Seite 223. Hat vielleicht jemand diesen uralten Katalog?


    Der Michel schreibt dazu:
    Vorläufer: Am 5. November 1883 wurden zuerst in München, später in einigen anderen Orten Bayerns numerierte Billets "zur Benützung einer öffentlichen Telephonstation auf die Dauer von 5 Minuten" ausgegeben. In den vier Ecken befindet sich die Wertangabe (10, 25, 50 Pfennig bzw. 1 Mark), am Kopf der Ortsname über der Bezeichnung "Telephon-Anlage". Diese Scheine sind sehr selten.


    Weiß jemand, in welchen Orten diese Vorläufer außer in München noch ausgegeben wurden?


    Gruß kartenhai

  • Zitat

    Original von kartenhai
    Interessant wäre auch eine Ansicht der Vorläufer dazu, sie sollen abgebildet sein in: "Die deutschen Ganzsachen" von Ascher-Junker, 1930, Seite 223. Hat vielleicht jemand diesen uralten Katalog?
    Gruß kartenhai


    Die ARGE Bayern hat diesen Katalog im Literatur-Bestand. Vielleicht ist ja jemand Mitglied hier und kann die Abbildungen der Billet-Vorläufer besorgen?


    Gruß kartenhai

  • Hallo kartenhai,


    nicht nur im Ascher Katalog von 1930,
    sondern auch im Borek Ganzsachen-
    Spezial-Katalog Deutschland 1850 - 1932
    aus dem Jahr 1978, steht auf Seite 118
    folgendes:
    Fernsprechscheine (Telephon-Billets)
    Wie die Deutsche Reichspost führte
    auch die Bayerische Post- und Tele-
    grafenverwaltung 1883 für die
    Benutzung einer öffentlichen
    Telefonstation numerierte Billets ein,
    die zuerst in München ausgegeben
    wurden. Fernsprechscheine aus dieser
    Zeit der technisch neuen Einrichtung
    sind selten. Erst nach und nach fanden
    die Billets in neu eingerichteten Fern-
    sprechstellen folgender Orte verstärkt
    Verwendung:
    Augsburg 1.7.1886
    Bamberg 1.12.1886
    Bayrischzell-Wendelsteinhaus 1.8.1887 (nur Wst. 50 Pfg.)
    Fürth 1.12.1885
    Hof an der Saale 1.3.1890 (nur Wst. 10 und 25 Pfg)
    Kaiserslautern 1.3.1890 (nur Wst. 10 und 25 Pfg)
    Ludwigshafen am Rhein 1.12.1887
    München 5.11.1883
    Nürnberg 1.12.1885
    Tegernsee-Hirschberghaus 1.9.1890 (nur Wst. 50 Pfg)
    Würzburg 1.12.1887


    Es gab Billets mit Wertstempel von 10 -, 25 - und 50 Pfg,
    sowie 1 Mark.
    Sie waren gültig vom 5.11.1883 bis 31.12.1890.


    Es ist ein Münchner Billet mit Wertstempel 25 Pfg abgebildet.


    Dank an Postgeschichte-Kemser und abrixas für das Zeigen
    dieser schönen Belege. Ich habe für meine Heimatsammlungen
    erst ein Telefonbillet finden können, das ich zu gegebener Zeit
    zeigen werde.



    Beste Grüße von VorphilaBayern

  • Hallo VorphilaBayern,


    danke für die umfangreichen Informationen zu den Vorläufern der Billets.


    Wenn die Gültigkeit am 31.12.1890 bei allen Vorläufern endete, weil es neue Billets gab, müsste das 50-Pfennig-Billet vom Tegernsee-Hirschberghaus ja extrem selten sein, da es am 1.9.1890 verausgabt wurde und so nur 4 Monate lang in Verwendung war. :O_O:


    Gruß kartenhai

  • Hier mal eine etwas schlechte und unscharfe Abbildung eines solchen Vorläufers aus Ludwigshafen, 10 Pfennig schwarz/rosa mit schwarzer Zählnummer, verausgabt am 1.12.1887:


    Gruß kartenhai

    Bilder

    • Ludwigshafen.jpg

    Einmal editiert, zuletzt von kartenhai ()

  • Hier habe ich einige Abbildungen von seltenen Billet-Vorläufer von München, die letzte Marke bekommt man bei Gärtner über Delcampe, Ausrufpreis ist 2.500,- EUR, ganz schön krass! :O_O:


    Bei diesen Vorläufern war anscheinend der Bogen-Rand teilweise nicht gezähnt, wie man an geschnittenen Rändern von Einzelmarken sehen kann.



    Da es ja insgesamt 9 verschiedene Orte in Bayern gab und 2 Orte von Rheinland-Pfalz (Kaiserslautern und Ludwigshafen am Rhein), die alle oben in der Mitte des Billets eingedruckt waren, kann man sich vorstellen, daß die anderen Orte neben München noch viel seltener sind, besonders die kleinen Orte.


    Gruß kartenhai

  • Hier ist ein Telefon-Billet mit einer Eisenbahn-Gebührenmarke beklebt, Wertstufe 100 Pfennige, gestempelt mit Venningen (Rheinland-Pfalz). Die Bedeutung dieser seltsamen Kombination verschließt sich mir aber noch? Kann jemand etwas dazu sagen?



    Für einen Heimatsammler von Venningen wohl ein Schmuckstück! 2015 hatte der Ort nur 936 Einwohner, 1906 waren das wohl nur ein paar. :)


    Gruß kartenhai