Verlage machen Post bei Briefen Konkurrenz

  • Zusammenarbeit beschlossen. Verbraucherverband erwartet bessere Qualität bei der Zustellung. Auch Preise dürften sinken.



    Hamburg -


    Die Deutsche Post muß sich spätestens mit dem Ende des Briefmonopols Anfang 2008 auf harte Konkurrenz einstellen. Die Verlage Axel Springer, Georg von Holtzbrinck und WAZ wollen bereits 2006 ihre bestehenden Aktivitäten im Postmarkt bündeln und ein gemeinsames bundesweites Zustellnetz für Briefe aufbauen. "Wir wollen im Briefmarkt zur klaren Nummer zwei nach der Deutschen Post aufsteigen", sagte Günter Thiel (53), Vorstand des neuen Unternehmens, das gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Rosalia AG in Luxemburg gegründet wird. "Bis 2010 wollen wir einen Umsatz von einer Milliarde Euro erzielen." Vor einigen Tagen kündigte bereits die Hamburger Hermes Logistik-Gruppe an, eine Tochter des Otto-Konzerns, stark ins Briefgeschäft einzusteigen.



    Der neue Verlagsverbund möchte bundesweit ein eigenes Netz mit Briefkästen und Filialen aufbauen, bei denen auch Briefmarken gekauft und Sendungen abgegeben werden können. Zunächst gelte das Angebot vornehmlich für Geschäftskunden, so Thiel: "Bis Ende 2006 wollen wir dann flächendeckend zustellen. Spätestens ab 2007 bieten wir das komplette Angebot auch Privatkunden an", sagte Thiel dem Abendblatt. Unter welcher Marke das Unternehmen bundesweit auftrete, stehe noch nicht fest. Zunächst muß der Zusammenschluß vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Das Kartellamt konnte noch nichts über den Ausgang der Prüfung sagen.


    Der verbrauchernahe Verband für Post und Telekommunikation (DVPT) begrüßte die neue Konkurrenz: "Die Verbraucher werden von mehr Wettbewerb im Briefmarkt profitieren. Die Marktöffnung wird vor allem Qualitätsverbesserungen in der Zustellung bringen", sagte Vorstand Elmar Müller. "Zwiespältig ist jedoch, daß derzeit nur finanzkräftige Firmen neue Briefnetze aufbauen können. Wünschenswert wäre, wenn auch kleinere Anbieter künftig in dem Markt eine Chance bekommen."


    Der deutsche Briefmarkt hat laut Bundesnetzagentur einen Umsatz von rund elf Milliarden Euro. 95 Prozent der Briefe werden auf Grund des noch bestehenden Monopols für Briefe bis 100 Gramm von der Deutschen Post befördert. Den übrigen Marktanteil von fünf Prozent teilen sich rund 900 Firmen, die meist regional aktiv sind und vor allem Geschäftspost befördern. Den Kunden bringe der Wettbewerb schon heute günstigere Preise von bis zu 35 Prozent, so Marktkenner.


    Die Deutsche Post hat sich auf die neue Konkurrenz eingestellt, sagt Postsprecher Dirk Klasen: "Die Öffnung des Briefmarktes steht fest. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, daß sich Wettbewerber jetzt in Position bringen." Lars Torlinski, Analyst der Hamburger Sparkasse, ist überzeugt, daß die Deutsche Post AG wegbrechende Marktanteile durch neue Engagements im Ausland ausgleichen werde.


    Die Verlage wollen mit dem Einstieg ins Briefgeschäft zusätzliche Erlöse erzielen. "Wir verfügen schon heute über die Strukturen und Kompetenzen in der Zustellogistik", sagte Holm Münstermann, Leiter des Post- und Zustellgeschäfts bei Axel Springer. Die PIN AG, die Axel Springer (Hamburger Abendblatt, "Bild") mit Holtzbrinck ("Die Zeit", "Tagesspiegel") betreibt, sei schon heute der größte Briefzusteller in Berlin neben der Post.


    Für die bundesweite Präsenz wollen die Verlage jetzt ihre bestehenden regionalen Postdienstleister PIN AG (Berlin, Leipzig, Köln, Frankfurt), WPS (Ruhrgebiet), ThPS (Thüringen) und PDV (Hamburg) bündeln und weiter ausbauen. Die Gesellschafter sind mit je 25 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt, das mit 24 Millionen Euro Stammkapital ausgestattet ist.




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