Zwei alte Obstsorten machen Karriere

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    Gelterkinder Kirsche auf der Zweifranken-Marke.



    Die Seeländer Künstlerin Flavia Travaglini hat zwei neue Sondermarken gestaltet, die alten Obst- sorten gewidmet sind. Ab heute sind die Marken an den Postschaltern erhältlich.


    Ein knackiger Apfel ist es, grasgrün mit roten Streifen, ein «Spätlauber». Seit etwa 250 Jahren gibt es diese Sorte, aber so weit verbreitet wie ab heute war sie wohl noch nie. Denn seit heute morgen gibt es den «Spätlauber» an jeder Poststelle. Die Frucht ziert die Dreifranken-Marke einer neuen Sonderserie der Post. Eine zweite Marke zeigt die Gelterkinder Kirsche. Die Serie, welche von der Pieterlerin Flavia Travaglini gestaltet wurde, ist alten Obstsorten gewidmet.


    Wie eine Geburt


    «Die Marken zu gestalten war wie eine Geburt», sagt die Künstlerin. Mit Unterstützung eines Experten der Stiftung Pro Spezie Rara machte sie sich auf die Suche nach den selten gewordenen Obstsorten. Sie passte den richtigen Zeitpunkt ab - den Moment, in dem die Früchte in voller Reife stehen. Das ging nicht immer gut, erinnert sich Flavia Trava-glini. Einmal ging ein Hagelzug über die erntereifen Früchte - die Arbeit musste um ein Jahr verschoben werden.
    Sind die Früchte geerntet, geht die Arbeit los - «mit höchster Konzentration», sagt Travaglini. Denn die Perfektionistin ist mit halber Arbeit nicht zufrieden. Sie betont die typischen Merkmale einer Fruchtsorte, etwa die charakteristische tiefe Stielgrube der Gelterkinder Kirsche auf der Zweifranken-Marke. So entstehen Aquarelle wie in alten biologischen Büchern.


    Kirschen ohne Flecken


    Die Gelterkinder Kirsche war einst die liebste Tafelkirsche der Basler Patrizier. Die hellfleischigen Früchte hinterliessen nämlich auf den weissen Kleidern der Kinder keine Flecken. Heute wird sie vorwiegend als Einmachkirsche verwendet. Der «Spätlauber» stammt aus dem Thurgau und war vor allem im Bernbiet und im Elsass weit verbreitet. Der Apfel ist besonders als Most- und Kochobst geeignet.
    Zu einem späteren Zeitpunkt kommen zur Serie noch die Vierfranken-Marke mit der Hauszwetschge sowie die Fünffranken-Marke mit der Cattillac-Birne dazu.
    Flavia Travaglini ist in Büren aufgewachsen und lebt seit 1998 in Pieterlen. Natur, Früchte und Pflanzen bedeuten ihr viel und liefern ihr immer wieder Sujets für ihre Arbeiten. So hat sie die Kochbuchreihe «Frühling, Sommer, Herbst und Winter» in der Küche des berühmten Kochs «Chrütter Oski» illustriert.
    Info: Am Sonntag von 14.30-15.30 Uhr signiert Flavia Travaglini an der nationalen Briefmarkenausstellung in Baden die von ihr gestalteten Ersttagsumschläge.


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