Schwarze Schafe oder Standard?

  • Guten Abend die Damen und Herren,


    bewusst habe ich einmal eine provokante Überschrift gewählt, da mich ernsthafte Meinungen interessieren und mich meiner Erfahrung sehr irritiert.


    Zunächst einmal möchte ich mich unmittelbar outen. Ich gehöre der Spezies Sammlungserbe an und zwar frei von Wissen über Briefmarken.


    Also machte ich mich vor geraumer Zeit bereits 5 Mal auf zu sogenannten selbsternannten Briefmarkenexperten. Es folgte die große Irritierung. Das erste Mal wurde meine Sammlung, vorwiegend Deutschland (auch Deutsches Reich), jedoch auch International (Dänemark, Niederlande, Italien, Belgien, Österreich, Spanien, Ungarn, Russland, CSFR, Frankreich, Polen, Argentinien, etc.) auf einen sehr niedrigen Wert geschätzt. Beim zweiten Anlauf erhielt ich eine Schätzung weit über 30.000 Euro, die sich im dritten Anlauf nicht bestätigte, aber im vierten. Kürzlich suchte ich erneut einen Briefmarkenankäufer auf, der mich kurz und knapp abspeiste mit den Worten, alles defekt, nur Dupletten, nix Wert, ich biete sofort 1500 Euro.


    Also begann ich nun, mir von einem Bekannten einen Michel Katalog, Ausgabe von 2001 zu organisieren, die Marken zu sortieren und den Wert selbst zu ermitteln.


    Dabei stoße ich jedoch regelmäßig aufgrund totaler Ahnungslosigkeit auf Probleme und finde Marken nicht.


    Meine Frage, ist zufällig aus dem Großraum Koblenz oder Wiesbaden ein Sammler in der Nähe, der hier und da einmal weiterhelfen könnte bei Fragen?


    Oder anders gefragt, kann hier im Forum vielleicht manch einer eine kleine Hilfestellung geben, wenn man eine Marke beschreibt?


    Ich würde mich über ein kurzes Feedback freuen und stelle einmal die ein oder andere Frage:


    Ich habe eine Marke, optisch identisch mit der Michel Nr. 70 aus dem Deutschen Reich. Diese Marke soll eigentlich gemäß Katalog hellgrün sein, allerdings ist meine Marke in einem Mokkabraun und ungestempfelt. Um welche Marke könnte es sich handeln?


    Aus gleicher Serie liegt mir eine Marke mit Wert 20 Pfg. vor. Michel Nr. 72. Die Marke ist gestempelt, hat allerdings eine seltsame Lochstanzung mit groß "L" und wahrscheinlich klein "e". Was bedeutet dies?


    Weiterhin liegt mir eine Marke mit Stempfel vom 26.3.1944 vor, "Luftfeldpost" Deutsches Reich mit einer Junkers Maschine drauf vor, die ich im Katalog nicht finde. Wo erhalte ich Info über Luftfeldpostmarken?


    Es wäre toll, wenn man mir weiterhelfen könnte. Eventuell auch im Hinblick auf die gemäß Sammleraussage wertvollste Marke mit Michel Nr. 71, liegendes Wasserzeichen, 10 Mk. aus 1922.


    Vielen Dank und freundliche Grüße.

  • Hallo JoJo!


    Wir helfen dir sicher gerne bei der Bestimmung von Briefmarken - allerdings reichen Beschreibungen meist nicht aus. Zur sicheren Bestimmung bräuchten wir einen Scan oder ein Foto der entsprechenden Marke/n.


    Zum Wert der Marken: Den Wert der meisten Marken kann man nur über Spezialliteratur erfahren, recht selten über den MICHEL.


    Wenn deine Sammlung, wie du sagst, nicht nur Deutschland beinhaltet, kann es sein, dass sich der wertvollere Teil der Marken im "Ausland" befindet, du solltest dir deshalb einen MICHEL Europa besorgen.


