Das Briefmonopol fällt

  • Post-Konkurrenz wächst


    [Blockierte Grafik: http://www.heute.de/ZDFheute/img/28/0,1369,2684604,00.jpg]


    Die Zeit der Monopole in der Wirtschaft geht unwiderruflich zu Ende. Wettbewerb ist angesagt, wo früher ein einziger Anbieter Preise und Konditionen bestimmte. Und Wettbewerb hebt das Geschäft, ist gut für die Verbraucher, denn die Preise sinken - oft drastisch wie beim Telefonieren, manchmal weniger wie bei Strom und Gas, wo sich die Konkurrenz noch schwer tut. Eines der letzten Monopole in Deutschland wird in gut einem Jahr fallen: die Beförderung von Briefen bis 50 Gramm.



    Briefmarken für 48 oder 55 Cent? Der blaue oder der gelbe Briefkasten? So wie in Berlin hat der Postkunde schon jetzt in vielen Städten die Wahl, denn der Wettbewerb hat begonnen. Noch sind die meisten Briefkästen gelb, denn die Konkurrenz hat erst angefangen, ein flächendeckendes Netz aufzubauen - mit eigenen Filialen, Kooperationspartnern und Briefkästen.



    Preiskampf ums Porto


    Eigene Briefmarken sind dagegen schnell gedruckt - bei Sammlern sind sie heiß begehrt. Und das Briefporto ist fast immer billiger als bei der "gelben Post". Die PIN AG greift als größter privater Mitbewerber mit Preisen an, die 15 bis 30 Prozent unter denen der Post liegen. Die Durchschnittspreise der Privaten sind immerhin in den letzten Jahren von 51 auf 44 Cent gesunken, während die Post AG weiter 55 Cent verlangt, bzw. verlangen muss, denn ihr Porto wird auch in Zukunft von der Bundesnetzagentur reguliert.


    Noch hat die Deutsche Post AG bei der Briefbeförderung 93 Prozent Marktanteil, und auch mittelfristig rechnet sie mit 80 bis 90 Prozent, nachdem ihr letztes Monopol Ende 2007 fällt. Denn Verbrauchergewohnheiten ändern sich nur langsam, und außerdem wird sie wohl noch auf Jahre mit 12.000 Filialen und über 100.000 Briefkästen das verästeltste Annahmenetz im Land haben.

    Lückenhaftes Netz


    Da muss die Konkurrenz mit zusätzlichen Dienstleistungen und Garantien Kunden abwerben: Postabholung, garantierte Zustellung am nächsten Tag, Sendungsverfolgung, Rechnung erst später. In Berlin konnte die PIN AG damit schon die Landesregierung überzeugen, die ein besonders großes Loch in ihrer Portokasse hat. Im Noch-Monopol-Bereich bis 50 Gramm sind solche "höherwertigen Dienstleistungen" sogar Pflicht - sonst dürfte die Konkurrenz die leichten Briefe gar nicht annehmen.


    Noch ist das bundesweite Netz lückenhaft, doch das Unternehmen, hinter dem große deutsche Verlage stehen, haben Großes vor. Es geht um einen Markt von 10 Milliarden Euro im Jahr. Rund 1000 Private tummeln sich hier jetzt schon, meist auf lokaler Ebene. Und alle setzen auf Wachstum, besonders durch Großversender und zielgruppengenaue Werbung. Mit 250 Briefen pro Person im Jahr liegen die Deutschen weit hinter Skandinaviern, Amerikanern und Schweizern, die doppelt und dreimal so viel Post bekommen - trotz des Vormarsches von Email, Internet und SMS ist der Brief also noch lange nicht tot.




    Zitat

    Quelle / Artikel: