Bruno zum Ablecke

  • Privat-Briefmarken: Österreich zeigt, was Post


    Er ist berühmt, tot - und hat hierzulande für ereignisreiche Tage gesorgt: Eigentlich, so möchte man meinen, erfüllt „Problembär“ Bruno alle Kriterien, um auf einer deutschen Briefmarke zu landen.


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    Über die Frage, ob man soviel Aufhebens um ein Tier machen sollte, kann man streiten. Aber wer Bruno nicht vergessen will, kann ihn jetzt immerhin ins Briefmarkenalbum sortieren.



    Doch weit gefehlt: „Wenn die Deutsche Post Bruno zum Briefmarkenmotiv machen würde – was unwahrscheinlich ist, – dann erst in ein, zwei Jahren, wenn ihn jeder längst vergessen hat“, ist Berthold Merkel vom Tierschutzbund Bayern überzeugt.


    In Österreich hingegen gibt es einen ganz besonderen Service: Wer die Internetseite anklickt, kann seine eigene Briefmarke gestalten, die von Österreich aus verschickt werden kann. Dank des Tierschutzbundes und des Services der österreichischen Post lebt Braunbär Bruno nun weiter – in Form einer Briefmarke der Alpenrepublik.


    In Deutschland indes ist es undenkbar, dass die Deutsche Post eine solche Serviceleistung erbringt. Merkel ist Tierfreund und Briefmarkensammler. Er hatte also genaue Vorstellungen davon, wie die Bruno-Marke aussehen sollte. Gemeinsam mit einem Grafiker entwarf er das Motiv, und lud es auf die Internetseite hoch. „Das ging völlig problemlos“, schwärmt er.


    Bereits wenige Tage später hielt Merkel den gezackten Bruno in Händen. „Die Marke ist super geworden“, lobt er – auch, wenn der Spaß nicht ganz billig ist: wer beispielsweise einhundert 55-Cent-Marken bestellt, muss pro Stück 1,99 Euro zahlen. „Das ist es mir wert“, sagt Merkel. „Die Marke ist eine Erinnerung für Bruno-Freunde und symbolisiert gleichzeitig die Forderung nach einem wirksamen Wildtiermanagement.“


    Einen kleinen Schönheitsfehler hat sie allerdings: sie gilt nur, wenn sie aus Österreich verschickt wird. Was kein Problem für den Tierschutzbund Bayern ist: „Wir haben unseren Sitz in Garmisch-Partenkirchen – und fahren regelmäßig von dort ins österreichische Ehrwald, um unsere Post zu verschicken.“


    Und Großkunden bietet „meine-marke.at“ seit wenigen Tagen ohnehin einen speziellen Service: „Großbestellungen legen wir einen internationalen Antwortkleber bei, mit dem die Kunden kostenlos einen Umschlag frankieren können, in dem sie ihre Briefe mit ihren eigenen Marken an uns schicken. Wir entnehmen die Briefe, stempeln sie ab und schicken sie noch am gleichen Tag ins Zustellungsland weiter“, informiert Anneliese Senecic von „meine-marke.at“.


    Wirklich jeder könne sich eine persönliche Marke drucken lassen – es sei denn, das Wunschmotiv sei eine „Frau in Nacktpose oder ein politisch inkorrektes Motiv“, wie Senecic sagt. „Sowas wird natürlich nicht gedruckt.“ Die meisten Kunden aber würden ohnehin „unbedenkliche“ Motive wünschen: sie liefern vor allem Baby-, Hochzeits- und Haustierfotos, ebenso Firmenlogos.


    Aus aller Welt kämen die Aufträge für solch persönliche Briefmarken – vor allem aber aus Österreich selbst sowie aus Deutschland. „Daher wollen wir auch bald einen Werbefeldzug durchs Nachbarland starten“, verrät Senecic – und somit der Deutschen Post zahlungskräftige Kunden wegschnappen.


    Warum die Deutsche Post eigentlich keinen solchen Service anbietet, ist den Österreichern ein Rätsel. „Es ist ein lukratives Geschäft“, sagt Senecic. „Die Kunden freuen sich über den Service, und uns beschert er einen ungeheuren Imagegewinn.“ Merkel vom Tierschutzbund hat eine Erklärung parat, warum sich der hiesige Gelbe Riese dies dennoch nicht leistet: „Die Post bei uns ist einfach hintendran. Sie wurde viel zu spät privatisiert.“


    Der Bonner Konzern widerspricht: „Wir geben die Marken gar nicht heraus, wir vertreiben sie nur“, sagt ein Mitarbeiter. Zuständig für die Herausgabe sei das Bundesfinanzministerium, das diese Aufgabe als „hoheitlichen Akt“ betrachte. „Personalisierte Briefmarken passen nicht zum Bildungsauftrag, zu dem sich die Bundesrepublik verpflichtet hat“, informiert Ulrike Bohm, Leiterin des Referats Postwertzeichen im Bundesfinanzministerium.


    Statt individuellen Motiven sollen „grafisch hochwertige Erzeugnisse“ verschickt werden, eine Briefmarke sei schließlich „eine Botschafterin des Landes“. Ein ehrwürdiger Altkanzler darf so auf eine Marke – ein „Problembär“ hingegen nicht. In Summe dauere es übrigens zwei Jahre, bis ein Expertenteam hierzulande eine perfekte Marke austüftelt und auf den Markt bringt.


    Anders die Österreicher: Hier genügen wenige Mausklicks – und ab die Post. Die 55-Cent-Bruno-Marke kann über die Faxnummer 0 89 / 41 26 59 23 02 oder im Internet über für zwei Euro pro Stück bestellt werden.


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