Mein schöner, ruhiger Freund: Die Briefmarke

  • Arnsberg. "Komm, ich zeig dir meine Briefmarkensammlung!" - Bei Jürgen Heydolph fing die Leidenschaft rund um das Postwertzeichen im Alter von elf Jahren an. "Damals trug ich meine Reichtümer in Form von Zehnpfennigstücken zum Postschalter und erwarb die neusten Marken." Das war 1956 - jenes Jahr, in dem die "Briefmarkenfreunde Arnsberg e.V." gegründet wurden.


    Der kleine Jürgen hatte damals noch nichts mit den "organisierten Philatelisten" aus der Regierungsstadt zu tun. Heute aber ist Heydolph Geschäftsführer des Vereins, der am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen feierte.


    Im Kindergarten der alten Liebfrauenkirche sollen Engelbert Michel, Heinz Friesen, Franz Effenberger, Joachim Blödow und Jürgen Runte den Verein damals aus der Taufe gehoben haben. Schnell stiegen dessen Mitgliederzahlen. In seiner Blütezeit um 1980 wurde sogar die 50-er Marke übersprungen - inklusive eigener Jugendabteilung. Heute sind es immerhin noch 43 Mitglieder, davon drei Frauen, mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren. "Die Mitglieder sterben uns aber leider Gottes weg", seufzt der Vorsitzende Friedhelm Wenzel. "Junge Leute finden den Weg nicht mehr in unserem Verein. Der Briefmarkensammler ist - begründet durch moderne Kommunikationsmittel wie Fax und natürlich e-mail - eine aussterbende Spezies." Das Einstiegsalter für Briefmarkenfreunde ist heute das Rentenalter.


    Spricht der 56-jährige Philatelist von seiner Leidenschaft, sind die Nachwuchssorgen aber schnell vergessen. Seine Augen wirken dann fast schon viereckig: Der Briefmarkensammler trägt nicht nur Unmengen an oftmals gezähnten Postwertzeichen zusammen, sondern vor allem alte Briefe, Post- und Ansichtskarten, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. "Die Briefmarken gibt es häufig noch zu Hunderten. Die Briefe sind aber echte Unikate", schwärmt Friedhelm Wenzel von seiner "Heimatsammlung" - unzählige alte Briefe, die oftmals in Form eines Poststempels eine Verbindung zu Arnsberg aufweisen. Auf Auktionen blättert der Vorsitzende des Vereins, der den Posten schon seit 1991 innehat, dann für ein schgönes Stück auch gut und gerne mal 150 Euro hin. "Beim Ringstempel 45 - dem Arnsberger Stempel - schaue ich dann natürlich gerne zweimal hin."


    Auf manche Objekte ist der Sammler besonders stolz - so auf einen Tauchbootbrief, dessen Arnsberger Poststempel auf den 18. Januar 1917 datiert ist. Von Arnsberg sollte der Brief nach Chicago in die USA gehen. Mit einem Tauchboot von Bremen hätte der Atlantik auf sicheren Weg durchquert werden sollen. Hätte. Sein Ziel hat der Brief nie erreicht. Ein dicker "ZURÜCK"-Stempel auf dem Brief spricht Bände - und erinnert nicht zuletzt an die dramatischen Ereignisse des 1. Weltkrieges. So ist das Sammeln von Briefmarken, Briefen und Ansichtskarten viel mehr als das bloße Abheften alter Gegenstände in Ordner. Es ist die Erhaltung und Wiederbelebung von Geschichte.


    "Leidenschaft mit Liebe und Ausdauer in einer intakten Gemeinschaft"


    Zum Jubiläum gratulierte den Briefmarkenfreunden am Wochenende im Namen der Stadt Erika Hahnwald. In ihrer Rede erinnerte sie an geschichtliche Ereignisse im Gründungsjahr 1956 und hoffte im Namen der Mitglieder auf viel Sammlerglück. "Außerdem wünsche ich Ihnen die nötige Liebe und Ausdauer für ihr Hobby. Es ist schön, seiner Leidenschaft in einer solch intakten Gemeinschaft nachgehen zu können", befand die stellv. Bürgermeisterin.


    Zum Jubiläum stellten die Briefmarkenfreunde, die sich immer am ersten und dritten Donnerstag im Monat in der Bodelschwingh-Schule zu Tauschgeschäften, Informationsaustausch und Weiterbildung treffen, eine große Sonderschau mit vielen wertvollen Sammlerstücken im Saal der Hl. Kreuz Gemeinde auf dem Schreppenberg zusammen.


    Den Termin ließ sich auch Wolfgang Loos nicht entgehen. Der 81-Jährige sammelt Feldpostbriefe - vor allem, weil er sie selbst im II. Weltkrieg an der Front verschickt und erhalten hat. Manchen Brief verschickte er schon damals nur, um den entsprechenden Stempel bekommen zu können. Mitglied im Verein der Briefmarkenfreunde ist er allerdings nicht. "Mit 81 Jahren trete ich doch keinem Verein mehr bei. Dafür bin ich viel zu alt." Fix rückt er seine Hornbrille zurecht und sucht mit Argusaugen weitere Feldpostbriefe.


    #1#38nd wie hatte sich eigentlich das Hobby des kleinen Jürgen Heydolph weiterentwickelt? "Meine erste Marken waren schnell wieder verkauft - wegen zahlreicher Jazz-Schallplatten zur Förderung der Kontakte zum anderen Geschlecht." Die Leidenschaft holte Heydolph aber schnell wieder ein. Unzählige Briefmarken zählen seitdem zu seiner Sammlung. Als Familienvater versuchte er dann jenes "schöne und ruhige Hobby" an seine Kinder weiterzugeben. "Leider vergebens. Hängen geblieben ist letztendlich nur der Alte."


    Infos über die Arnsberger Briefmarkenfreunde e.V.:


    # beim 1. Vorsitzenden Friedhelm Wenzel, Tel: 02931-6711
    # oder im Internet unter




    Zitat

    Quelle / Artikel:





    Friedhelm Wenzel, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Arnsberg, zeigt bei der Jubiläumsausstellung ein Prachtstück seiner Heimatsammlung, einen Tauchbootbrief von Arnsberg nach Chicago aus dem I. Weltkrieg. (WR-Bild: Julian Stratenschulte)