Hurtigrutenschiff MS NORDSTJERNEN zum 50. Geburtstag in Hamburg

  • Seit 50 Jahren ist die MS NORDSTJERNEN als Post- und Touristenschiff auf der legendären Hurtigrute unterwegs. Der in Hamburg gebaute Liner kommt am 21. und 22. September in seinen Heimathafen und kann jeweils von 8.30 bis 16.30 Uhr im Hamburger Cruise Center besichtigt werden. Unter anderem gibt es eine Briefmarkenausstellung auf dem Schiff sowie einen deutschen und einen norwegischen Sonderstempel. Das Jubiläum ist Anlass für einen Blick auf eine der berühmtesten Schiffsrouten der Welt.



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    Die Jubilarin: die 50 Jahre alte MS NORDSTJERNEN.



    Die über rund 4.500 Kilometer entlang der norwegischen Küste verlaufende Hurtigrute gilt als schönste Seereise der Welt. Naturschauspiele am Himmel und im Wasser sowie der Blick auf prachtvolle Küstenpanoramen und spektakuläre Landschaften faszinieren die Mitreisenden. Das sind derzeit besonders Touristen. Sie erleben Tourismus in seiner ursprünglichen Form, denn die 14 aktiven Hurtigrutenschiffe sind nicht nur schmucke Kreuzfahrer, sondern vor allem praktische Transportmittel für den regelmäßigen Güter- und Postverkehr entlang der norwegischen Küste. Als solche stehen sie in einer langen Tradition.


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    Der Gründer der Hurtigruten: Richard With (Norwegen MiNr. 1127).



    Schon 1804 hatte man von Trondheim nach Alta Ruderboote eingesetzt, die mühevoll den Post- und Gütertransport übernahmen. Sie verbanden die vielen kleinen Küstenorte mit den Dörfern auf den davor liegenden Inseln. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts konnte man die Vorzüge der Technik nutzen und Dampfschiffe einsetzen. Da aber keine zuverlässige Seekarte vom ganzen norwegischen Seeraum existierte, konnten die Männer die riskanten Wege zwischen all den Inseln und Schären nur am Tag und bei gutem Wetter antreten. An einen regelmäßigen Bootsverkehr war also noch nicht zu denken.



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    Die D/S VESTERAALEN war das erste Schiff der Hurtigruten (links). Die MS NORDSTJERNEN und HARALD JARL sind seit 1956 bzw. 1960 im Einsatz (Norwegen MiNr. 748 und 750).



    Doch mit den Heringen schlug die Stunde der Mutigen und Entschlossenen. 1880 kamen riesige Heringsschwärme zu den Vesteraalen, einer lang gestreckten Inselgruppe nördlich der Lofoten. Fischerleute strömten von nah und fern an den Eidsfjord und Kapitän Richard With aus Risoyhamn beklagte: "Es ist ein Hundeleben, den Hering einfach zu salzen und ihn nicht loszuwerden." Deshalb forderte er: "Wir brauchen Dampfschiffe, die sowohl als Schlepper wie auch als Frachter dienen." Nun wollte auch die Regierung in Oslo die Verbindungen zwischen dem Nordosten und dem Südwesten des Landes verbessern. Mit ihrer Unterstützung lag 1891 endlich die erste Seekarte entlang der norwegischen Küste vor.


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    Die norwegische Postschiff-Hurtigrutenflagge zeigt den Posttransport an.


    Damit konnte auch die heutige Hurtigrute geplant werden. Am 2. Juli 1893 war es endlich soweit: Die D/S VERSTERAALEN legte in Trondheim mit Kurs Norden ab, zum rund 1.500 Kilometer entfernten Hammerfest. Am Ruder stand Kapitän With. Er wurde zum umjubelten Pionier dieser Ganzjahresverbindung auf dem Seeweg und ihm gelang in einer Woche, wofür man zuvor mehrere Wochen benötigt hatte - und das verlässlich. Daher auch der Name, denn Hurtigrute bedeutet übersetzt "Schnellverbindung" oder "Schnellroute".


