Briefmarken flüstern ...

  • Wer kennt ihn nicht, diesen immer wieder gern zitierten Spruch:

    "Eine postfrische Briefmarke schweigt, eine gestempelte flüstert und ein ganzer Brief erzählt"


    Hier im Forum gab es ja immer wieder z.T. hitzige Debatten darüber, ob man Briefmarken ablösen oder auf dem Beleg belassen sollte.
    Es wäre schön, jetzt einmal zu zeigen warum die Marke nicht runter sollte!
    Daher der Aufruf: zeigt hier Belege, die eine nette Geschichte erzählen -unabhängig von einem etwaigen Wert des jeweiligen Schaustückes.
    ***
    Die Idee dazu kam mir heute beim durchsehen von älteren Postkarten.
    Wäre die Heuss-Marke abgelöst worden - wo wäre sie heute?
    Evtl im Papierkorb?
    Sieht man sich die Karte einmal näher an bzw. liest man den Text, wird man neugierig auf dieses Fußballmat(s)ch.
    Einen Tag vor der Abstempelung fand im Niedersachsen-Stadion in Hannover das Freundschaftsspiel DEUTSCHLAND - FRANKREICH statt.
    Das Spiel endete unerfreulicherweise 1:3.
    Noch etwas nennenswertes: "uns" Uwe Seeler hatte hier seinen ersten Einsatz als A-Nationalspieler.

  • Eines meiner "Steckenpferde" ist ja das sammeln von Belegen mit Postvermerken. Hier ist gerade der ganze Beleg interessant.
    ***
    Dieser (leider nur noch) als Vorderseite erhaltene Beleg ist auch ein gutes Beispiel dafür, die Marken nicht abzulösen.
    Zwar erzählt er nicht unbedingt eine Geschichte, aber ich möchte ihn dennoch hier zeigen.

  • Ein Beispiel hab ich auch gerade "zur Hand", die Marke (MiNr. 356) aus der Serie Bedeutende Deutsche wäre abgelöst wohl nahezu wertlos und mit Fragmenten eines Werbeklischees höchstens noch in irgendeinem Dubletten-Album gelandet, wenn überhaupt. Auf dem Beleg ist aber zu erkennen, dass die Marke verwendet wurde, obwohl sie bereits 27 Jahre ungültig war, damit wäre eine Nachgebühr von 75 Pfennig fällig gewesen! Der Brief erzählt also die Geschichte von einem unbemerkten Postbetrug und gleichzeitig die, dass durch die Postautomation solcher Betrug erheblich vereinfacht wurde. Den meisten Schalterbeamten wäre die ungültige Marke wohl (zumindest "damals" noch) aufgefallen.
    Gruß j.

  • zum ersten Beitrag


    Da gibt es neben dem aktuellen Anlaß, diese Postkarte zu versenden, noch einige nenneswerte Aspekte.
    -portorichtig frankiert mit der MiNr 183 (10) und der Zwangszuschlangmarke Notopfer Berlin (nicht bestimmt), die bis 31.03.1956 verwendet werden mußte.
    - MaWSt sauber mit allen Angaben und, 9 Jahre nach dem verlorenen Krieg, immer noch das Anliegen, die Demokratie als Gesellschafts- und Staatsform zu propagieren.
    So passt dieser bescheidene absolute Bedarfsbeleg in verschiedene Themenbereiche, vom -Fußball- über -Portostufen- bis -Politische Einflußnahme-


    Da die Post AG inzwischen keine mit staatlichen Hoheitsrechten ausgestattete Institution mehr ist, kann man den letzten Punkt der obigen Auflistung schon als abgeschlossenes Sammelgebiet betrachten ;-)


    Hier als Beispiel die Werbung für den Luftschutz, der Kalte Krieg ist in vollem Gange.


