Finnland Feldpost-Vorläufer

  • Feldpost Vorläufer, was soll das sein?


    Finnland ist ein relativ junger Staat, der erst 1917 durch den Zerfall des russischen Kaiserreiches entstand. Jedoch existierte bereits vorher eine militärische Keimzelle aus der sich die ganze finnsiche Armee entwickelte, und auf die diese sich heute noch beruft.


    Im ersten Weltkrieg (ganz im Gegensatz zum zweiten...) tat sich die Deutsche Heeresleitung sehr schwer damit ausländische Kriegsfreiwillige in ethnisch einheitlichen Formation zu gruppieren. Es gab (zumindest vor dem "Frieden" von Brest-Litovsk) nur eine einzige solche Einheit.
    Schon kurz nach Kriegsausbruch hatte sich die politische Führung der finnischen Seperatisten mit militärischen Stellen in Berlin in Verbindung gesetzt, um die mögliche Ausbildung von Finnen zu erörtern. Nach langen Verhandlungen genemigte das Kriegsministerium im Februar 1915 die Bildung des "Pfadfinder-Lehrkursus Lockstedter Lager". Diese Tarnbezeichnung wurde bereits im September 1915 in "Ausbildungstruppe Lockstedt" geändert.


    Ab Mai 1916 war eine finnische Formation in der Stärke eines überdimensionierten Bataillons frontverwendungsfähig und erhielt die Bezeichnung "Königlich Preußisches Jägerbataillon 27". Der Verband wurde für den Rest des Krieges an die Kurlandfront verlegt um dort Kampferfahrung zu sammeln. Oft mußten die deutschen Kommandeure das Bataillon vor dem "verheizt werden" durch höhre deutsche Stäbe schützen, die sich der historischen Relevanz dieser Truppe nicht bewußt waren.


    Aber schließlich, als abzusehen war, das die finnische Unabhängikeitserklärung in absehbarer Zeit erfolgen würde, sickerten die finnischen Jäger ab November 1917 in ihrer Heimat ein. Im kurz darauf ausbrechenden Bürgerkrieg innerhalb Finnalnds, bildeten die Jäger das Rückrad der neuen Finnischen Armee. Ihre Ausbildung kommt (zumindest für die Zeit des 1. WK) dem nahe, was wir heute unter Kommandokräften oder Special Forces verstehen. Damit und mit der Kampferfahrung von der Front in Kurland, fiel ihnen die Aufgabe zu die erste Generation der finnischen Armee auszubilden.


    Im Winterkrieg von 1939 waren ein guter Teil der höheren Offiziere der finnischen Armee immer noch ehemalige Jäger.


    Somit werden Feldpostbelege des Königlich Preußisches Jägerbataillon 27 heute als Finnland Feldpost-Vorläufer angesehen.
    Da es für die finnischen Freiwilligen nicht möglich war nach Hause zu schreiben, sind nur Belege des deutschen Rahmenpersonals bekannt.


    Mir sind vor kurzem sieben Feldpostkarten aus der Korrespondenz eines Obergefreiten Petersen in die Hände gefallen, die ich hier jetzt mal vorstellen möchte.


    1: 02.03.16 Lager Lockstedt (ein Nachweis des Zusammenhanges mit den finnischen Jägern ist hierbei nur möglich, weil die restlichen Karten Petersens vorhanden sind. Ohne die späteren Postkarten dieser Korrespondenz wäre es nur eine ganz gewöhnliche Feldpostkarte mit ganz nettem Stempel).
    2: 29.12.16 Feldpoststation 168 (Libau)
    3: 22.02.17 Feldpoststation 33 (Tuckum) (leider kein Stempel...)
    4: 08.03.17 Feldpoststation 33 (Tuckum)
    5: 30.07.17 Feldpoststation 161 (Libau)

  • 6: 15.08.17 Feldpoststation 214 (Mitau)
    7: 29.08.17 Feldpoststation 161 (Libau)


    Quellen:
    Forschungsbericht der Forschungsgruppe Postgebiet Ob.Ost Nr. 21 (1989), Seiten 23-30
    Röttger, W.-D.: Das königlich Preußische Jägerbataillon 27

  • Zitat

    Original von asmodeus
    Nein, ich hatte eine farbige Litho- Karte mit Abbildung des Kaisers und Lockstedt Lager mit entsprechenden Stempel als Feldpost gelaufen. Mir schwahnt übles..... Leider schon verkauft.


    Lager Lockstedt ist sowas ähnliches wie Sennelager (das sagt Dir was, oder?).


    Also mach Dir nichts draus!
    Das es Feldpost der finnischen Jäger war ist so gut wie ausgeschlossen.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

    Voltaire

    2 Mal editiert, zuletzt von Lacplesis ()

  • Auch wenn der Feldpost-Beitrag schon alt ist, ich würde gerne etwas dazu schreiben.
    Vorher aber einen fröhlichen guten Abend den Sammlern.
    Den Ort, also das Lager Lokstedt, gibt es heute noch. Von den finnischen Jägern lebt selber keiner mehr, aber die Tradition ist rege und lebendig. Die Jäger bildeten den Grundstock der neuen finnischen Armee und ihren Offizierscorps und haben den Kontakt zu ihrer Ausbildungsstätte niemals abreissen lassen. Bis in die 50er Jahre hieß der Ort Lockstedter Lager, heute ist es Hochenlockstedt. Falls jemand Feldpostkarten hat von Jägern und sie für ihn selber wertlos sind, würde sich das Museum in Lola (so nennt man den Ort im Volksmund immer noch) sicherlich darüber freuen. Die sind immer dankbar für ungewöhnliche Sachen.