    Allgemein werden "Alle Welt"-Sammlungen niedrig geschätzt, weil in diesen meist nichts besonderes vorzufinden sind. Auch könnten die "hohen" Wert-Zahlen auch der reine Katalogwert sein - real erhält man 5-15% des Katalogwertes, wenn überhaupt. Wenn es 30 000 Marken für 1 € Katalogwert das Stück sind, kannst du es gleich verschenken ;)


    Dann musst du noch wissen, dass auch Fälschungen der Spitzenwerte (falls nicht geprüft /auf der Rückseite kein Prüfsignum von einem BPP Prüfer vorliegt) sowie Beschädigungen (defekt) in deiner Sammlung vorhanden sein können. Diese Sachen mindern den Wert erheblich. Die Spitzenwerte solltest du aus diesem Grund, falls ungeprüft, zum zugehörigen BPP-Prüfer schicken, falls du solche ausfindig machen kannst.


    Antworten auf deine Fragen:


    1) Guck' mal unter der MICHEL-Nr. 140. Das dürfte deine Marke sein. Postfrisch 90 Cent, mit Falz auf Rückseite 30 Cent wert.


    2) Diese Lochstanzung ist ein Perfin. Weiteres hier.


    3) Ein Scan wäre hier vonnöten. Schau aber mal in "Deutsche Kolonien" nach.


    4) Die MICHELnummer oder das Jahr stimmen nicht. 1922 gab es keine Marke mit der MICHELnummer 70. Wenn sie wertvoll ist: ab zum Prüfer damit.

  • JoJo:


    Geh in Wiesbaden zu Köhler: - wenn Du da keine gescheite Antwort auf Deine Fragen bekommst, dann wird es schwierig... Oder kuck auf der Homepage des BDB nach, wo andere Auktionshäuser in Deiner Nähe sind:


    Ansonsten klingt die Beschreibung Deiner Marken ehrlich gesagt nicht sehr vielversprechend. Die 30.000 Euro könnten der Katalogwert gewesen sein, dann sind 1.500 Euro cash auf die Hand nicht unrealistisch.


    Wenn Du zu der Sammlung keine Rechnungen von Händlern oder Auktionshäuser, keine Mitgliedshefte von Arbeitsgemeinschaften und keine Befunde und Atteste von Briefmarkenprüfern bekommen hast, dann sind die Chancen leider sehr hoch, dass Du vor einem Haufen Massenware stehst.


    Der Katalogwert ist auch kein Massstab: Bis 2-3 Euro Katalogwert werden die Marken oft mit 5-10 Cent gehandelt. In Ausnahmefällen geht es auch mal weit darüber. Und wer sich nicht wirklich mit Briefmarken auskennt, der sollte sich den Privatverkauf auch nicht antun...

  • JoJo


    Zeig´ einfach Übersichtsbilder, wenn etwas potentiell spannendes dabei ist, werden wir Dich um große Scans bitten bzw. Dich beraten.


    Aus einem bestimmten Grund, würde ich mir allerdings keine große Hoffnung machen: Du behauptest die Sammlung vererbt bekommen zu haben, gleichzeitig mußt Du Dir jedoch einen läppischen Michel-Katalog von einem Bekannten ausborgen. Das hört sich dannach an, als ob nie irgendeine Literatur der Sammlung beigelegt war. Wenn soetwas der Fall ist, dann handelt es sich meist um sehr schwache Sammlungen.


    Bezeichnend ist auch a) daß Du die Marken erst "sortieren" mußt. Dies deutet darauf hin, daß extrem viele Lücken vorkommen (Was wollen wir wetten, daß die billigsten Werte nicht fehlen?), b) der Sammler wahrscheinlich selber nicht wußte, was er da genau absteckt (keine Literatur) und darum auch alle Welt "anhäufte"...hätte ja sein können, daß irgendeine dieser Marken ´mal was wert wird.