    Postkarte ins Ausland = 20
    Ganzsache P37 Wertstempel bildgleich MiNr 303(10) mit Zusatzfrankierung der Minr 303(10) = 20
    MaWSt (13a) NÜRNBERG BPA b vom 12.7.59


    MfG wajdz

  • und weil ich gerade dabei bin, hier noch ein Beleg für Zeitgeschichte.


    Postkarte im Fernverkehr (12)
    EF I. Kontrollratsausgabe Minr. 920 a (12) MaWSt WEIMAR 7 c vom -5.9.45
    Werbezusatz: Achtet auf den Kartoffelkäfer
    dank Eingangsvermerk: Laufzeit, knapp 4 Monate nach Kriegsende, Weimar-Berlin 5 Tage


    zum Werbeeinsatz aus Wiki:
    Nach Ende des Zweiten Weltkriegs vermehrten sich Kartoffelkäfer in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands sprunghaft, bis um 1950 fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche befallen war.

    Die DDR-Führung war nicht in der Lage, der Katastrophe Herr zu werden, nutzte die Plage aber zu propagandistischen Zwecken im Kalten Krieg, indem sie behauptete, dass eigens in den USA gezüchtete Käfer durch amerikanische Flugzeuge gezielt als biologische Waffe zur Sabotage der sozialistischen Landwirtschaft abgeworfen wurden. Ab 1950 wurde auf Plakaten und in zahlreichen Medienberichten eine Kampagne gegen die Amikäfer oder Colorado-Käfer gestartet, die Saboteure in amerikanischen Diensten genannt wurden.

    Das gleiche Argument hatte zuvor im Zweiten Weltkrieg schon das NS-Regime gebraucht und behauptet, die Kartoffelkäfer seien von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen worden.


    MfG wajdz

  • Hallo zusammen,


    ich glaube, dass ich diese Karte schon einmal gezeigt habe, aber hier passt sie auch gut zum Thema.


    Die 10 Öre Marke Wappentype ist Massenware, auch wenn diese einen kleinen Plattenfehler (Kerbe im oberen Rahmen über der kleinen Wertziffer oben rechts) aufweist.


    Hätte man die Marke rausgeschnitten und abgelöst, dann wäre nicht nur die Ansichtskarte von Hagenbecks "Indischer Ausstellung" in Kopenhagen vernichtet sondern auch ein postgeschichtlich interessanter Beleg.


    Die Karte wurde am 31.8.1901 von Kopenhagen nach Stettin versandt. Dort wurde am 1.9. (handschriftlicher Vermerk) der Rahmenstempel "Ohne Wohnungs-Angabe oder sonstige nähere Bezeichnung ist Adressat in Stettin nicht zu ermitteln. Kaiserliches Postamt 1"
    Offenbar kam dann doch noch jemand auf die Idee, dass die Eichstr. in Hannover gemeint sein könnte. Und dort kam gemäß Eingangsstempel vom 2.9.01 die Karte richtig an.


    Die heutige privatisierte Schneckenpost hätte vermutlich Probleme in der Zeit eine richtig adressierte Postkarte zuzustellen.


    Viele Grüße
    DKKW

  • Es wäre schade gewesen, wenn diese Marken abgelöst worden wären.
    Es ist ein zensierter Luftpostbrief von Aguascaliente, Mexiko nach Buenos Aires, Argentinien vom 25.7.1944 mit mexikanischem Zensurverschlussstreifen aus Papier (linke Seite) mit rückseitiger handgestempelter Zuweisungsnummer 750 und US-Zensurverschlussstreifen aus Zellophan mit handgestempelter Zuweisungsnummer 58008 (kopfstehend) der zweiten Zuweisung aus Balbao, Panama US-Kanalzone.
    Dieser Brief ist ein Dokument der strengen Briefkontrolle der USA während des 2. Weltkrieg.

