Simon Wiesenthals Briefmarken-Sammlung übertraf alle Erwartungen

  • Zuschlag bei rund 792000 Euro


    WIESBADEN Die Briefmarkensammlung des im vergangenen Jahr verstorbenen Nazi-Jägers Simon Wiesenthal erzielte bei der gestrigen Auktion ein überraschend hohes Ergebnis. Mit rund 792 000 Euro in einzelnen Zuschlägen wurde der vom Auktionshaus Köhler angegebene Schätzwert von rund 240 000 Euro mehr als verdreifacht.


    "Ein Wahnsinnsergebnis!", befand der hoch zufriedene Chefphilatelist und Auktionator Jürgen Kahrs. In der zweieinhalbstündigen Auktion fanden nur sechs der 191 Lose keinen Käufer, bei vielen wurden die Preise in schwindelerregende Höhen getrieben. Den Höchstpreis für ein Einzellos erzielte ein im Jahr 1900 aus China nach Wladiwostok gesandter Briefumschlag mit seltenem Notstempel und drei Briefmarken. Das Stück wechselte nach zähem Bieten für 41 000 Euro den Besitzer.


    Die Flut von Geboten war überwältigend. So erzielte ein nach Wolsk in Russland geschickter Briefumschlag mit Marke das mehr als 100-fache seines Taxwertes. Die geschätzten 300 Euro trieben die Bieter auf eine Preis von 32 000 Euro. Die Höchstsumme von 72 000 Euro erzielte eine rund 240-teilige Sammlung.


    Die größte Nachfrage nach den von Wiesenthal testamentarisch zur Versteigerung angebotenen Marken kam von Bietern aus Ost-Europa. Einen engen Kreis von Menschen mit philatelistischem Sammlerehrgeiz und den nötigen Finanzmitteln gebe es dort, meinte Auktionator Kahrs. Der Großteil des philatelistischen Lebenswerks Wiesenthals spiegelt die Geschichte seiner heute in der Ukraine liegenden Heimat Galizien wider. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der "ganz persönlichen" Kollektion "Wiesenthal", die Marken, Karten und Briefe aus dem gleichnamigen böhmischen Ort zusammenfügt. Als "besondere Verantwortung" hatte Geschäftsführer Dieter Michelson die Aufgabe angesehen, als deutsches Unternehmen die Sammlung zu versteigern. "Dass wir das Vertrauen Simon Wiesenthals gewonnen haben, ist besonders motivierend." Und so kamen auch die Briefmarkenbögen mit "Hitler hinter Gittern" in die Auktion. Die Marken mit Hitlers Profil hinter senkrechten Linien und Österreich-Aufdruck wurde von der Österreichischen Post übergangsweise eingesetzt.





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