• Hallo Forum,


    Ich wollte meine letzte Literatur Neuanschaffung vorstellen: Die "Standard Flag Cancel Encyclopedia" von Frederick Langford, 3. (neueste) Auflage, 1976. Hatte da eine Weile nach gesucht. Das Werk listet und bewertet nach Punkten alle Flaggenstempel der American Postal Machines Company und handelt auch einige sonstige in- und auslaendische Flaggenstempel ab.


    Fuer die USA gibt es 6,714 Varianten dieser Stempeltype aus 3,184 verschiedenen Staedten. Einige wenige Serienstempel (siehe Beitrag von m.w.myname) sind in dieser Zaehlung schon mit eingeschlossen, z.B. zur Panama-Pacific Exhibition in San Francisco 1915 oder zur 1899 National Export Exhibition in Philadelphia. Die ersten Maschienen wurden 1894 eingefuehrt und die Verwendung ging vereinzelt bis 1940.


    Zwei Beispiele fuer "American" Flaggen-Maschinenabstempelung habe ich angefuegt. Das erste Beispiel ist ein "Standard"-Flaggenstempel, die zweite Abstemplung ist ein Beispiel fuer eine Variante mit "Slogan" Einsatz. Beide Beispiele haben im uebrigen einen Bezug zur Feldpost des 1. Weltkrieges.


    Der erste Beleg ging im Maerz 1919 von East Orange, New Jersey via New York nach Frankreich an einen Captain (Hauptmann) in der American Expeditionary Force, weitergesandt von der Einheit an ein Lazarett.


    Der zweite Beleg ging September 1917 von Anniston, Ala. "McClellan Branch" nach Frederick, Maryland. Camp McClellan war eine der nach Kriegseintritt der USA aus dem Boden gestampften Trainingscamps, um praktisch aus dem nichts eine Armee zu traininieren. Der Zusatz "Branch" in Maschinen- oder Handstempel ist fuer diese Zeit und auch spaeter ein fast sicherer Hinweis auf ein Zweigpostamt, das einer Militaereinrichtung angegliedert ist. Vielleicht wollt ihr insoweit ja mal auf Schatzsuche gehen. Ein ziviles Zweigpostamt wuerde mit "Station" bezeichnet.

  • @carolina_pegleg:


    Sehr schöne und interessante Belege! Falls Du mal einen Brief an einen Soldaten in Luxemburg findest...


    Ansonsten eine kleine (fiese) Frage: Warum sind die Portostufen unterschiedlich? 2 Cent war das Inlandsporto, soweit so gut, aber der andere Brief ist mit 3 Cent frankiert. Und ging nach Frankreich! Also Ausland, hätte der nicht mit 5 Cent UPU-Porto frankiert gehört?

  • Zitat

    Ansonsten eine kleine (fiese) Frage: Warum sind die Portostufen unterschiedlich? 2 Cent war das Inlandsporto, soweit so gut, aber der andere Brief ist mit 3 Cent frankiert. Und ging nach Frankreich! Also Ausland, hätte der nicht mit 5 Cent UPU-Porto frankiert gehört?


    Evt. Militärporto?

  • hallo Gagrakacka , da du deine frage als fies bezeichnest, gehe ich davon aus, daß du die antwort kennst, sonst wüsstest du ja nicht, daß die frage fies ist. so etwas finde ich fies !!!!! sag doch gleich die antwort ist doch einfacher!

  • Filafan :


    Du lernst nur, wenn Du Dich mit Deinem Material beschäftigst. Und Du lernst am meissten, wenn Du selbst auf die Antworten kommst. Mir ist die unterschiedliche Frankatur sofort aufgefallen und hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich glaube auch zu wissen, warum das Franko so ist, wie es ist. asmodeus ist mit seiner Aussage auf der richtigen Fährte. Aber nur in einem Teilaspekt.


    Ich wehre mich massiv gegen "einfach" und "vorkauen", umsonst ist auch beim Briefmarkensammeln nur der Tod. Wenn keine Antworten kommen, dann gebe ich meine Interpretation gerne preis.

  • Kein Problem, kann ich ergaenzen. Fuer Briefe Heimat -- Front / Front -- Heimat galt Inlandsporto. Im Prinzip wurde nur die Strecke bis / vom Umschlagplatz New York bezahlt.


    Kriegseintritt der USA in den 1. Weltkrieg war am 6. April 1917. In diesem Zusammenhang wurde wirksam zum 2. November 1917 das Inlandsporto von 1c fuer eine Postkarte und 2c fuer den Standardbrief zeitweilig auf 2c bzw. 3c angehoben (War Tax). Am 30. Juni 1919 wurde dies widerrufen und zum Vor-Kriegsporto zurueckgekehrt.