  • Hallo Forumsfreunde,


    dank meines Sammlerfreundes Jürgen wurde eine postalische Familiensaga der Nachwelt laminiert erhalten :D
    Das Original ist in meinem Besitz !
    Als meine Tanten und Onkel, sowie meine kleine Schwester sich am Moritzberg vallustrierten, war ich gerade 2 Jahre vom flüssigen in den festen Zustand gewechselt :D


    Ich hoffe meine Söhne warten nicht darauf, dass ich bald abnippeln werde, um an das Familienstück zu kommen ( was sie gerne haben möchten, obwohl sie nix mit Philatelie am Hut haben, aber mit Familiiengeschichte ) ;)


    Wenn die Marken abgelöst wären, wäre auch ein philatelistischer, nicht alltäglicher Beleg für immer verschwunden !!!


    Grüße von Wolle

  • Hallo Joachim,


    einen kann ich noch draufsetzen :D


    Aufgefallen ist mir die Karte, da als Porto ein Postkartenausschnitt verwendet wurde.
    Beim lesen ( ich bin der altdeutschen Schrift noch etwas mächtig ;) )
    fiel es mir wie Schuppen vor die Augen.
    Die Karte war an meine Oma gerichtet als sie noch nicht verheiratet war, es ist ihr Mädchennahme ( Camilla Kronemann )
    Leider ist nicht ersichtlich, ob die Karte von ihrem Liebhaber oder meinem Opa ( oder beide als eine Person ;) ) stammt :(


    Jedenfalls schrieb man derzeit nicht einen " one night stand " zu haben, da schrieb man noch " Ich bin Dir gut !!!! " So ändern sich die Zeiten ;), jedenfalls ist das der momentan älteste postalische Familienbeleg.


    Grüße von Wolle


  • Hallo wajdz,


    interessante Karte mit dem sehr sauber abgeschlagenen MWst mit dem Kartoffelkäfermotiv.
    Allerdings stimmt etwas mit der Datierung des Beleges nicht. Am 05.09.1945 kostete eine Fernpostkarte 6 Rpf Porto und die graue 12 Rpf - Marke aus der Ersten Einheitsausgabe des Alliierten Kontrollrates erschien erst am 14.04.1946 an den Postschaltern.
    Kann es sein, dass es sich um eine Verwendung in 1946 handelt ? Das Jahr kann ich am Scan schwer entziffern. Ansonsten muss es eine Stempelfehleinstellung sein.
    Schade, dass der Absender die Karte nicht datiert hat, das würde bei der Feststellung des Verwendungsjahres helfen.


    Gruß
    KJ

    Sowjetische Besatzungszone -SBZ-
    vor allem OPD Dresden (Ostsachsen)

  • @KJ
    danke für den prüfenden Blick.
    Die von Dir genannten Ausgabedaten für die Einheitsausgabe sind natürlich korrekt.
    Die Einstellung des Stempeldatums ist eindeutig falsch. Im Vergleich sind die die Ziffer 5 in der TT gleich der Ziffer 5 im JJ. Eindeutig waagerechter Querbalken der 5.
    Im blauen Eingangsstempel mit der handschriftlich verbesserten Datumsangabe ist bei der Vergrößerung deutlich der obere Bogen der 6 zu erkennen.
    jetzt stimmt auch das Thema der Kampagne "AMI-Käfer, das erst 1946 so richtig hochkochte oder besser hochgekocht wurde.
    Da hat ein früherer Sammler offensichtlich die Tatsache eines falschen Stempeldatums nicht wahrhaben wollen und ich bin auch prompt bei meiner Zuordnung darauf reingefallen.
    Das falsch eingestellte Daten auf Tagesstempeln auch heute noch vorkommen, belegt die Tatsache, daß ein Teil meiner 55c Letztverwendungs-Belege mit der JJ 22 gestempelt wurde und damit leider nicht durch die Endkonrtolle kam.
    Nun ist die Welt jedenfalls in diesem Fall wieder in Ordnung und wir werden weitermachen


    MfG wajdz