Philatelie in Rom (August 2006)

  • Was den Philatelisten in Paris und London erwartet, habe ich ja schon im Briefo-Forum geschrieben (die Seiten sind leider derzeit offline). Die Serie wird natürlich weitergeführt und dabei hoffe ich insbesondere auf Asmodeus´s Reisebericht aus Skandinavien.


    Heuer war Rom an der Reihe.



    Rom beeidruckte mit Hitze, alten Steinen (sehr vielen alten Steinen), ausgesprochen wenig Straßenverkehr und irren Mengen an Touristen. Daß eine 3 Millionen Metropole mit nur zwei U-Bahn Linien auskommt, war überraschend, aber nicht weiter schlimm. Schließlich stolpert man nach jeder zweiten Hausecke über weitere "alte Steine" die man UNBEDINGT sehen muß.

  • Irgendwie hat sich die Misere des letzten Jahres in Paris (ich entdeckte die Läden erst nach Geschäftsschluß) insofern wiederholt, als scheinbar fast alle Händler in Rom Urlaub machten.


    Die erste Adresse fanden wir in der Via Nazionale 204. Leider war die Galleria del Francobollo geschlossen (urlaub bis 4. Sept.).

  • Kein Problem...die nächste Philatelie ist ja gleich um die Ecke in der Via Santa Marina Maggiore (Filatelia Santa Marina Maggiore). Man glaubt es kaum, der Laden war geöffnet! Ein Fremdsprachenunkundiger älterer Herr verschanzte sich hinter dem Tresen und kommandierte seine (wahrscheinlich) Gemahlin in den Tresorraum, um einen bescheidenen Vorrat an Lombardei / Venetien 15 Centesimi Frankaturen hervorzukramen.

    Mit Deutsch / Englisch / Französisch / äußerst schlappem Spanisch / Italienisch und wild gestikulierender "Hände / Füße"-Sprache zu erklären, woran man philat. interessiert ist, war gar nicht so einfach.


    Die Auswahl war schmal, die Preise den Touristen angepaßt, die Qualität...naja. Leider keine Rede von südländ. Geduld. Nach ca. 5 min wurden wir mit einem Ciao hinauskomplementiert (sorry, daß ich mich für seine "Ö.-Rotary-Ausgaben" der 1. Rep. nicht die Bohne interessierte). Lag es an meiner Ignoranz seiner feilgebotenen Ware, oder doch eher am 12.00h Glockenschlag? Wir werden es wohl nie erfahren.

  • Nach vielen alten Steinen (irgendwann sehen alle Ruinen und Tempel gleich aus) und entnervt wegen den bisherigen philat. Pleiten eine offene Philatelie zu finden, wagten wir einen letzten Versuch das Orakel "La Bocca della Veritá" gegenüber des Tempels der Vesta zu befragen....alleine wir scheiterten an der Masse an abergläubigen Japanern.

  • Immerhin gibt es einen fixen Punkt in Rom wo immer Geschäfte mit Marken gemacht werden...im Vatikan! Für die Sondermarkenausgaben hatte ich wenig Interesse (obwohl sie mir ohne langes Fragen feilgeboten wurden), aber ein paar Grußkarten wollte ich dennoch in den schmucken Postkasten einwerfen. Im Übrigen: die Vat. Museen + Sixt. Kapelle sind sicher beindruckend oppulent...aber kein Erlebnis im Gegensatz zum sehr zu empfehlenden Museé d´Orsay in Paris. Die Treppe hatte allerdings ´was...

  • Na, jedenfalls haben wir´s dann aufgegeben, nach weiteren Philatelie-Läden zu suchen und einen Ausflug in die Villa d´Este in Angriff genommen (ich muß sagen: das High-Light der Rom Reise). Endlich ein bisschen ausspannen und genießen. Die Fahrt mit dem Bus nach Tivoli hat sich aufgrund des alten Reiseführers ein bisschen komplizierter gestaltet, als geplant. Achtung: die Busse gehen bei Ponte Mammolo und nicht bei Rebibbia weg (dort gibt es wohl eine Haltestation, aber keine Billets). Nach einer ziemlich lahmen Fahrt durch wenig attraktive Vorstädte und Landstraßen erreicht man nach knapp 45 min den kleinen Ort Tivoli. Auch hier sollte man nicht darauf hoffen, einen Tip vom Busfahrer zu bekommen, am Ziel zu sein. An der nächsten Haltestelle machte sich eine gewisse Nervösität breit und knapp 40 Touristen schleppten sich den heißen Weg zurück auf den Berg. Auch hier kein signifikantes Wegschild zur Villa d´Este (offensichtlich ein seltsamer Brauch des ital. Tourismus-Wirtschaft). Mit Herumfragen, oder ein bisschen im Kreis laufen schafft man aber auch die letzten Meter zur Villa d ´Este. War doch gar nicht so weit...


    Die Villa selber ist nett, aber nicht unbedingt sehenswert (alle Paläste schauen ja eigentlich fast gleich aus)...aber der Garten ist ein Wahnsinn. Wirklich wunderschön. Da bleibt man gerne ein bisschen länger sitzen und sucht nach immer neuen Eindrücken. Bei Nacht muß diese Anlage noch imposanter wirken.

  • Zurück in Rom ging es Richtung Spanischer Treppe (nicht wegen der Treppe, sondern wegen den obligaten Schuh- und Taschen-Geschäften in den abzweigenden Straßen). Welch Wunder: meine Frau konnte diesmal nichts passendes finden! Beinahe hätte ich vergessen. Da war noch eine Philatelie am Weg. Gleich in der Via dei due macelli 106 gibt es einen Toreingang. Im Innenhof das gewohnte Bild....geschlossen!


    Zur Beruhigung meiner tapfer durchhaltenden Frau (die Wege waren weit und die Blasen auf den alt-beschuhten Sohlen groß) genossen wir noch einen entspannten späten Nachmittag im Park der Villa Borghese.