Warum Uebersee sammeln?

  • Es gibt im Moment mehrere verschiedene Themen im Forum, die sich alle im weitesten Sinne mit der Fragestellung beschaeftigen "was sammeln?" (Aland postfrisch?, Burgen und Schloesser spezial?, Concorde Thematik? Altaustralien?). Mit der Problematik konfrontiert, wo ich den nun meinen Beitrag dazu einstelle, habe ich mich am Ende entschlossen ein neues Thema zu starten, "Warum Uebersee sammeln".


    Ich sammele seit den letzten 10-15 Jahren hauptsaechlich Marken von Laendern aus Asien, Lateinamerika, oder Afrika; nur gestempelt, keine Gefaelligkeitsentwertungen. Meine Sammlungen europaeischer Laender, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Frankreich etc., sind seitdem sehr in den Hintergrund getreten. Es gab eine Reihe von Gruende fuer den Wechsel meines Sammelinteresses und ich werde bestimmt spaeter einige hier auffuehren. Fuer den Moment interessiert mich mehr Eure Meinung, warum Ihr (welche?) Ueberseemarken sammelt (oder nicht). Grundsaetzlich zaehlen die meisten Ueberseelaender ja zu den eher unbeliebtesten Sammelgebieten.

  • Hallo Carolina Pegleg,


    ich selbst interessiere mich für Marken aus aller Welt. Und in dem Auktionshaus in dem ich arbeite, habe ich die Möglichkeit auch mal seltene Stücke zu sehen, die man selbst bei eBay & Co. nie zu sehen bekommt. Wobei ich selbst natürlich noch keine Blaue Mauritius oder derartige Weltraritäten in Händen halten durfte. Aber zumindest Marken die man als Otto-Normal-Sammler wohl kaum zu sehen bekommen dürfte (ausser man ist mehrfacher Millionär :-)


    Aber zurück zum Thema. Ich finde z.B. die Länder von Südamerika interessanter als z.B. Deutschland nach 1945. Dabei handelt es sich nämlich um Marken die man nicht jeden Tag sieht (ausser man sammelt diese :-)


    Du hast Recht, dass Du Gefälligkeitsgestempelte Marken nicht in die Sammlung mit aufnimmst. Wenn ich manchmal bei eBay papierfreie Kiloware kaufe und durchstöbere sind leider viel zu viele von Ländern dabei mit so spannenden Namen wie "Postes Lao", "Dubai", "Kampuchea" etc.


    So ... das reicht erstmal. Jetzt lasse ich mal die anderen zu Wort kommen...


    Gruß
    f-stamps

  • Es gibt eine Menge Gründe, warum ich nach und nach zum Sammeln überseeischer Gebiete gekommen bin. Die Exotik (saschJohn) und "Marken die man nicht jeden Tag sieht" (f-stamps) spielen da auch bei mir eine Rolle. Der Hauptgrund war vielleicht tatsächlich, dass es bei meinen Ländersammlungen von Bund, Berlin, Schweiz etc. einfach kein Überraschungsmoment gab. Alle Marken hatte man irgendwie schon tausendmal gesehen. Wenn ich mir die Sammlung eines Sammlerkollegen ansah, konnte ich durch die Albenseiten gehen: die hab' ich, die hab' ich nicht, die hab' ich etc. Dasselbe traf natürlich auch umgekehrt zu. Selbst die Marken die einem fehlten, kannte man in und auswendig.


    Bei meinen Übersee ist das ganz anders. Ich habe z.B. mit minimalen Mitteln, zu 90% durch Tausch, ca. 200 Marken aus Costa Rica, "der Schweiz Mittelamerikas", zusammengesammelt. Das ist bei weitem nicht meine beste Sammlung, eher ein Sammlungstorso, aber ein gutes Beispiel. CR ist ein sehr seriöses Gebiet, mein Michelkatalog aus dem Jahr 2000 listet 1511 Hauptnummern von 1862 bis 1999. Fuer die letzten 10 vollständig katalogisierten Jahre von 1989 bis 1998 wurden 151 Marken ausgeben. Im Schnitt also 15 pro Jahr—das mag man mit den Ausgaben der Bundesrepublik oder USA (150-200/Jahr) vergleichen.


