[Lichtenstein] Überwachtes Kulturgut

  • Grössere Einflussnahme der Regierung auf Briefmarkenwesen gefordert


    Briefmarken sind ein wichtiger Botschafter Liechtensteins, und das weltweit. Die Angst, ihre Qualität könnte unter der Auslagerung zur Post leiden, ist gross. Ein Kodex soll daher die Leitlinien für Gestaltung und Produktion festhalten.


    von Isabell Mogliani


    Mit der Auslagerung des Amtes für Briefmarkengestaltung (ABG) und der Postwertzeichenstelle (PWZ) soll in Zukunft die Liechtensteinische Post AG für die Gestaltung und Produktion der liechtensteinischen Briefmarken verantwortlich sein. Herausgeberin der Marken bleibt zwar die Regierung, doch handelt es sich hierbei um eine reine Formsache: Auf diese Weise können die Briefmarken auch in Zukunft als staatliche Briefmarken wahrgenommen werden, was besonders für Sammler und Händler von Bedeutung ist. Der Einfluss der Regierung auf Liechtensteins Philatelie soll sich auf die Genehmigung eines Jahresausgabeprogramms beschränken. Ausserdem ist die Schaffung eines Kodex geplant, der die Richtlinien für Gestaltung und Produktion der Briefmarken regeln soll. Allerdings ist dieser Kodex rechtlich nicht verbindlich. Zur Überwachung soll ein Fachgremium eingesetzt werden, in dem die Regierung mit mindestens einem Mitglied vertreten ist.



    Gremium ohne Entscheidungskompetenz


    In der gestrigen Landtagssitzung wurde mehrfach kritisiert, dass das Gremium keinerlei Entscheidungskompetenz, sondern lediglich eine beratende Funktion haben soll. Jürgen Beck (VU) befand, die Regierung müsse als Herausgeberin mehr Einfluss auf die Philatelie haben. Dem erwiderte Regierungschef Otmar Hasler, durch das Jahresausgabeprogramm habe die Regierung sehr wohl einen Einfluss. Da die Übernahme von ABG und PWZ für die Post attraktiv sein soll, dürfe der Staat mit dem Stellen von Bedingungen nicht zu weit gehen. Ein gewisser Spielraum müsse der Liechtensteinischen Post AG erhalten bleiben, so Hasler. Insgesamt sei die Post aber sehr positiv eingestellt. Jürgen Beck sagte, generell habe er nichts daran auszusetzen, mit der Auslagerung Spar-, Effizienz- und Synergiepotenziale auszunützen. Allerdings gab er zu bedenken, «dass aus ökonomischen Betrachtungen qualitative Abstriche zu erwarten sind». Qualität – und dafür steht die Liechtentsteiner Philatelie – bedeute schliesslich Kosten.


    Was Kultur kosten darf


    Muss ein Kulturgut rentieren, wenn es ein positives Bild von Liechtenstein in die Welt trägt? Diese Frage stellte die VU-Abgeordnete Marlies Amann-Marxer. Die Philatelie-Diskussion habe sich schwerpunktmässig auf die Wertschöpfung verlagert, wobei der kulturelle Faktor verloren gehe. Liechtenstein gebe mit anderen Massnahmen viel Geld aus, um sich positiv hervorzutun, sagte Amann-Marxer und nannte als Beispiel die Stiftung Image Liechtenstein und den Tourismus. Sie plädierte für eine Teilauslagerung des Briefmarkenwesens. In ihrem Votum schloss sie nicht aus, dass Briefmarken in einigen Jahren wieder einen Aufschwung erleben.
    In eine andere Richtung gingen die Ausführungen von Gebhard Negele. Er fragte, weshalb sich die Liechtensteinische Post AG für eine Übernahme interessiere, wenn der Staat Bedingungen wie eine Gewinnbeteiligung, einen Kodex sowie Einsitz ins Gremium stelle. Regierungschef Otmar Hasler sprach von einem «Miteinander für die Philatelie», bei dem niemand über den Tisch gezogen werde. Er sagte, der Einfluss der Regierung sei zwar gross genug, dass die Briefmarke als Kulturgut erhalten bleibe. Doch sei er nicht zu gross, als dass die Post in ihrem Handeln eingeschränkt würde.



    «Kein Etikettenschwindel»


    Andrea Matt von der Freien Liste meldete Bedenken an, dass die liechtensteinischen Briefmarken bereits durch die Frankaturungültigkeits-Erklärung vor einigen Jahren an Ansehen verloren hätten. Sie wollte wissen, ob das Vertrauen der Händler und Sammler nach einer Auslagerung der Philatelie zur Post bestehen könne. Schliesslich sei das Land Liechtenstein dann nur noch formell Herausgeber der Marken. Otmar Hasler verwies darauf, dass in der von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe auch die Briefmarkensammler vertreten gewesen seien. Von dieser Seite werde die Auslagerung nicht als Etikettenschwindel angesehen.


    «Keine Abschiebung der Mitarbeiter»


    Vor allem die Abgeordneten der Fortschrittlichen Bürgerpartei standen der Auslagerung des Amtes für Briefmarkengestaltung und der Postwertzeichenstelle positiv gegenüber. Fraktionssprecher Markus Büchel sagte, das Ziel, in der Philatelie schwarze Zahlen zu schreiben, könne so erreicht werden. Liechtenstein folge damit dem Beispiel anderer Staaten wie der Schweiz. Er betonte, dass die Massnahme keine Abschiebung der Philatelie-Mitarbeiter sein solle und dürfe.
    Wie Regierungschef Otmar Hasler ausführte, soll die Situation der Angestellten vergleichbar bleiben. Unter anderem sollen nicht beanspruchte Ferientage ausbezahlt und die Dienstjahre weitergezählt werden. Was die Frühpensionierung betrifft, wolle man den Mitarbeitern entgegenkommen.



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