Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Ich hatte den Zensurstempel Typ 13 für das Feldpostamt 114 bereits einmal auf einem anderen Brief zeigen können. Hier ist der Stempel noch klarer. Und wie der Stempel vorderseitig beweist, hat Speeckaert sich hier geirrt. Ob es sich um einen Tippfehler handelt oder um einen Lesefehler beim (eventuell schwachen) Feldpoststempel weiß er nur selbst.


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  • Karte mit Stempel der aktiven Armee und Zensurstempel "D.Z." im Kreis mit Zierstücken oben und unten. Speeckaert hat den Stempel unter denen mit unbekannter Herkunft gelistet. Möglicherweise gehört er zu Sysran, dem Ankunftsort hier.


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  • Ansichtskarte nach Ardatow mit Zensurstempel Typ 7 für Armeeeinheiten vom März 1915 hier in lila statt violett. Nach Speeckaert wurde der Stempel Geprüft - Militärzensor - Dobrowolski beim Schwerartillerie-Regiment Kowno verwendet. Die Ansicht zeigt Kowno, im Nebenstempel ist aber 508. Infantrieregiment Nischni-Nowgorod - 1. Abteilung (?) zu lesen.


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  • Der Aufstellungsort bzw. Kasernierung der russischen Einheit war in Nishnij Nowgorod. Aktiv war die 1. Kompanie der 508. Druschina (Landwehr) zu dieser Zeit augenscheinlich in der Festung Kowno.

    Der Ort war Teil von einigen Sperrfestungen in Weißrussland die im Nordabschnitt der Front (Deutsches Reich) hart umkämpft waren. Hier waren sehr viele Truppenteile aus dem ganzen russischen Reich im Einsatz. Dies erklärt auch die enorme Vielfalt von russischen Zensuren (Armeeeinheiten, Feldpost) in der Frühphase der Kämpfe. In den Folgejahren wurden die Russen immer weiter nach Osten zurückgedrängt - teilweise die Zensuren mitgenommen und anderenorts verwendet.

    Erster Beleg Poststempel Kowno, zweiter Beleg russischer Formationsstempel mit der identischen Zensur von Zensor "Dobrowolskii" - im zweiten Nachtrag berichtigt sich Speeckaert entsprechend.


  • Im Lager Sarapul/Wjatka waren überwiegend böhmische Kriegsgefangene interniert.

    Anbei ein Kriegsgefangenenvordruck der Hauptpost Petrograd in erster Auflage aus Jelabuga/Wjatka mit dem Typ 7 der im ersten Nachtrag vermerkt ist. Hier aus Oktober 1915. Generell gibt es aus diesem Zensurort eine Reihe nicht gelisteter Stempel.


  • Nach längerer Pause meinerseits und technischen Problemen von HSV-Fan möchte ich nun zwei ungewöhnliche Stempel vorstellen. Der erste aus Chabarowsk am Amur der nur auf Eingangspost - nach Russland vorkommt.

    Vordruck österr. RK aus Saaz/Böhmen über das GZNB in Wien (Zensurabteilung in Wien) nach Spasskoje/Primorskaja. Er wurde in Moskau zensuriert (Speeckaert Typ 8 - Zensor 451). Weiterleitung

    nach Chabarowsk. Ankunft in Spasskoje handschriftlich 9.3.17.

    .

    Zur besseren Sichtung gedreht und vergrößert der ominöse Stempel aus Chabarowsk.

    Hier der russische Text - "Хаб. Спр. Отд. по дел в./п." = Хабаровскъ Справочрое Отделнiе По Деламъ Военнопленныхъ = Chabarowsk Auskunftsabteilung für Kriegsgefangene.

    Auskunftsabteilungen wurden spätestens 1915 in den Lagern geschaffen um für einen besseren Postaustausch zu sorgen. Dies ist kein Zensurstempel, jedoch ist eine Aufsichtsfunktion wahrscheinlich.

    Dies geht noch besser aus dem folgenden Stempel hervor.


    Russischer Vordruck für Kriegsgefangene des turkestanischen Postdistriktes von einem tschechischen Kriegsgefangenen in die Heimat. Wieder über die Moskauer Zensurstelle und Wien.

    Der Kastenstempel ist ein Lagerstempel und kommt nur auf ausgehender Post vor.


    "ЧЕРНЯЕВЪ ЛАГЕРЬ" = Tschernjajew Lager. Verwendung in Tschimkent/Syr Darja/Turkestan war das Lager in der Garnison Tschernjajew in der Stadt Tschimkent.

