Nur Österreich klebt Bruno, Otti & Mosi

  • München/Wien - Er ist berühmt und er ist tot - und die wochenlange Jagd auf ihn war ein herausragendes Ereignis. Somit hätte "Problembär" Bruno eigentlich alle Kriterien erfüllt, um auf einer deutschen Briefmarke abgedruckt zu werden. Doch was ihm bisher im Land seines Todes verwehrt geblieben ist, hat die österreichische Post verwirklicht.


    Seit kurzem gibt es eine 55-Cent-Marke der Alpenrepublik mit dem Konterfei des Bären: "Braunbär Bruno, *2004 in Italien, 26.6.2006 in Bayern. In unserem Herzen lebst du weiter."


    In Auftrag gegeben hat die Marke der Deutsche Tierschutzbund. Die Idee dazu hatte Berthold Merkel aus München. Und weil Merkel nicht nur Vizepräsident des Landesverbandes in Bayern ist, sondern auch ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler, wusste er, dass Privatpersonen in Deutschland keine Marken in Auftrag geben können. Also klickte er im Internet die Adresse an, lud das von einem Grafiker entworfene Bild hoch, wählte Gelb als Farbe des Briefmarkenrandes und gab den Text ein. "Das lief völlig unproblematisch", betont er.



    100 Marken kosten 199 Euro


    Drei Wochen später konnte Merkel 50 Bögen à` 20 Bruno-Marken in seinen Händen halten. "Ein hervorragendes Gefühl", sei dies gewesen, da die Marke "einen besonderen Wert für mich hat". Und weil die Jahresmarke 2006 des Tierschutzbundes so schön geworden sei, soll auch 2007 wieder eine in Auftrag gegeben werden, "auch wenn das nicht ganz billig ist".


    In der Tat muss man tief in den Geldbeutel greifen, will man ein Wunsch-Motiv drucken lassen. 100 Stück der 55-Cent-Marken, die Mindestbestellmenge, kosten 199 Euro. "Bestellen kann man aber auch Marken mit anderen Werten, das kostet dann entsprechend mehr", erklärt dazu Herma Heiß. Sie ist Referentin bei der österreichischen Post und gibt die bestellten Marken frei. Jede Bestellung läuft also zuerst durch ihre Hände - und wird manchmal auch zurückgewiesen. "Wir drucken nichts Sittenwidriges oder Nationalsozialistisches", sagt sie.


    Ansonsten sei der Phantasie der Auftraggeber keine Grenzen gesetzt. Beliebt als Motive seien Geburtstagskinder, Hochzeitspaare, Urlaubsfotos, Babys aber auch Firmenlogos - und verstorbene Idole, wie etwa der Modeschöpfer Rudolph Mooshammer. Dabei sei das Geschäft mit den Marken gar nicht so lukrativ für die Post. "Wir müssen ja die Staatsdruckerei bezahlen, und die druckt auch nicht für umsonst", erklärt Heiß.



    Bundesfinanzministerium beharrt auf Monopol


    Dafür wirke sich der Marken-Druck, der 2004 zunächst probehalber begann, positiv auf das Image der Post aus. "Das wird sehr gut angenommen", betont die Referentin, und liefert gleich ein paar Zahlen zum Beweis. Seit Beginn des Projekts am 1. April 2004 haben bis heute über 11 000 Briefmarkenfreunde aus aller Welt bestellt, mit einer Auflage von fast sechs Millionen Stück. Sogar aus Japan und Amerika seien schon Aufträge bearbeitet worden, merkt Heiß an.


    Doch wenn das Marken-Drucken von Privatpersonen so gut angenommen wird und sich vorteilhaft aufs Image auswirkt, warum eifert dann die Deutsche Post dem österreichischen Vorbild nicht nach? "Ganz einfach", erklärt Pressesprecher Dirk Klasen: "Wir geben die Marken gar nicht heraus, wir vertreiben sie nur." Zuständig für die Herausgabe sei das Bundesfinanzministerium, das diese Aufgabe als "hoheitlichen Akt" betrachte.


    Dies bestätigt das Ministerium. Eine Briefmarke sei nicht nur ein Postwertzeichen, sondern eine Botschafterin des Landes.
    So entscheide ein Programmbeirat schon zwei Jahre im Voraus, was oder wer auf den Marken abgebildet wird. In Frage kommen nur Motive, die herausragende Ereignisse oder verstorbene Persönlichkeiten (Ausnahme: der Bundespräsident) thematisieren. Eine Marke mit Fernsehstar Ottfried Fischer, wie es sie derzeit in Österreich zu kaufen gibt, wäre in Deutschland also undenkbar.


    Einen Antrag für ein bestimmtes Motiv kann übrigens jeder Bürger in Deutschland stellen. "Doch dass das dann umgesetzt wird, ist fraglich", weiß auch der Münchner Tierschützer Merkel. "Bis die den Bruno gedruckt hätten, wäre er schon längst vergessen", sagt er.
    Die Bruno-Marke kann im Internet unter oder unter Fax 089 / 4126592302 bestellt werden.



    Zitat

    Quelle / Artikel: oder unter Fax 089 / 4126592302 bestellt werden.[/url]