Russland Postzensur 1914 - 1917

  • Von der Zensurstelle Moskau ist lediglich ein Verschlussstreifen bekannt. Jedoch gibt es auch hier die Möglichkeit einer Spezialisierung - gedruckt wurde auf unterschiedlich gelbem Papier, der Punkt nach "Цензура" kommt in drei verschiedenen Stellungen vor und anstatt ein Punkt als Strich in ebenfalls drei verschiedenen Stellungen.

    Moskau Typ 18 auf tiefgelbem Papier, Stellung des Punktes in Typ I.

    Moskau Typ 18 auf leuchtendgelbem Papier, Stellung des Strichs in Typ I.


    Auch hier ist es lohnend sich etwas mehr zu vertiefen - es dürften weitere Schriftfehler zu finden sein.

  • Postkarte von Astrachan, die über die Zensur in Tiflis lief. Verwendet wurde der Typ 5 mit integrierter Unterschrift des Prüfers. Bei der Anschrift bin ich etwas überfordert. Ich kann zwar Persien lesen, sonst aber nicht so viel.


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  • Hallo 241264hsv-fan,


    die Anschrift lautet:

    Черезъ Баку въ Мешедессеръ

    Персiя К-ра Н-въ

    Г.С. Лиaнозова Петру

    Ефимовичу Шерстневу


    Über Baku nach Maschhad-e Sar [seit 1927 Bābolsar]

    Persien Kontor N-w [Abk. konnte ich auf Anhieb nicht enträtseln]

    von G.S. Lianosow an Pjotr

    Jefimowitsch Scherstnjew


    Bei G.S. Lianosow könnte es sich um den Sohn des Kaufmanns Stepan Georgiewitsch Lianosow handeln (https://ru.wikipedia.org/wiki/Лианозов,_Степан_Мартынович).

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • Diesmal zeige ich einen Feldpostbrief, bei der ich mit der Anschrift nichts anfangen kann.

    Vorderseitig sind der Einheitenstempel "52. M.-Transport - 11. Wagen(?)bataillon" und der Zensurstempel Пропушено В.Ц. Nr. 23 sowie rückseitig der Tagesstempel Jaimeli 6.1.15.


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  • Karte vom Dezember 1916, aufgegeben in Wologda Richtung Moiseküll. Geprüft wurde bei der Ankunft, verwendet der Typ 3. Zu beachten ist, das hinter dem Wort 'Zensur' ein Doppelpunkt ist, der bei Speeckaert fehlt.


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  • Unlängst konnte HSV-Fan den Stempel Typ 21 aus Samara zeigen. Der selbe Prüfer hatte allem Anschein nach 2 Stempel verschiedener Schrift.

    Der Typ 21 hat als erstes Wort "Просмотрено" = geprüft. Der zweite Stempel trägt als erstes Wort "Вскрыто" = geöffnet. Anders als bei Speeckaert aufgeführt, fand die Verwendung gleichzeitig statt. Beide Stempel liegen mir aus dem Mai 1916 vor.

    Typ 21 aus dem Lager Tozkoje/Busuluk/Samara. Hier gab es einen eigenen Poststempel, da dies vor dem Krieg als Sommerlager der russischen Armee diente und erst 1915 als die Kriegsgefangenenmassen untergebracht werden mussten, als KGF-Lager umfunktioniert wurde. Der Poststempel blieb - hier von Mai 1916.

    Typ 26 auch aus Tozkoje mit identischer postalischer Abstempelung, auch aus dem Mai 1916.

  • Ich zeige einen weiteren Feldpostbrief, bei dem die Nr. leider etwas undeutlich ist. Rückseitig befindet sich der nur teilweise abgeschlgene Einheitenstempel (12. Tur....), der Zensurstempel sowie die Unterschrift des Prüfers.


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  • Brief mit Tagesstempel Petrograd 14.7.15 nach Reval. Vorderseitig der einzeilige Zensurstempel MILITÄRZENSUR, rückseitig der Einheitenstempel der 3. Petrograder Fähnrichschule. Die Abfertigung ging hier sehr schnell, kam der Brief doch schon einen Tag später an. Der Zensurstempel dürfte aus dem Baltikum kommen, ob aber direkt aus Reval kann ich (noch) nicht sagen. Gefunden habe ich ihn bei Speeckaert nicht.


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  • Nach meiner Meinung hat die Militärische Einheit (Fähnrichschule) zensuriert. Ähnliche Stempel gibt es von Reval (Typ 3) - ich hatte dir doch mal was wegen des Setzkastens gesagt. Der ist aus dem Setzkasten.

    Letztlich kann man das nur mit Vergleichsmaterial bestimmen.

  • Eine Besonderheit stellen fremdsprachige russische Stempel dar, die sprachlich ausgelegt waren für die Klientel - hier die Kriegsgefangenen in der Sprache des Weltpostvereins - französisch.

    Im Speeckaert werden zwei im Bereich Petrograd gezeigt, jedoch als Poststempel beschrieben. Der hier gezeigte ist sicherlich durch die Zensurstelle angebracht worden.

    KuK-Vordruck aus Saaz/Böhmen nach Tschita/Sibirien. Zensuriert in Moskau - üblicher Typ 8, V, Nr. 178.

    Der rückseitige Stempel bezieht sich auf die (mangelnde) Schrift und Schriftgröße.

    "Sont envoyees sans retard exclusivement lettres couries et bien lisibles" = Nur gut lesbare "Briefe" werden ohne Verzögerung befördert (frei übersetzt).

    Dieser Stempel war zweifelsohne für den Empfänger und damit sekundär auch für den Absender bestimmt.

    Er müsste unter Moskau gelistet werden.