Briefmarken: Diebischer Drucker treibt Firma in Ruin

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    Satte 4.500 Bögen der Marke „Dampfer Bremen“ zweigte Heinz K. ab, verscheuerte sie im Internet.



    Bonn – Gleich palettenweise verschob er Briefmarken aus der ehemaligen Bundesdruckerei. Drucker Heinz K. (39) wollte die Wertzeichen auf eigene Rechnung verkaufen. Seine Firma, früherer Staatsbetrieb, trieb er damit in die Pleite: Die Post entzog den wichtigen Auftrag. Der Drucker saß jetzt wegen besonders schweren Diebstahls auf der Anklagebank.


    Sie tauchten plötzlich im Internet-Auktionshaus ebay auf: Die 55-Cent-Briefmarken „Dampfer Bremen“ und „Rosengruß.“ Jemand bot die Wertzeichen privat zum Verkauf an. Experten kam das komisch vor. Massenweiser Verkauf von Briefmarken läuft gewöhnlich nicht übers Internet. Schon gar nicht kommen die angebotenen Fehldrucke in den Verkauf. Sie müssen unter Aufsicht im Makulaturraum der Druckerei geschreddert werden.


    In Verdacht gerieten daher schnell Mitarbeiter der Bundesdruckerei, die nach der Privatisierung (EXPRESS berichtete) in „Wertdruckzentrum“ umgetauft worden war. Fahnder installierten heimlich eine versteckte Kamera im Makulaturraum der Druckerei an der Südstraße, zogen so schnell einen dicken Fisch an Land.


    Das zeigt die Aufzeichnung: Wie selbstverständlich rollt Offsetdrucker Heinz K. einen Hubwagen in den Raum, wo die Fehldrucke gelagert sind. Er fühlt sich sicher, schaut sich nicht einmal um. Den Schlüssel hat der Dieb vorher im Meisterraum stibitzt. Dann fährt er eine ganze Palette mit 4.500 Bögen Briefmarken der Marke „Dampfer Bremen“ einfach weiter durch den Keller in die Tiefgarage. Der Amtsrichter: „Eine eklatante Sicherheitslücke.“


    Auf dem Parkdeck klappt der Drucker die Rückbank seines Golfs um, packt die Briefmarken seelenruhig ins Auto. Nach Feierabend bringt er die Marken in seine Wohnung. Dort finden sie später auch die Fahnder, nachdem sie die Videoaufzeichnungen ausgewertet haben und dem Drucker einen Besuch abstatten.


    Heinz K. ist sofort geständig. Zwar ist keine der Marken in den freien Verkauf gelangt. Aber der Nennwert der geklauten Palette beträgt eine halbe Million Euro. Der Amtsrichter: „Briefmarken sind wie Bargeld. Die Farbabweichungen auf den Fehldrucken waren vom Original kaum zu unterscheiden.“


    Fatal: Die Post entzog der Druckerei den Auftrag. Schon vorher müssen Briefmarken verschwunden sein. Das Unternehmen musste 150.000 Euro Schadenersatz an die Post zahlen. Der Amtsrichter: „Der Angeklagte hat die Insolvenz mitausgelöst.“ Heinz K. kommt mit zwei Jahren Knast auf Bewährung davon. Der Richter: „Mit Hängen und Würgen. Er wollte die Marken verkaufen, weiß gar nicht, wie viel Glück er hatte. Dann hätte es auch leicht sechs Jahre Knast geben können.“




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