    Zu Deiner Beruhigung: 95% aller "Sammlungen" sehen so aus. Und all die Erben tauchen früher, oder später in diesem und anderen Foren auf, um sich Rat zu holen. Bisher war noch keine einzige dieser "Sammlungen" mehr als 500 Euro wert...meist eher sogar nur 10 bis 100 Euro.


    Bei einer 1500.-- Euro Schätzung könnte es schon sein, daß ein paar bessere Stücke dabei sind. Mehr wirst Du dann nur bekommen, wenn Du die Sammlung bestimmst und in Teilen bei e-bay privat verkaufst. Ob sich die Arbeit rentiert, ist jedoch zu bezweifeln. Besteht die Sammung aus sehr viel mehr Material in guter Qualität und durchschnittlich höheren Katalog-Preisen mit vielen Spezialitäten, dann könnte sich der Weg in ein Auktionshaus rentieren.

  • JoJo
    Du bist ja nicht der erste, der hier im Forum über seine
    geerbte Sammlung informieren will.


    Da wundere ich mich, wie auch Nimrod, immer wieder, das keine
    Kataloge o.ä. dabei sind. Wer meine Sammlung mal erbt hat
    erstmal eine Weile damit zu tun die Kataloge und andere Literatur
    zu sichten.Und sortieren muß da auch keiner.


    Ein wenig Hoffnung besteht aber denke ich, wenn Dir ein
    Ankäufer für Dubletten und defekte Marken 1500 € geben
    will, wird doch was interessantes bei sein.
    Der Vorschlag mit Köhler ist nicht schlecht, musst ja nicht
    gleich auf ein Angebot eingehen.


    Und als Laie Briefmarken bei ebay verkaufen ist nicht empfehelenswert

    Die Luftpostmarke findest Du unter Feldpost


    Informiere Dich in aller Ruhe, Hektik verdirbt das Geschäft

    Suche immer Berlinstempel auf Marken und Belegen, Bitte alles anbieten

  • Zitat

    Original von kauli
    JoJo
    Du bist ja nicht der erste, der hier im Forum über seine
    geerbte Sammlung informieren will.


    Deshalb heisst die unterste Sprosse der Rangtitel auch "Opa's Sammlungs-Verkaeufer." Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich diese schraege Bezeichnung sehr merkwuerdig gefunden. Hat eine Weile gedauert bis der Groschen gefallen ist.


    Mein Rat an JoJo und alle anderen gluecklichen Erben und Dachbodenfinder:


    1) Beschafft Euch ein Buch ueber die Philatelie, wo das grundlegende Know-How erklaert wird.


    2) Besorgt Euch einen Briefmarkenkatalog. Ein aelteres Exemplar tut es absolut, da es ja die Marken vom Opa sind, wo sogar Marken vom Adolf dabei sind.


    3) Beschaeftigt Euch etwas mit der Sammlung und geht mit dem Katalog in der Hand "auf Reise" versucht die Marken bildlich zu identifizieren, lest Euch die Information zum Ausgabenachlass durch etc. Ihr werdet sehen, dass das wirklich Spass machen kann. Wenn Ihr dann anfangt, die Marken chronologisch zu organisieren, hat Euch das Sammlerfieber schon beinahe gepackt.



    Im Ernst, der beste Rat ist: weitersammeln. Das wuerde auch Opa Freude machen.

  • Nur mal so als Anmerkung:


    Normalerweise kannten die Erben den Verstorbenen doch mehr oder weniger gut. Wenn es ein passionierter Sammler mit einer wirklich wertvollen Sammlung war, dürfte dies wohl auch schon zu Lebzeiten bekannt gewesen sein oder die Sammlung testamentarisch erwähnt sein.


    Wenn einem also erst beim Aufräumen des Nachlasses zwischen Fotoalben und Büchern eine verstaubte Markensammlung in die Hände fällt, sind das wohl eher Marken, die derjenige aus seiner Korrespondenz oder so aufgehoben hat. Heutzutage ist es also eher unwahrscheinlich, dabei noch etwas Sensationelles aus dem 19. Jahrhundert zu entdecken.