    Diese Art Stempel kommt erst ab September 1916 in den turkestanischen Lagern vor. Man nimmt an, dass ihre Einführung mit dem im Sommer 1916 stattgefundenen Sarten-Aufstand (einheimische Bevölkerung) zusammenhängt. Er brach durch die Rekrutierung neuer Soldaten unter den Einheimischen und Requirierung von Pferden aus. Der russische Militärgouverneur machte die Kriegsgefangenen (teilweise) dafür verantwortlich. Da aus der Zensur in Turkestan, diese wurde zentral in Taschkent durchgeführt, keine Ortsbestimmung möglich war kam es wahrscheinlich durch die argwöhnische Staatsmacht zur Einführung dieser Stempel. Auch hier im eigentlichen Sinne keine Zensur, da auch schriftlich nicht vermerkt aber in kyrillisch also nicht für ausländische Stellen gedacht, hatte dieser sicherlich einem überwachenden Hintergrund. Zum gleichen Zeitpunkt wurden die vielen Lager in auch kleineren Orten in Turkestan aufgelöst und große Lager geschaffen bzw. dorthin verlegt.

  • Aus der Stadt Wetluga im Gouvernement Kostroma (mittleres europäisches Russland) sind zwei Stempel bekannt die ebenfalls nicht als Zensurstempel anzusehen sind, da der eine ein Dienstsiegel ist und der andere ein Polizeistempel. Beide sind trotzdem im Katalog von Speeckaert genannt und abgebildet. Wobei die beiden Typen nicht mit der Beschreibung übereinstimmen - sie wurden vertauscht.

    Gerade in Örtlichkeiten mit Zivilinternierten, also Reichsdeutschen und KuK Staatsbürgern die sich bei Kriegsausbruch in Russland aufhielten bzw. dort sesshaft waren und in der Folge in zumeist abgelegene Gebiete von Nordrussland deportiert wurden, gab es keine militärische Bewachung, sondern eine regelhafte Meldepflicht bei der örtlichen Gendarmerie der auch die Post ausgehändigt wurde. Dort fanden die oben beschriebenen Stempel Verwendung. Oft genügte auch ein handschriftlicher Vermerk, entweder als Zensur oder Weiterleitung an eine Zensurstelle.

    Umschlag aus Wetluga im Oktober 1914 über Moskau (Zensurstempel "Д.Ц.") nach Kopenhagen.

    Der Negativ-Stempel ist das Dienstsiegel, klare Abschläge sind nicht bekannt - Schrift nicht lesbar. Speeckaert Typ 1 in der Beschreibung, hier jedoch aus 10.14 und fälschlich Typ 2 in der Abbildung.

  • Mein letzter Beitrag ist nun anderthalb Monate her. In der Zwischenzeit lag ein super netter Besuch bei anhei64. Beide konnten beim Tausch einige neue Belege für die Sammlung bekommen. Also könnte ich ja was zeigen, aber Pustekuchen. Wie anhei64 schon angedeutet hat, gibt es ein technisches Problem. Nach dem Kauf eines neuen PC unterstützt Windows 10 den Treiber meines Scanners nicht mehr. Es muss ein neuer her. :( Jedoch kann ich eine Neuerwerbung aus einer Auktion zeigen und von da das Foto entnehmen. 

    Hier ganz ähnlich wie anhei64 es vorher beschrieben hat auf einem Abschnitt für einen Geldtransfer von 30 Rubel von Archangelsk nach Schitomir, auf dem sich verschiedene Stempel befinden: 

    M.W.D. -- Archangelsker Polizeimeister sowie Tschik. Wofür M.W.D. und Tschik stehen kann ich nicht sagen. Des weiteren der Stempel No. 560 S.(tadt) Archangelsk und der Zensurstempel Geöffnet Militär-Zensur. Letzterer befindet sich nicht im Speeckaert. 

    Konnte die Polizei bei Bedarf die Post auch selber einziehen oder wurde die dann weitergereicht und dieses dann durch die Militärzensur gemacht? 



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  • Der Zweizeilenzensurstempel ist aus Archangelsk (Typ 5).

    Die postalische Geldanweisung ( ganz oben gedruckt steht Abschnitts-coupon=Aufgabequittung) wurde nach meinem Empfinden an den Polizeimeister ausgehändigt, von ihm an die Zensurstelle und dann das Postamt in Archangelsk weitergegeben. Von dort nach Schitomir/Wolhynien an den Empfänger versendet.

    Hier ein Kriegsgefangenenvordruck ursprünglich aus Troitzkosawsk/Transbaikalien, gebraucht in Newjanskji Sawod/Jekaterinburg/Perm. Vom Kriegsgefangenen über den Polizeioffizier des 1. Gerichts des Jekaterinburger Distriktes im Gouvernement Perm und weiter nach Petrograd zur Zensur.