    Im Gegensatz zu Deutschland, Oesterreich-Ungarn und den anderen kriegsteilnehmenden Laendern gab es zunaechst keine Portofreiheit fuer Feldpost. Erst ab Oktober 1917 war Feldpost von Soldaten im Auslandseinsatz portofrei wenn mit dem Zusatz "On Active Service" oder zumeist "Soldier's Mail" in der rechten oben Ecke gekennzeichnet. Fuer Soldatenpost innerhalb des Inlands, d.h. vor der Verlegung an die europaeischen Kriegsschauplaetze, musste nach wie vor bezahlt werden.


    Beide Briefe tragen also portorichtig das Inlandsporto von 2c am 24. September 1917 bzw. 3c am 26. Maerz 1919. Aber dieser Beitrag war ja eigentlich ueber Flaggenstemel . . .

  • @carolina_pegleg:


    Ich wollte Deinen Thread nicht kapern. Aber die meissten europäischen Sammler kennen diesen Aspekt nicht. Für uns ist Feldpost immer mit einer Portofreiheit verbunden. Die "War Tax" ist im übrigen ja auch keine moderne Erfindung, die gab es schon im Krieg von 1812...

  • @Gagrakacka


    also dies hat nichts mit alles vorgekaut bekommen zu tun man muß ja das rad nicht neu erfinden, ich gebe auch zu bedenken, daß nicht jeder überall fachliteratur zur verfügung haben kann. trotzdem interessiert mich auch anderes aus sammelgebieten die ich nicht bearbeite! Es reicht doch manchmal etwas gehört zu haben, um es im gedächnis zu behalten. soetwas nennt man im weitläufigstem sinne allgemeinbildung hier in diesem fall allgemeinbildung in der philatelie. da muss ich mir nicht speziallwissen aneignen und weiß ich wieviele bücher durchwelzen. nein es reicht, wenn ich es irgendwo einmal gehört habe. du willst doch nicht wirklich behaupten, daß du dich überall (in der philatelie) gut auskennst, oder?


    ich persönlich glaube, dass du durch solche threads nur schreibst um dich zu profilieren, mehr nicht.

  • Zitat

    Original von Filafan
    ich persönlich glaube, dass du durch solche threads nur schreibst um dich zu profilieren, mehr nicht.


    Filafan :


    Genau. Du hast mich durchschaut. Bitte verrate mir doch noch meinen Masterplan, den hab ich wohl gerade verlegt...


    Oh, noch eines, welchen persönlichen Gewinn habe ich eigentlich dadurch, dass ich hier etwas schreibe?

  • Filafan : bleib mal locker, wir verstehen uns in dem forum eigendlich alle sehr gut und das soll auch so bleiben, als "neuen" wuerde ich dich bitten deine kritik etwas besser zu dosieren.


    die art der fragestellung ist hier ueblich. wenn man nach posthistorischen kriterien sammelt, dann kann man das ganze auch so betrachten: jeder beleg ist ein kleines rätzel.


    nicht umsonst weren in der zeitung die rätzel lösungen immer etwas weiter hinten abgedruckt.

  • Leider kann ich zum Thema Flaggenstempel nicht viel beitragen, aber sie waren auch in Europa recht beliebt. Anbei ein französischer Flaggenstempel von der Weltausstellung 1900 nach Luxemburg. In Deutschland gab es auch Flaggenstempel, vielleicht hat jemand eine Abbildung?

  • @ Gagrakacka: Also, ich habe Deine Frage nicht uebelgenommen. Im Gegenteil. Ich glaube jeder beteiligt sich ja hier im Forum, weil er Spass am Fachsimpeln ueber die Philatelie hat.


    @ Filafan: Willkommen in Club! Bitte lass Dich durch die kleine Irritation nicht verunsichern. Ich habe mir Dein Profil angeschaut. Poste mal Deine Sammelinteressen!


    Noch zum Exkurs ueber US Soldatenbriefe im 1. WK:


    Nur um es noch einmal zu sagen. Fuer Soldatenbriefe im Inland gab es keine Portofreiheit. Waehrend bei deutschen, oesterreichischen etc. Belegen einem der militaerische Hintergrund aufgrund der Portofreiheit ins Auge springt, gilt das fuer die USA nicht. Da muss man auf die Stempel achten. Jetzt habt ihr gelernt: Schluesselwort bei den meisten Entwertungen ist "Branch" abgekuerzt "BR." im Stempel. Wenn man von den ersten paar Monaten absieht (Der McClellan Brief ist aus dieser fruehen Zeit), dann sind Briefe aus der Kriegszeit, bei denen sich ein naeherer Blick lohnt wegen der War Tax leicht an der Frankatur zu erkennen: 3c anstatt 2c fuer Briefe und 2c anstatt 1c fuer Postkarten. Ich fuege noch einen Scan an mit solchen Stempeln zur weiteren Illustration an. Sind alles Maschinenstempel des Herstellers Universal.