    Bei Hausrat, Möbeln, Bildern oder so würde wahrscheinlich kaum jemand auf die Idee kommen, das für Antiquitäten, Meisterwerke berühmter Künstler etc. zu halten, aber bei 08/15-Briefmarken vermuten wohl doch viele, vielleicht doch noch eine große Erbschaft gemacht zu haben.

  • Zunächst einmal herzlichen Dank an all diejenigen, welche mir auf meinen Beitrag geantwortet haben. Ein wenig irritiert bin ich aber schon, denn der Tenor der Aussagen beschreibt das, was ich bereits mit eigenen Worten beschrieben hatte.


    Aufrgrund stark unterschiedlicher Bewertungen der Sammlung legte ich mir einen Katalog zu, habe begannen die Werte zu ermitteln, habe die Marken allesamt sortiert und überschreite den Angebotsbetrag des Aufkäufers bei weitem.


    Daher werde ich mich an die ein oder andere namentliche Empfehlung halten, die ich hierüber erhalten habe. Danke an die entsprechenden Personen.


    Irritierend finde ich auch, dass geschrieben wird, dass grundsätzlich der Wert einer Sammlung gering ist. Nach diesem Schema sind bis dato auch die meisten der Sammler herangegangen. Erst durch einen weitläufigen Bekannten erfuhr ich von der allgemeinen Vorgehensweise.


    Deshalb die Frage: "Schwarze Schafe oder Ausnahmen".


    Mfg


    P.S.: Die Marken sind nun nach Michel sortiert komplett und es wäre dennoch nett, wenn der ein oder andere mal nen Tipp hätte. Ich werde dann die Tage mal einen Seitenscan einstellen.

  • Nicht der Wert ALLER Sammlungen ist gering. Der Wert DEINER Sammlung ist sehr wahrscheinlich (leider) gering.


    Was hier schon mehrfach gesagt wurde und was ein WIRKLICH UNUMSTÖSSLICHES GESETZ ist:


    Wenn Du keine Kataloge bei der Sammlung vorgefunden hast, dann ist sie mit 95% Wahrscheinlichkeit nicht viel Wert.


    Und noch einmal: Der Katalogwert hat nichts mit der Realität zu tun. Wenn Du mit sortieren Fertig bist, dann schau Dir doch einfach mal an wie entsprechendes Vergleichsmaterial auf ebay gehandelt wird.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

    Voltaire

  • JoJo:


    Noch zwei Anmerkungen:


    1. Sind teuer Marken dabei? D.h. der Katalogwert liegt über 50 Euro? Erst ab da steckt etwas Wert drin, der Rest ist Massenware.


    2. Sind diese Marken auch echt bzw. richtig indentifiziert? Gefälscht wird seit 150 Jahren, Falschstempel gibt es en Masse. Die Wahrscheinlichkeit manipulierte Marken zu haben, ist relativ gross. Ausserdem unterschieden sich viele Marken nur durch Zähnung, Wasserzeichen und Farbe. Normalerweise ist das schon für langjährige Sammler schwierig, da die richtige Unterscheidung zu treffen.


    Keiner möchte Dir die Sammlung madig machen. Aber die Frage nach dem Wert ist verpönt, da "Verkaufswert" und "Katalogwert" in 99,9% aller Fälle nichts miteinander zu tun haben. Das Wort "Katalogmillionär" gibt es nicht umsonst.

  • Interessant Nimrod, denn unter den abgebildeten Marken sind zahlreiche Exponate dabei, die einen zumindest hohen dreistelligen, sowie teils vierstelligen Eurowert haben. Ich bin überrascht :D

  • Ich stimme nimrod zu, da ist nichts was auch nur annähernd 3-Stellig sein könnte *stirnrunzel und nochmalgenausehen* - nö garnix.


    Sollte da auf die gestempelten Inflamarken abgezielt werden so nur mit Prüfstempel oder Atteste. Bei Notopfer gilt das gleiche.

    mit freundlichen Sammlergrüßen
    rolin

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