    Gemeinsam mit einem Team von Ingenieuren entwickelte der findige Seemann ein Navigationssystem, das der Küstenschifffahrt auch das Fahren bei Nacht ermöglichte. Für die entsprechende Beleuchtung war bald gesorgt, denn 1895 wurde mit der DS OLAV KYRRE das erste Hurtigrutenschiff mit elektrischem Licht in den Dienst gestellt.


    1898 dehnte man die Verbindung bis Bergen aus und 1911 legte ein Staatsvertrag das heute nur zehn Kilometer von der Grenze zu Russland gelegene Kirkenes als nördlichen Wendepunkt der Hurtigrute fest. Ab 1922 lief man auch die Inseln der Lofoten und Vesteraalen regelmäßig an. Die Nachfrage stieg so weit, dass man ab 1936 tägliche Abfahrten anbot. Schließlich waren 1939 insgesamt 14 Schiffe auf der Hurtigrute unterwegs. Durch Verluste während des Zweiten Weltkriegs schrumpfte ihre Zahl aber bis 1945 auf nur noch drei, mit der Folge eines stark eingeschränkten Fahrangebots.


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    Die Sonderstempel der Deutschen und der Norwegischen Post anlässlich des Jubiläums der MS NORDSTJERNEN.



    Man brauchte also neue Schiffe. Und so wurden 1954 bei den weltberühmten Schiffsbauern von Blohm und Voss in Hamburg gleich drei Neubauten geordert: die MS RANGVALD JARL, die MS FINNMARKEN und die MS NORDSTJERNEN. Monatelang wurde an den stählernen Kolossen geschweißt, genietet, geschraubt und montiert. Das waren historische Momente, denn erstmals nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die alliierten Siegermächte den Bau von Hochseeschiffen in Deutschland erlaubt. Als erstes der drei Schwesterschiffe wurde die MS NORDSTJERNEN fertig gestellt. Zahllose glückliche Werftarbeiter feierten, als am 26. Oktober 1955 beim Stapellauf das rund 2.200 Bruttoregistertonnen schwere Schiff ins dunkle Elbwasser rutschte - und schwamm. Deutsche Werftarbeit war wieder möglich geworden!


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    Am 24. Februar 1956 übergab Blohm und Voss die MS NORDSTJERNEN ihrem Auftraggeber, der Reederei Bergenske Dampskibsselskab A/S. Die setzte das bis zu 16,5 Knoten schnelle Schiff fortan auf der Hurtigrute ein. Angetrieben von derzeit rund 3.600 PS pflügt der Koloss unbeirrbar durch das Nordmeer. Im Inneren verleihen knarrende Hölzer und gemütliche Salons der MS NORDSTJERN ihre unverwechselbare Atmosphäre, die aber noch einmal von dem einzigartigen Blick auf das atemberaubende Küstenpanorama übertroffen wird.


    Bis heute bilden die alte Hansestadt Bergen im Süden den Startpunkt und die Erzstadt Kirkenes im Norden den Ziel- bzw. Wendepunkt der knapp sechs Tage dauernden Tour. Dabei werden mittlerweile jeweils 35 Häfen angelaufen, Paletten mit Lebensmitteln und Konsumgütern sowie Post und Zeitungen verladen und Schulkinder transportiert. Denn für kleinere Küstenorte sind diese Postschiffe bis heute oft die einzige regelmäßige Verbindung zur Außenwelt. Und als Nachweis für den Postdienst flattert auf dem Heck jedes Hurtigruten-Schiffs sogar eine spezielle Postschiff-Flagge.




    Informationen zum Sammelgebiet:
    NAVICULA e.V.
    Ingo Maahz
    Almerweg 5
    26624 Südbrookmerland



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