    Von 200 verschiedenen Bund oder Schweiz dürfte wohl kaum ein Sammler, der über die ersten Schritte hinausgewachsen ist, beindruckt sein. 200 Costa Rica hat allerdings kaum jemand jemals gesehen. Während zu jeder Tages und Nachtzeit auf Ebay Material zur Verfügung steht, um mehrere vollständige Bundesrepublik Sammlungen zu bilden, gilt dies für überseeische Gebiete mit wenigen Ausnahmen nicht. Das Angebot ist sehr beschränkt. Insbesondere dann, wenn man auf einwandfreien und postalisch gestempelten Marken besteht. Ein Teil der Herausforderung bei Überseeländern ist die Geduld, die es braucht um sich aus einer Vielzahl von Quellen und durch viele Tauschgeschäfte eine Sammlung aufzubauen. Natürlich gilt dies auch für alle möglichen Spezialisierungen, hier geht es aber vordringlich um die klassische Ländersammlung.

  • Wie kommt ein Sammler dazu sich von dem zu verabschieden was alle anderen in seinem Verein sammeln? Recht einfach, weil alle anderen das sammeln will er etwas das nicht alle sammeln. ;) (Wahr jetzt wohl das Wort zum Sonntag)


    Genau das ist aber der Grund warum ich Übersee sammle. Als ich mit 19 Jahren einem Sammlerverein beitrat, sammelte ich auch noch Österreich, UNO-Wien und Deutschland. Musste aber nach wenigen Stunden dort feststellen dass mit dem wenigen Geld das ein 19jähriger zur Verfügung hat, kein Staat bei diesen Gebieten zu machen war. Darum entschied ich mich ein Land zu sammeln zu dem ich auch Zugang hatte, (durch Auswanderer in der Familie) und dessen Rundsendungen nicht restlos geplündert wurden. So begann ich mich ernsthaft mit meinen australischen Marken auseinander zu setzen. Familienbande in Down Under waren natürlich dafür recht nützlich, auch kam es gelegen dass nach dem Zusammenbruch der Katalogpreise nach dem Hype der frühen 80er-Jahre, in den späten 80ern und frühen 90ern so manches Stück aus Australien wieder zu halbwegs vernünftigen Preisen zu haben war. Auch wussten die Händler in Deutschland und Österreich zu diesem Zeitpunkt nicht immer wirklich etwas mit diesen Gebieten anzufangen, sodass auch hier das ein oder andere nette Stück in meine Sammlung kam.


    Die Begeisterung welche die australischen Marken auslösten, und nicht zu Letzt ein Pfandleihhaus an der australischen Goldküste in der ich während eines Urlaubsaufenthaltes extrem günstig zu einer Einstiegssammlung Papua Neuguinea kam, veranlasste mich über die Jahre auch die anderen Gebiete des pazifischen Raumes in meine Sammlung aufzunehmen. So kam es dass ich "nur" noch diese Marken sammle, was in der Tat viel mehr ist als wenn ich bei Österreich geblieben wäre. ;)


    Im Zuge der Globalisierung und der zusammengewachsenen Welt ist es heute auch nicht mehr sonderlich schwierig mal Marken von den Fidji-Inseln, von Vanuatu oder Nauru zu sammeln. Ebay & Co. haben das ihrige dazu beitgetragen dass heute solche Sammlungen möglich sind auch wenn der Onkel nicht in Australien oder einer der Inseln sitzt. Dennoch halte ich die Ausgaben dieser Überseeländer noch immer für viel spannender als die Ausgaben der europäischen Postverwaltungen, obgleich ich auch einschränken muss dass ein Abonnement bei der australischen oder neuseeländischen (privatisierten) Postverwaltung genauso eine Belastung sein kann wie bei der Deutschen oder Österreichischen. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

    mit freundlichen Sammlergrüßen
    rolin

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