  • Der Moskauer Zensurstempel Typ 8 (nach Speeckaert) ist wohl der häufigste anzutreffende Stempel dieser Fraktion. Tatsächlich gibt es selbst hier einiges Ungewöhnliches zu entdecken.

    Gelistet sind die Nummern zwischen 2 - 751, hier die ausstehende Nr. 1 auf einem Briefstück, wohl der Ausschnitt eines Streifbandes von Moskau nach London.

  • M.W.D. -- Archangelsker Polizeimeister sowie Tschik. Wofür M.W.D. und Tschik stehen kann ich nicht sagen. 

    M.W.D. = Министерство внутренних дел (Innenministerium)


    Tschik könnte eine Abkürzung für Чиновник sein. Dafür spricht, dass eine Unterschrift folgt, dagegen, dass ich diese nicht in Nachschlagewerken und über Yandex finden konnte, diese auch in neuer Zeit nicht untergekommen ist und die Form ihrer Bildung ungewöhnlich ist.


    Der Stempel


    Дос ______18/II  

    согласно надписи на повестке [gemäß Aufsschrift auf der Ladung]

    Чик Unterschrift


    könnte evtl, eine Gefängniszensur sein.

    Gibt es Text auf der Rückseite?



    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Ich gehe hier eher von einem Kontrollstempel bei der eingehenden Stelle des Empfängers (in Schitomir) aus.

    "ДОС" steht für Kontrolle dann das Datum 18/II und "Чик" steht für Beamter.


    Ungewöhnlich sind beide Stempel ggfs. hat auch der Zoll etwas damit zu tun - übliche postalische Geldanweisungen haben gedruckte, gestempelte oder handschriftliche Angaben der vermittelnden Bank oder der Stelle über die die Anweisung erfolgt ist.

    Postalische Geldanweisung über 5 Rubel aus dem KGF-Lager Nertschinsk/Transbaikalien über das Postamt in Nertschinsk an einen Leidensgenossen in Gorbow/Tschernigow (rückseitig vermerkt).


    Postalische Geldanweisung über 100 Rubel aus der Heimat (Österreich) über die Russisch-asiatische Bank in Petrograd nach Samarkand von dort zum Empfänger im KGF-Lager, handschriftlich am 27.10. erhalten.

  • Nicht nur bisher unbekannte Zensornummern beim Typ 8 von Moskau kann man bei genauerer Betrachtung auffinden - auch die Stempelfarbe kann variieren.

    Antwortteil einer russischen Ganzsachen-Doppelkarte aus Dsjunkow/Kiew nach Österreich mit dem Typ 8, Nr. 687 in lila. Eine ungewöhnlich seltene Farbe bei diesem Stempel - nicht gelistet bei Speeckaert.

  • So, ich hoffe, die technischen Probleme sind behoben. Gestern einen neuen Scanner gekauft, heute schon da. WHOW! Jetzt muss ich mich nur noch ein bisschen damit einarbeiten.

    Zitat


    Gibt es Text auf der Rückseite?

    Ja. Und hier ist der Scan.


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  • Da die Technik wieder funktioniert, kann ich in den nächsten Tagen einige Belege zeigen.

    Dieser relativ frühe Brief vom 17. November 1914 trägt den schon mehrfach gezeigten häufigen Typ 1 sowie der Zweizeiler Typ 5. Verschlossen ist der Brief mit einer Metallklammer, die lt. Speeckaert von November 1914 bis September 1915 verwendet wurde.


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  • Schön, schön. Ich möchte mich noch etwas an dem Typ 8 aus Moskau "festhalten".

    Nach meinem Bestand und dem was angeboten wird, möchte ich behaupten, dass 99,9% dieses Typs violett abgeschlagen ist. Heißt, nur ein wirklich geringer Teil ist in anderen Farben bekannt.

    KuK Antwortteil einer Doppelkarte aus Tanalkowo Baimak/Orsk/Orenburg nach Wien.

    Mit dem Moskauer Typ 8 in schwarz.

  • Warum jemand auf diesen Brief (Gott sei Dank sehr leicht) "Odessa" darauf geschrieben hat, ist für mich nicht ganz nachzuvollziehen. Zwar gab es in Odessa ebenfalls Stempel mit Faksimile-Unterschrift, aber der Tagesstempel ist eindeutig aus Tiflis. Hier wurde auch geprüft (Speeckaert Typ 5).


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  • Heute zeige ich zwei Belege jeweils mit den Typen 1 und 2 von Armawir. auf dem ersten sind beide Stempel in lilarot abgeschlagen, auf dem zweiten in violett. Unterschrieben haben zwei verschiedene Prüfer als Beleg dafür, das der Stempel von mehreren Prüfern verwendet wurde. Beim zweiten Brief ist zusätzlich der Rang "Oberst" gestrichen.


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