    Fuer die in Europa eingesetzten Soldaten war Post in die Heimat, nach einigen anfaenglichen hin und her, frei. Abbildungen wie diese Belege aussehen, sind in diesem Beitrag zu finden:



    Zurueck zu den Flaggen:


    Der Flaggenstempel zur Pariser Weltausstellung ist nicht von einer "American Co." sondern von einer "Bickerdyke" Maschine. American hat zwar versucht Stempelmaschinen auch ausserhalb der USA bei Postverwaltungen zu platzieren, war allerdings nicht sehr erfolgreich. Flaggenstempel von der American Co. gibt es ansonsten nur von Canada (Montreal, Ottawa)-- dies sind die beruehmten "Imperial Cancels"-- und Uruguay (Monte Video).


    Bickerdyke Flaggenstempel gibt es von Frankreich (22 Maschinen, nur Paris, inkl. zwei Maschinen auf der Weltausstellung), Italien (je 1 Maschine in Rom, Genua, Neapel, Turin und Mailand) und in Deutschland. Ich zeige unten eine Abbildung eines Bickerdyke Flaggenstempels von Hamburg. Ich hoffe jemand kann ein Original hier zeigen.


    Ich kann nicht sagen, wo die deutschen Maschinen zum Einsatz kamen. Wenn jemand da eine Liste von hat, waere ich sehr dankbar. Ich schaetze, dass es ungefaehr 25 verschiedene Staedte sind, wo Bickerdyke Flaggenstempel mit dem Krone und Posthorn Muster im Einsatz waren. Vielleicht koennen unsere Baden Experten dazu ewas beitragen. Die Bickerdyke Maschinen kamen ja aus Karlsruhe und ich meine ich haette auch eine Karlsruhe oder Mannheim Flaggenabstempelung einmal gesehen. Schliesslich, fuer die Oesterreicher hier: In 1904 wurde auch eine Bickerdyke Maschine in Wien installiert, die hatte allerdings keine Flagge als "Killer" sondern waagerechte Balken.


    Genug? Genug.

  • @ Asmodeus
    Vielen Dank fuer's zeigen. Ich habe diesen Maschinenstempel bislang nur beschrieben gesehen, aber nie im Original. Bickerdyke hat nur 8 Maschinen nach England verkauft. Sechs wurden in London und zwei in Liverpool eingesetzt. Eine Maschine ging dann noch nach Kapstadt. Keine dieser neun Maschinen hat je postalisch einen Flaggeneinsatz verwendet. Das heisst nicht, dass es keine englischen Flaggenstempel gibt. Das weiss ich nicht. Es waere aber wohl keine Bickerdyke.



    @ Coki


    Schoener Brief. Hawaii wurde erst in 1959 der 50ste US Bundesstaat, der Brief ist also noch aus der "Territorium" Zeit (seit 1899).



    @ SaschJohn


    So sieht er also im Original aus. Flagge aus Braunschweig. Vielen Dank.


    Wie gesagt, wer eine Liste alle dieser deutschen Krone-und-Posthorn Flaggenstempel hat, bitte melden. Ich habe aus einer Quelle, dass es 33 "varieties" von den Krone und Posthorn Flaggen gibt. Ich kann allerdings nicht sagen, ob "varieties" meint, dass das jetzt alles verschiedene Staedte sind.


    Wir koennen natuerlich auch versuchen als Gemeinschaftsanstrengung eine virtuelle Sammlung von Abbildungen aller Krone und Posthorn Flaggen zusammenzubringen. Zusammengetragen aus den Tiefen des Internets und von Scans gluecklicher Besitzer. 33 Stueck, wenn's stimmt, ist ja einerseits eine ueberschaubare Zahl, andererseits schon eine kleine Herausforderung. Platz in der Fotogallerie waere ja und das erste Stueck haetten wir auch schon . . .


    Na ja, ist vielleicht auch nur eine Schnappsidee. ?(

  • @carolina_pegleg:


    Infla-Berlin hat eine Broschüre zu den Bickerdykes. Dazu kommt, dass einige Flaggeneinsätze sehr selten sind. In Sindelfingen habe ich eine Variante gesehen, nach der der Sammler 10 Jahre gesucht hat.